Verlieren wollen sie keinen der zehn, fünfzehn Teilnehmer, die sich zu dem Rundgang der etwas speziellen Art auf der Brüsseler Automesse eingefunden haben. Geladen hat der belgische Verband Febelauto, der sich um das Recyceln von ausgemusterten Autos und Auto-Batterien in Belgien kümmert.
Speziell verspricht der Rundgang deshalb zu werden, weil er einen Blick hinter die Kulissen der glänzenden Automobile werfen will. Gezeigt werden soll, was es an umweltfreundlichen Techniken in den Autos mittlerweile gibt, wie es um den Gebrauch von recycelten Materialien steht und welche Innovationen jetzt schon angewendet werden, um nicht nur über den Elektromotor allein das Auto von morgen so umweltfreundlich wie möglich zu gestalten.
Erste Station: Der Stand von Mercedes. Stolz präsentiert ein Vertreter der Marke mit dem Stern das gerade erst am vergangenen Freitag frisch gekürte Auto des Jahres, den voll elektrischen Mercedes CLA. Fast 800 Kilometer Reichweite, schnelles Laden, viel recyceltes Material, das für die Karosserie und auch im Innenraum verwendet worden sei. Noch schnell ein Blick auf den AMG GT XX, einen voll elektrischen Sportwagen von Mercedes im Prototyp, den Hinweis darauf, dass Mercedes schon seit zwei Jahren eine eigene Recycling-Fabrik für E-Auto-Batterien betreibt.
Dann geht es weiter zu Hyundai. Hier wartet eine Überraschung. Denn bei der Bestrebung, die Autowelt mit komplett CO2-freien Wagen zu bereichern, setzen die Südkoreaner neben dem Elektromotor weiter auf Wasserstoff. "Hyundai entwickelt ein ganzes Öko-System, um sowohl die Herstellung als auch den Transport und alles weitere mit Wasserstoff betreiben zu können", sagt Kristof Winckelmans, PR-Manager von Hyundai in Belgien. Wasserstoff als Vision - das hört sich gewagt an zu einer Zeit, in der zumindest die EU außer dem E-Motor nicht wirklich dazu bereit scheint, auch andere alternative Antriebsarten mit Nachdruck fördern zu wollen.
Nächste Station: X Peng, die Chinesen, die im vergangenen Jahr das erste Mal auf dem Salon waren. Ganz Autoteile werden bei X Peng mittlerweile aus einem Guss gefertigt. "Man braucht keine Einzelteile mehr", preist der X-Peng-Manager für Belgien seine Marke an. Außerdem werde kein Kobalt mehr bei den Autobatterien verwendet.
Direkt neben X Peng ist der Stand von Nio. Das ist eine andere chinesische Marke, die gerade Markteintritt in Belgien feiert. Was es hier an umweltfreundlicher Neuentwicklung gibt, erklärt der Ostbelgier Pierre Corman, der Business Development Manager von Nio: "Zum einen sind unsere Fahrzeuge 'swapable'. Das heißt, dass unsere Fahrzeuge die Batterie neben dem Schnellladen auch wechseln. Dadurch ermöglichen wir eine konstante und schonende Batterienutzung. Außerdem findet man bei unseren Fahrzeugen sowohl außen als auch innen überall recycelte Materialien."
Das System der austauschbaren Batterien, von dem er spricht, sei auch auf andere Marken zu übertragen. Beim Tanken wird dabei an einer Ladestation die leere Batterie gegen eine frisch geladene Batterie ausgewechselt, also automatisch installiert. Fünf Minuten würde das Tanken dadurch nur dauern.
Letzte Station des Öko-Rundgangs: die Halle von d’Ieteren, Importeur von allen Marken der Volkswagengruppe. Pressesprecher Jean-Marc Ponteville erklärt, dass neben der Entwicklung von E-Autos das ökologische Zukunftskonzept der Gruppe darin besteht, Anwendungen rund um das E-Auto zu entwickeln. Dazu gehöre sowohl das Carsharing, ein Leasing-Angebot für E-Autos und ein neuartiges Tele-Driving. Dabei wird ein Auto aus der Ferne gesteuert "wie eine Drohne in der Luft, nur eben auf der Straße."
Kay Wagner



