Israelischer Wein, zahlreiche Häppchen aus Nahost und dichtes Gedränge Montagabend vor dem Saal 1 "Prestige" des Brüsseler Kinos Toison d’Or. Aber auch: zahlreiche Sicherheitskräfte, zivil getarnt mit Stöpseln im Ohr, und Polizisten vor dem Haupteingang des Kinos. So sah die etwas andere belgische Vorpremiere des Hollywood-Films "Nürnberg" in Brüssel aus.
Der Film erzählt die Geschichte der Nürnberger Prozesse, das Gerichtsverfahren, bei dem kurz nach Ende des Zweiten Weltkriegs führende Nazis für ihre Verbrechen zur Rechenschaft gezogen wurden. Es war das erste Mal, dass Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit vor Gericht verhandelt worden waren.
Mittwoch startet der Film in Belgien. Mit der Vorpremiere Montagabend wollte der Europäische Jüdische Kongress EJC, der in Brüssel seinen Hauptsitz hat, an den Internationalen Holocaust-Gedenktag am 27. Januar erinnern. "Wir wollen mit dem Film betonen, wie wichtig internationales Recht, Gerechtigkeit und Menschenrechte sind", sagt EJC-Sprecher Dylan Bokler im Gespräch mit dem BRF. "Und wie Nürnberg unser Verständnis von dem, was ein Völkermord und Verbrechen gegen die Menschlichkeit bedeutet, geprägt hat.
Der Abend stand damit nicht nur im Zeichen des Gedenkens an die ermordeten Juden, sondern entwickelte auch eine größere Dimension. "Ich hoffe, dass der Film die belgische Öffentlichkeit daran erinnern wird, wie wichtig die Nürnberger Prozesse nicht nur für die Verurteilung der Nazis waren, sondern auch für unsere grundlegenden europäischen Werte sind", fasst es EJC-Sprecher Bokler in seinen Worten zusammen.
Dann kam der Film - und am Ende reagierte das Publikum unterschiedlich. Einige zog es direkt nach Hause - die vorgerückte Abendstunde mag dabei eine Rolle gespielt haben. Viele blieben aber auch im Foyer vor dem Kinosaal. Der Gesprächsbedarf war groß.
"Ich fand den Film wirklich genial. Ich denke, dass man ihn in Schulen zeigen sollte", sagt eine junge Frau.
"Für mich ist das ein großer Film", ergänzt ein vielleicht 50-jähriger Mann. "Man versteht über die Personen, die gezeigt werden, wie alles zustande gekommen ist. Es gibt wenig Bilder von den Konzentrationslagern. Aber das braucht der Film auch nicht. Denn man versteht auch so den menschlichen Wahnsinn."
"Ich weiß nicht, ob mir der Film wirklich gefallen hat", gibt sich eine weitere Besucherin leicht kritisch. "Er ist letztlich sehr amerikanisch, eine amerikanische Geschichte. Aber es ist natürlich sehr wichtig, dass diese Geschichte, die Nürnberger Prozesse, ins Bewusstsein eines breiten Publikums zurückgeholt wird."
Kay Wagner


