Die Zahlen sprechen für sich: Die Mehrheit der Belgier werten die USA nicht mehr als Freund von Belgien, sondern als Gegner. 52 Prozent der Flamen, 50 Prozent der Wallonen und gar 59 Prozent der Bewohner von Brüssel geben das so in der großen Umfrage von RTBF, VRT und De Standaard an.
Und vielleicht noch deutlicher wird die Abwendung von den USA als quasi natürlicher Verbündeter von Belgien, wenn man auf die Antworten derer schaut, die die USA klar als Verbündeten sehen: Nur acht Prozent der Flamen und Brüsseler können sich zu diesem Urteil durchringen, in der Wallonie sind es mit zehn Prozent nur leicht mehr.
"Das überrascht mich nicht", sagte dazu Raoul Delcorde im Radio der RTBF. Delcorde war früher selbst Botschafter in Schweden, Polen und Kanada. Heute lehrt der 71-Jährige als Gastprofessor Internationale Beziehungen an der Katholischen Universität Löwen.
Die USA sei von den meisten Menschen in Belgien bislang immer als ein Garant für Frieden und Schutz gesehen worden. Doch jetzt, wo die Hilfe der USA tatsächlich auch mal benötigt würde, weil der Krieg in der Ukraine auch Sicherheiten in Europa bedrohe, scheint die Hilfe der USA ganz und gar nicht sicher. Und natürlich spiele die Person von US-Präsident Donald Trump dabei eine ganz zentrale Rolle.
"Der US-Präsident war nicht zimperlich bei seiner Wortwahl gegenüber Europa. Das erklärt die schwindende Verbundenheit, die schwindende Liebe zu den USA", sagt Delcorde. Der ehemalige Botschafter nennt diesen Stimmungswandel zu Ungunsten der USA sogar eine Revolution. Zumal sich diese anti-amerikanische Stimmung bei Wählern aller Parteien wiederfinden würde.
China geringere Gefahr als USA
Auffällig in der Umfrage ist neben der Abkehr der Belgier von den USA der Vergleich zu dem Bild, das die Belgier zu anderen Großmächten haben. Dass die Belgier die EU und - sogar mit noch mehr Zustimmung - die Nato mehrheitlich als Verbündete bezeichnen, überrascht genauso wenig wie die Tatsache, dass Russland von mehr als 70 Prozent der Belgier als Feind gesehen wird.
Auffällig ist allerdings, dass die Belgier in China eine geringere Gefahr sehen als in den USA. Deutlich weniger als die Hälfte der Befragten werten China als Gegner. Für Flanderns Ministerpräsident Matthias Diependaele ist dieses Ergebnis keine sonderliche Überraschung. Das sei weniger das Ergebnis realer Tatsachen, sondern der medialen Aufmerksamkeit.
Den Handelsbeziehungen zu den USA sei in den vergangenen Jahren nämlich viel mehr Aufmerksamkeit geschenkt worden. Was natürlich an der Regierung von Trump läge, sagte Diependaele bei der VRT. Er sieht aber trotzdem in China die größere Bedrohung für Belgien. "China spielt auf handelspolitischer Ebene ein knallhartes, nicht ehrliches Spiel."
Europa und damit auch Belgien werde mit chinesischen Produkten zu Dumpingpreisen geflutet zum Schaden der eigenen Wirtschaft und der Verbraucher. Es sei richtig, dass die EU diese Gefahr erkannt habe und auf dem nächsten EU-Gipfel darüber gesprochen werden soll, wie die EU ihre Maßnahmen gegen China verschärfen kann.
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