Olivenöl ist eine europäische Erfolgsgeschichte. 61 Prozent des Olivenöls, das in der Welt verzehrt wird, kommt aus der EU. Olivenöl ist ein wahrer Exportschlager für die Union. Diese Tatsache, so meint es der Europäische Rechnungshof, ist nicht nur Grund zur Freude, sondern auch Ansporn dafür, bei der Qualität des Olivenöls genau hinzuschauen. Denn nur bei guter Qualität werde die Welt weiter gerne auf das Produkt aus Europa setzen.
Deshalb hat sich der Europäische Rechnungshof jetzt genauer angeschaut, wie es mit der Qualitätssicherung beim Olivenöl in der EU aussieht. Dass sich die Prüfer dabei mit Spanien, Griechenland und Italien beschäftigt haben, versteht sich fast von selbst. 91 Prozent des Olivenöls aus der EU werden in diesen drei Ländern produziert. Dass sich die Prüfer aber auch mit Belgien beschäftigt haben, überrascht.
Belgien und Olivenöl - wie passt das zusammen? Sehr gut, sagt Joëlle Elvinger. Per Online-Pressekonferenz hatte sie Mittwoch die Ergebnisse des Berichts des Europäischen Rechnungshofes zur Qualitätskontrolle von Olivenöl vorgestellt. Dabei sagte sie "Belgien ist der größte Exporteur von Olivenöl unter allen Ländern, die kein Olivenöl selbst produzieren". Woran das liege, dass gerade über Belgien so viel Olivenöl aus der EU in die ganze Welt geliefert wird und auch das meiste Olivenöl aus nicht EU-Ländern über Belgien in die EU kommt, wisse sie zwar nicht genau, gab Elvinger zu. Aber sie könne sich vorstellen, dass das an den Häfen liegen würde, die es in Belgien gebe. Das musste zur Begründung reichen.
Dann ging es ans Eingemachte. Wie sind denn nun die Kontrollen in der EU beim Olivenöl? Werden sie dem hohen Ansehen des Exportschlagers gerecht? Will man die Äußerungen von Elvinger zusammenfassen und dazu noch das nehmen, was der Bericht des Rechnungshofes über die Prüfungen aussagt, so kann das vielleicht mit einer Schulnote 3+ bewertet werden.
Die Kontrollen auf Rückstände von Pestiziden seien zum Beispiel klar geregelt und würden auch gut durchgeführt. Bei anderen Verunreinigungen seien Vorschriften und Kontrollen aber weniger gut. Auch die Rückverfolgbarkeit von gemischten Ölen sei oft ohne Weiteres nicht möglich.
Dieses durchwachsene Urteil spiegelt sich auch in den belgischen Ergebnissen wieder. Gute Noten gibt es bei den Kennzeichnungskontrollen und den Kategorie-Kontrollen. Dem gegenüber stehen klare Versäumnisse, wie zum Beispiel die vollkommen fehlende Überprüfung des Verkaufs von Olivenöl im Internet.
Mangelhaft in Belgien sind auch die Laboranalysen von Olivenöl. Von den 15 Parametern, die bei "nativem Olivenöl extra" laut EU-Vorgaben geprüft werden sollen, werden fast die Hälfte kategorisch nicht geprüft. Kein Grund allerdings für den Europäischen Rechnungshof, Belgien deshalb in Sachen Olivenöl besonders an den Pranger zu stellen. Das werden auch die anderen drei Länder nicht. Vielmehr beschließt der Rechnungshof seine Untersuchung mit Empfehlungen an die EU-Kommission, wie sie die Kontrollen des Exportschlagers Olivenöl verbessern könne. "Wir empfehlen der EU-Kommission, die Aufsicht über die Kontrollsysteme der Mitgliedstaaten zu stärken, die Regeln für das Mischen von verschiedenen Olivenölen klarer zu formulieren sowie die Schritte zur Prüfung von verunreinigtem Olivenöl und die Rückverfolgbarkeit von Olivenöl jeweils zu verbessern."
Kay Wagner