Außenministerin Lahbib trägt “One-Love”-Armbinde im Stadion

Außenministerin Hadja Lahbib hat während des Spiels der Roten Teufel bei der Fußball-WM am Mittwochabend in Katar die umstrittene "One-Love"-Armbinde getragen. Um diese hatte es zuvor einen Streit zwischen mehreren europäischen Fußballverbänden und der Fifa gegeben.

Außenministerin Hadja Lahbib beim WM-Auftakt der Roten Teufel, während sie sich mit FIFA-Chef Infantino unterhält (Bild: Virginie Lefour/Belga)

Außenministerin Hadja Lahbib beim WM-Auftakt der Roten Teufel, während sie sich mit FIFA-Chef Infantino unterhält (Bild: Virginie Lefour/Belga)

Mit der mehrfarbigen Armbinde soll für Vielfalt, Offenheit und Toleranz geworben werden.

Eigentlich hatte Rote-Teufel-Kapitän Eden Hazard die One-Love-Armbinde auf dem Spielfeld tragen wollen. Doch nach dem Verbot der Armbinde durch die Fifa kurz vor Beginn der Weltmeisterschaft verzichtete Hazard am Mittwoch auf seine Geste.

Anders hat es nun Außenministerin Lahbib getan. Genauso wie Deutschlands Innenministerin Nancy Faeser Stunden zuvor war auch Lahbib mit der One-Love-Armbinde zu sehen, wie sie neben Fifa-Präsident Gianni Infantino im Stadion die Roten Teufel anfeuerte.

„Ich habe zuvor mit Infantino gesprochen“, sagte Lahbib in der Pause gegenüber der RTBF. Der Fifa-Chef habe ihr erklärt, dass das Verbot der Armbinde nicht auf den Tribünen gelte. Das sei für sie ausschlaggebend gewesen, sich mit der Armbinde im Stadion zu zeigen.

„Es gab also keine Gelbe oder Rote Karte für mich“, sagte Lahbib. „Das war nicht nötig. Infantino meinte, dass es kein Problem sei, dass ich die Armbinde trage.“

Kay Wagner

20 Kommentare
  1. Mario Mausen

    Sehr geehrte Frau Lahbib, Sie sind Außenministerin Belgiens, Infantino ist NUR Präsident eines privaten Fußballverbandes… Sie brauchen ihn nicht zu fragen, was Sie anziehen dürfen !!!!!!!!!!!!!!!!

  2. Marcel Scholzen Eimerscheid

    Es ist nichts außergewöhnliches, wenn Diplomaten Landestracht tragen. Nichts anderes hat die Außenministererin getan. Diese Armbinde kann man im weitesten Sinne als belgische Landestracht betrachten. Sie ist ja nicht Teil der FIFA und braucht auch deshalb nicht die FIFA-Regeln zu beachten.

  3. Dieter Leonard

    Gestern behauptete MSE noch, mit der Kapitänsbinde würde man dem Gastgeber in bester Kolonialmanier seine Meinung und seine Werte aufzwingen…
    Heute ist die Armbinde als Landestracht zu betrachten.
    So, wie es gerade passt…

  4. Yves Tychon

    Werter Herr Mausen,

    ich schätze Frau Lahbib so ein, dass sie genau wusste, weshalb sie diese – rhetorische – Frage stellte: Infantino sollte die Armbinde bloß nicht übersehen!

  5. Werner Radermacher

    Die belgische Außenministerin Lahbib besitzt Immunität, dies ist Gratismut. Ein Zeichen hätte sie gesetzt, wäre sie der WM ferngeblieben. Aber eine so schöne Reise auf Kosten der Steuerzahlerin die Sonne reitzt natürlich Außenministerin Lahbib.
    Das zählt auch für die deutsche Innenministerin Faeser.

  6. Dieter Leonard

    Bedauerlicherweise lenkt die Diskussion um eine Kapitänsbinde zunehmend von den eigentlichen Problematiken ab:

    1. Unserem Verhältnis und Umgang mit Diktatoren, Autokraten und Feudalherren (zumal wenn sie für die Zerstückelung von Journalisten verantwortlich sind) und der Menschenrechtssituation in diesen Ländern.
    2. Dem Umgang mit einem mafiösen Sportverband, wie der FIFA.
    3. Die Entwicklung eines pervertierten Profi-Fußballs, dessen finanzielle Auswüchse jeglichen Maßstab und Anstand vermissen lassen.

  7. Dieter Leonard

    Nachtrag:
    P.S. Auf die Frage nach dem Umgang mit der FIFA hat Dänemark eine zumindest mögliche und wahrscheinlich richtige Antwort geliefert: einem möglichen Austritt aus diesem mafiösen Verband.

