Atomenergie: Umweltverbände kontern Arbeitgeberforderung

Umweltverbände aus der Wallonie (IEW) und Flandern (BBL) sowie Greenpeace haben der Forderung der Arbeitgeberverbände widersprochen, die zwei jüngsten belgischen Atommeiler auch nach 2025 weiter laufen zu lassen. Aus den Fehlern der Vergangenheit müsse man lernen. Die Regierung müsse den geplanten Atomausstieg in drei Jahren tatsächlich auch vollziehen.

Demonstration in Tihange

Bild: Nicolas Maeterlinck/Belga

„Keine Abenteuer bitte, wir müssen die beiden Reaktoren am Netz lassen“, wiederholte der Vorsitzende des flämischen Arbeitgeberverbands Voka, Hans Maertens, am Mittwoch noch einmal in der VRT. Damit sind die Atomreaktoren Doel 4 und Tihange 3 gemeint. Auf Atomenergie könne man 2025 noch nicht verzichten. Es stünden immer noch keine ausreichenden Alternativen zur Verfügung.

Auf keinen Fall dürfe die Regierung dieser Forderung folgen, schreiben nun Greenpeace, der flämische Umweltverband BBL und die wallonischen Kollegen von IEW in einer gemeinsamen Stellungnahme.

2015 habe man mit den gleichen Argumenten die zusätzliche Laufzeitverlängerung von Doel 1 und Doel 2 begründet. Ergebnis: 2018 lag fast der gesamte Atompark still, wegen Wartungsarbeiten.

Niedrige Preise dank Atomkraft seien ein Märchen. Vielmehr müsse die Föderalregierung beherzt jetzt den kompletten Ausstieg planen – Deutschland habe es vorgemacht.

Am 18. März wird sich die Föderalregierung erneut mit der Frage des Atomausstiegs beschäftigen.

Kay Wagner

12 Kommentare
  1. Jochen Decker

    Deutschland hat es vorgemacht?

    Die deutsche Energiepolitik wird international als die dümmste der Welt angesehen.
    Dem will man nacheifern?

    Keine Energieerzeugung ist so sauber und klimafreundlich wie die Atomenergie.
    Ohne Kernenergie sind die Klimaziele schlichtweg nicht erreichbar.

    Dass sich ausgerechnet Umweltverbände dafür einsetzen, dass bspw. Windräder Milliarden von Insekten und unzählige Vogelarten Jahr für Jahr töten, macht fassungslos.
    Ganz zu schweigen von der gigantischen Umweltzerstörung bei ihrem Aufbau, der Versiegelung riesiger Natur- und Grünflächen, teils sogar in Wäldern.

    Umweltschützer, die die Umwelt zerstören und denen das Klima Wurst ist – wie sich die Zeiten doch ändern.

  2. Peter Schallenberg

    Deutschland hat vorgemacht, wie man es nicht machen sollte: kopflos, planlos, sozial ungerecht und die Realität ignorierend. Dazu die in diesem Land üblichen Denk-, Sprech- und Kritikverbote, es war mal wieder kollektives Hurra- Brüllen angesagt.

    Ich glaube da an die Selbstregulierung: was durch die Katastrophe von Fukushima ins Rollen gebracht wurde werden steigende Energiepreise und mögliche Versorgungsengpässe wieder stoppen oder sogar umkehren. Und dann ist sie wieder da- die Atomkraft.

  3. Erni Mreyen

    In Belgien stehen nur deshalb noch keine ausreichenden Alternativen zur Verfügung, weil die belgischen Regierungen – alle ! – in den letzten 20 Jahren energiepolitisch gepennt und die notwendigen Entscheidungen z.T. bewusst nicht getroffen haben. Zu stark war die Atomlobby, zu leicht verdient das große Geld für die Unternehmen. Und genau die fordern jetzt ein weiter so, weiter. Sehr bald wird jetzt wieder die Mär vom großen Blackout kommen, wie 2015, als die Konzern-Lobbyisten mit dem Quatsch die Atomverlängerung durchgesetzt haben.

  4. Alexander Hezel

    @Schallenberg – Dafür, dass es angeblich „Denk-, Sprech- und Kritikverbote“ gibt, können ihresgleichen doch ganz schön viel und ganz schön lautstark ausgemachten Quark in die Welt posaunen…

  5. Norbert Schleck

    Ein Artikel, der eine Übersicht über das Thema Kernenergie gibt:
    „Neue Generation von Atomreaktoren: Was sie können und was nicht?“
    vom 2.11.2021 auf mdr Wissen. Einfach mal googeln.

    Kleiner Hinweis: In Frankreich, dem atomgläubigen Land schlechthin, stehen zur Zeit 12 von 56 Reaktoren still (20% der Kapazität)! Wegen Korrosionsschäden!
    (Siehe unter „Engie macht 2021 drei Milliarden Euro Gewinn“)

    Für die ausufernden Kosten bieten Flamanville und Hinkley Point anschauliche Beispiele. Rentabel arbeiten werden die nie. Im Gegenteil, warum sonst müsste es eine Abnahmegarantie für den erzeugten Strom geben?

