Der in der Nacht zum Sonntag von der belgischen Armee geenterte Öltanker "Ethera" ist unter der falschen Flagge von Guinea gefahren. Das hat Verteidigungsminister Theo Francken (N-VA) am Sonntag mitgeteilt.
Tatsächlich gehört der Tanker zur russischen Schattenflotte und steht auf der Sanktionsliste der EU. Es gebe schwerwiegende Hinweise auf bewusste Täuschung und Umgehung von Sanktionen.
Armeechef Frederik Vansina sagte, Belgien hätte die "Ethera" bereits seit einiger Zeit im Auge gehabt. Das Schiff sei häufig zwischen Russland und Südamerika unterwegs gewesen, man habe das regelmäßige Ausschalten der Identifikationssysteme und das Fahren unter verschiedenen Flaggen festgestellt. Die Föderale Staatsanwaltschaft hat eine strafrechtliche Untersuchung eingeleitet.
Der 180 Meter lange Tanker war auf dem Weg von Marokko mit Ziel Sankt Petersburg und ist kurz vor Mitternacht durch das belgische Militär geentert worden. An der Operation sind unter anderem 93 Soldaten verschiedener Einheiten und vier Hubschrauber beteiligt gewesen. Die 21 Besatzungsmitglieder sind inzwischen identifiziert worden, wann sie das Schiff verlassen dürfen, ist unklar. Es liegt jetzt im Hafen von Zeebrügge. Waffen wurden keine gefunden. Unter anderem wegen des Fahrens unter falscher Flagge droht der Reederei eine Geldstrafe von bis zu zehn Millionen Euro.

Man wolle härter gegen die russische Schattenflotte vorgehen, betonte Verteidigungsminister Francken. Russlands Angriffskrieg in der Ukraine werde zu einem großen Teil mit den Einnahmen aus dem Ölexport finanziert, zu dem die Schattenflotte beitrage.
Neben diplomatischen Reaktionen aus Moskau befürchtet die Föderalregierung auch Cyberangriffe oder Vorfälle mit Drohnen. Das Nationale Krisenzentrum und der Anti-Terror-Stab OCAM würden die Situation beobachten.
Premierminister Bart De Wever (N-VA) gratulierte den Streitkräften zu ihrem professionellen und entschlossenen Vorgehen und dankte den französischen Partnern "für ihre wertvolle Unterstützung". Belgien werde das internationale Seerecht stets durchsetzen und entschlossen auf jede Verletzung der Sicherheit seiner Hoheitsgewässer reagieren, schrieb der Premier auf X.
Selenskyj dankt Belgien und Frankreich
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj lobt die Festsetzung des Öltankers der russischen Schattenflotte durch die belgische Armee.
In einer Stellungnahme teilt er mit, er begrüße diese "entschlossene Maßnahme gegen die schwimmende Finanzierungsquelle Moskaus" und danke Frankreich für die Unterstützung bei dieser Operation.
belga/vrt/sh/fk