  8. Marcel Scholzen Eimerscheid

    Guten Abend Herr Leonard.

    Vollkommen normal, daß Sie nur „Bahnhof“ verstehen.Sie sind es nicht gewohnt, irgendwelche Regelungen zu beachten.Sie handeln nach dem Motto : “ Ich bin ein guter Mensch, also darf ich mir alles erlauben.“.Die Fußballer dürften keine Armbinde tragen aufgrund einer FIFA Regel, die Außenministerin durfte besagte Armbinde tragen, weil die Regel nicht für sie galt.Mit ihrer Einstellung sind Sie eine größere Gefahr für die Demokratie als ich, denn Demokratie basiert auf dem Respekt von Regelungen.

    Und im Umgang mit Diktatoren sollte man gelassen bleiben.Sie sind nur dann eine Gefahr, wenn sie militärisch überlegen sind.Und jedes Land war doch mal eine Diktatur.Ist nur ein Entwicklungsschritt Richtung Demokratie.So zumindest in Europa.Verwirklichen wir doch mal die Demokratie hierzulande.Das ist wichtiger als anderen Völkern etwas vorschreiben (=Kolonialmentalität).

  9. Lutz-René Jusczyk

    „[…] einem möglichen Austritt aus diesem mafiösen Verband.“

    Das wäre konsequent. Die Frage ist nur: Gegen wen sollen jene Länder dann spielen, wenn bedeutende Fußballnationen wie Brasilien, Argentinien oder Mexiko weiterhin in der FIFA bleiben?
    Zwei weltweite Turniere auszutragen, dürfte allein schon aufgrund der Spielpläne in den nationalen Ligen unmöglich sein.
    Interessanterweise werden Diskussionen wie bei uns in Lateinamerika kaum geführt. Möglicherweise liegt dies auch daran, dass die Menschen dort tagtäglich massive Ungerechtigkeiten erfahren und viele der dortigen Länder bis in die Achtzigerjahre hinein Militärdiktaturen waren.
    Wir Westeuropäer haben sehr hohe ethische Maßstäbe. Im Prinzip ist das gut, nur tickt der Rest der Welt offensichtlich nicht so.
    Deutlich wird dies bspw. auch beim Umgang mit Russland: Schauen wir uns doch mal die Bevölkerungszahlen in nur drei der Länder an, die sich bei der Verurteilung des völkerrechtswidrigen Angriffskrieges enthalten haben: China, Indien und Brasilien. Die G7 können sich dazu zahlenmäßig nicht hinstellen.

  10. Marcel Scholzen Eimerscheid

    Herr Jusczyk.

    Sie schreiben:
    „Wir Westeuropäer haben sehr hohe ethische Maßstäbe. Im Prinzip ist das gut, nur tickt der Rest der Welt offensichtlich nicht so.“
    Absolut richtig.

    Die Denk- und Lebensweisen sind verschieden von Land zu Land, von Volk zu Volk. Und man sollte keinem Volk irgendwelche Vorschriften machen, das wäre Kolonialismus und man wäre nicht besser wie Putin. Das beste ist, international zusammen arbeiten und im Gespräch bleiben.

    Einfach Standpunkt beziehen auf gut grüne Art, dann eine Mauer des Schweigens errichten, wird oft als arrogant empfunden.

  11. Norbert Schleck

    Eigentlich sollte man auf die ewig gleichen „Argumente“ des Leierkastenmannes aus Eimerscheidi nicht eingehen. Es bringt einfach nichts, Trolle zu füttern.

    Aber dass er nach dem Nazi-Sprech seines Bruders nun offen Toleranz Diktatoren gegenüber predigt, da deren Regime eben Landestradition sei, das darf nicht unwidersprochen bleiben.

    Im Iran haben wir das jüngste Beispiel, wie „glücklich“ die dortige, vor allem die weibliche Bevölkerung mit den ihnen durch brutalste Religionsfanatiker aufgezwungenen ‚Traditionen“ ist.
    Warum muss denn in allen diktatorischen Regimen die Presse- und Meinungsfreiheit eingeschränkt oder ganz unterdrückt werden, warum muss ein repressives System seine Gegner einsperren, wenn die Bevölkerung nicht doch lieber unter dem „neokolonialen“ „westlichen“ System leben möchte?

    „So, wie es gerade passt…“
    Ja, Herr Leonard, einerseits wirft der Eimerscheider Moralapostel uns vor, aus wirtschaftlichen Gründen vor Diktatoren zu kuschen („Doppelmoral“), und andererseits sollen wir im Umgang mit ihnen „gelassen“ bleiben.
    Nur keine „Vorschriften“ machen! Diese Regime sind doch alles nur Lokalkolorit, Folklore, nicht wahr?

  12. Yves Tychon

    @ MSE: « im Umgang mit Diktatoren sollte man gelassen bleiben.Sie sind nur dann eine Gefahr, wenn sie militärisch überlegen sind. » Sie sind allerdings auch eine Gefahr, wenn man dummerweise in dem betreffenden Land zu Hause ist und es wagt, die Klappe aufzumachen!

    Aber Sie würden das vermutlich abtun mit dem Argument « dem Fisch geschieht nichts, solange er den Mund dicht hält ».

  13. Norbert Schleck

    Passend zum Thema Iran und „Zurückhaltung““ gegenüber Traditionspflege“:

    „Die stellvertretende Vizepräsidentin für Frauen (!) und Familienangelegenheiten in Iran, Chadidscheh Karimi, meldete sich zu Wort und nannte die westlichen Staaten »arrogante Heuchler«. Sie sprach ihnen die moralische Glaubwürdigkeit ab, besonders Deutschland. Der übliche Whataboutism autoritärer Gemüter.“
    […]
    „Mag sein, dass »der Westen« heuchlerisch ist. Mit Sicherheit ist er das. Aber daraus leitet sich kein Automatismus ab: Wir sind total heuchlerisch, also halten wir uns lieber zurück, wenn ein unterdrückerisches System die eigene Bevölkerung brutal niederschlägt. Sonst merkt noch jemand, dass wir Heuchler sind.“
    (SPON – Auch Heuchler können das Richtige tun 25.11.2022)

  14. Guido Scholzen

    Ja, der politische Westen ist voll mit Heuchlern.
    Es wird aufgefordert, gegen den Islam in Qatar zu sein.
    Und auf der anderen Seite wird aber in Europa selber dem Islam gegenüber Toleranz verlangt, und wer das nicht gut findet, wird dann als islamophob bezeichnet.
    oh ja, es gibt dermaßen viele Heuchler im Westen, nicht wahr, werte Multikultis.

  15. Dieter Leonard

    @LR Jusczyck

    Es geht m.E. bei einer möglichen Androhung eines Austritts aus der FIFA nicht in erster Linie um die sportliche Frage, gegen wen diese Länder dann spielen sollen, sondern darum, einem durch und durch korrupten Verband aufzuzeigen, dass man nicht bereit ist, dies korrupte „Spiel“ um Geld und Macht – und nur darum geht es – mitzumachen.
    Eine FIFA ohne die europäischen Verbände macht keinen Sinn.
    Der FIFA und ihrem vogelfreien Präsident gilt es Grenzen aufzuzeigen. Da dies angesichts der Macht-, Korruptions- und Abhängigkeitsstrukturen innerhalb der FIFA mit statutarischem Prozedere offensichtlich nicht möglich ist, muss man Herrn Infantino mit dessen eigenen Mittel herausfordern.

    Sie verweisen wiederholt auf die Bevölkerungszahlen der Länder, die den Angriffskrieg Russlands nicht verurteilt haben. Es sind jedoch die nicht immer von der Bevölkerung legitimierten Regierungen dieser Länder, die sich derart positionieren. Ob Brasilien diese Position unter der neuen Regierung beibehält, bleibt abzuwarten.

  16. Lutz-René Jusczyk

    Alles hat seinen Preis, auch ethisch korrekte Entscheidungen.
    Mir scheint, die gesamte Diskussion dreht sich im Kern um die beiden Fragen, wie hoch der Preis sein darf, den wir zu zahlen bereit sind, und wer die Hauptlasten tragen soll.
    Genau daran entzündet sich hier die Kontroverse: Während Herr Scholzen-Eimerscheid praktisch nichts bezahlen möchte, fordert Herr Leonard einen umso höheren Einsatz.
    Davon betroffen sind nahezu alle relevanten Bereiche; sei es der Umgang mit der FIFA, mit Wladimir Putin oder die Maßnahmen für den Klimaschutz.

  17. Dieter Lleonard

    @LR Jusczyck

    Das sehe ich etwas anders. Es geht in erster Linie darum, auf der Basis eines erworbenen Wertegerüstes und seiner Sicht auf die Welt für sich zu entscheiden, was richtig und notwendig ist. Wenn man nicht weiß, in welche Richtung eine Gesellschaft sich entwickeln soll, lässt sich kein gesellschaftspolitischer Diskurs führen. Vielleicht auch ein Grund für politisches Scheitern.
    Wenn heute willkürlich dies behauptet wird und morgen das Gegenteil davon, wenn die öffentliche Bühne nur dazu genutzt wird, seinen Lebensfrust auf dem Rücken derjenigen abzubauen, die sich für die Gestaltung dieser Gesellschaft einsetzen, kann ich den Mehrwert für den Zusammenhalt und die Entwicklung einer Gesellschaft nicht erkennen. Für politische Entscheidungsprozesse ohnehin nicht.
    Nicht bereit sein, einen Preis für „ethisch korrekte Entscheidungen“ zu zahlen ist die eine, ethisch-moralische und politische Orientierungslosigkeit die andere Seite der Medaille.
    Gruß
    D.L.

  18. Norbert Schleck

    Der Herr Guido Scholzen ist genau der Richtige, um hier den Selbstgerechten herauszukehren.
    Hat er schon vergessen, dass er am liebsten alle „Gutmenschen und ihre Ableger“ ins Irrenhaus sperren würde, und alle zeitgenössischen Künstler gleich mit?

    Wenn nur diejenigen ihre Stimme gegen das Unrecht in der Welt erheben dürften, die nie einen Kompromiss eingegangen sind, wären nur zwei auf weiter Flur dazu berechtigt: die Brüder Scholzen, zumindest in ihren eigenen Augen.

    „Wir sind total heuchlerisch, also halten wir uns lieber zurück, wenn ein unterdrückerisches System die eigene Bevölkerung brutal niederschlägt.“
    Das ist die Kernaussage, die Herr G.Scholzen nicht verstanden hat.

    Der Verfasser will ja gerade ausdrücken, dass wir uns nicht zurückhalten müssen und dass die Frage der Menschenrechte eben nicht nur eine Sache von „Traditionspflege“ ist und also beliebig relativiert werden kann.
    Man darf, man soll, man muss Partei ergreifen, auch wenn man selbst nicht perfekt ist.

  19. Marcel Scholzen Eimerscheid

    Herr Leonard.
    Sie haben Theorien und Standpunkte. Aber keine Werte.Der Respekt vor Regelungen und Gesetzen ist ein grundlegender Wert der Demokratie, den Sie nicht respektieren.

    Herr Schleck.
    Bitte genauer lesen.Ich habe von Gelassenheit gegenüber Diktaturen gesprochen.Das ist nicht das gleiche wie Toleranz oder Gleichgültigkeit.

    Wie soll man in der Praxis mit Diktatoren umgehen ? Ihre Meinung dazu bitte.

    Und lassen Sie sich doch was anderes einfallen als jemanden in die rechte Ecke zu stellen.Das ist ein alter Hut.Zieht nicht mehr.

    Die Menschen im Iran müssen schon selbst für ihre Freiheit kämpfen.Eine militärische Intervention würde in einem Fiasko enden.

    Herr Jusczyk.
    In Asien oder Afrika interessiert man sich nicht viel für den Ukrainekrieg.Dort haben die Menschen andere Probleme.In Kamerun zum Beispiel nimmt man das europäische Geschwafel von Demokratie, Moral, Ethik etc im Zusammenhang mit dem Ukrainekrieg nicht ernst.Wird für Heuchelei gehalten.

  20. Norbert Schleck

    Ich werde auch weiterhin das schreiben, was ich für nötig halte, ob das dem Herrn aus Eimerscheid gefällt oder nicht.
    Wer sich selbst in die rechtsextreme braune Ecke stellt, muss sich gefallen lassen, dass man das nicht mit Schweigen übergeht.
    Übrigens, sind die oben erwähnten „Multikulti“ auch Teil der „Ableger“, die ins Irrenhaus gehören?

    Da schreibt der Betreffende:
    „Es wird aufgefordert, gegen den Islam in Qatar zu sein.
    Und auf der anderen Seite wird aber in Europa selber dem Islam gegenüber Toleranz verlangt, und wer das nicht gut findet, wird dann als islamophob bezeichnet.“

    Nein, niemand wird „aufgefordert“, in Katar „gegen den Islam“ zu sein.
    Niemand muss eine Armbinde tragen.
    Aber wenn man vollmundig ankündigt, eine tragen zu wollen dann sollte man auch dazu stehen.

    Niemand ist „gegen den Islam“, sondern man zeigt, dass man „für“ etwas ist, nämlich ein universales Menschenrecht.
    Wer fordert, wir sollten sozusagen dortige Intoleranz mit Intoleranz hier bei uns beantworten, hat nichts verstanden.