    Und die neuen Reaktoren? Von den ganzen Modellen ist noch nicht ein einziger in Serie gegangen.

    Und Macron mit seinem „ehrgeizigen“ Ausbauprogramm?
    Bis 2030 ist gerade mal eine Milliarde € dafür vorgesehen. Ein Klacks.
    Minireaktoren (SMR) sollen es bringen.
    Ansonsten sind Luftschlösser von 6, 12 oder gar 14 neuen Reaktoren bis … 2050 möglich („jusqu’à“). 2 Reaktoren alle drei Jahre ab …2035 !
    Ob das ausreicht, auch nur die altersbedingten Stilllegungen auszugleichen?

  6. Marcel Scholzen Eimerscheid

    Herr Mreyen

    Sie haben recht. Die aktuelle Situation ist das Ergebnis schlechter Politik.

    Die nicht existierende Energiepolitik ist ein gutes Beispiel, dass zuviele Parteien dem Land mehr schaden als nutzen.

    Herr Schallenberg

    Stimmt. Früher schrien die Leute „Hurra“, wenn der Kaiser kam. Heute wenn Gretchen kommt. Dieses „Hurra“-schreien und blinde Nachlaufen ist eine Konstante geblieben in Deutschland, trotz zweier Weltkriege.

  7. Dieter Heinemann

    @Herr Schallenberg, @Herr Decker
    Ich frage mich wie Sie das angeblich kollektive Hurra-Brüllen in Deutschland wargenommen haben wollen – wo Sie doch offensichtlich Ihren Kopf komplett in den Sand gesteckt haben!
    Kernenergie und sauber – das ich nicht lache! Wer auf der Welt will sich anmaßen zu behaupten den anfallenden Atommüll mit Halbwertszeiten von mehren hunderttausenden von Jahren – für die nachfolgenden Generationen sicher – entsorgen zu können?!!! Schauen Sie doch mal zurück wie lange die Spezies Mensch überhaupt erst auf der Erde weilt! Wie sah es vor nur wenigen hundert Jahren noch auf der Welt aus?!
    Wir alle haben es doch in der jüngeren Vergangenheit gesehen:
    Ein Störfall und ganze Landstriche sind konterminiert -> Toll, wie sauber!!
    Na klar, nach mir die Sintflut – das scheint in Belgien immer noch eine beliebte Denkweise zu sein, meine Probleme von heute sollen die Menschen in der Zukunft für mich lösen, was interessiert das mich denn?!

  8. Guido Scholzen

    Dass es überhaupt noch Bevölkerungsgruppen gibt, die vorbehaltlos die Energiewende unterstützen, grenzt fast ein Wunder.
    Denn alternative Energien liefern keinen Beitrag zur Grundlastfähigkeit des Stromnetzes, sind viel zu teuer und erzeugen auch nur teuren (Zufalls-)Strom, es kostet unnötig Arbeitsplätze wegen fehlender wirtschaftlicher Rentabilität und Konkurrenzfähigkeit im internationalen Markt.
    Und außerdem ist es unökologisch, weil Waldflächen gerodet werden und sonstige Landschaft zugebaut wird mit Großvögel schreddernden Windrädern, die wiederum seltene Erden benötigen, die an anderen Enden der Erde die Natur kaputt machen. Klimaschutz hat nichts mit Naturschutz bzw. Umweltschutz zu tun. Es ist nur eine grün-ideologische Show. Und die Medien sind ja voll mit solcher Propaganda, und nahezu kritiklos.

    Umweltverbände wie Greenpeace, die die negativen Seiten der Energiewende für Natur, Umwelt und Mensch nicht sehen wollen, sind blinde Lobbyisten für Firmen, die sich damit die Taschen voll machen: Der Staat organisiert, die Allgemeinheit bezahlt, Hauptsache abkassiert, außer Spesen nix gewesen.

  9. Gerald Pesch

    Wer sich umfassend über die physikalischen Grenzen der „Energiewende“ informieren möchte dem sei unsere Internetseite „Gegenpol Ostbelgien“ empfohlen. Darin bemühen wir uns zu diesen Themenbereichen allgemein verständlich zu argumentieren und auf die naturgesetzlichen Grenzen der politisch propagierten „Energiewende“ hinzuweisen. Nur wer die Physik hinter der Stromerzeugung und Verteilung versteht kann den grünen Schwindel durchschauen. Wer nichts weiss muss nämlich alles glauben….

  10. Alexander Hezel

    Super, dann kann man bei der selben Gelegenheit auf der Website des Karnevalsvereins Nullpol nachlesen, warum es den Treibhauseffekt „nicht geben kann“, den unsere Schüler (und Schüler weltweit) schon in der Sekundarschule lernen…

  11. Peter Schallenberg

    Herr Pesch, besten Dank für den Hinweis auf den „Gegenpol Ostbelgien“, auf dem ich mich ausgiebig informiert habe. Interessant und lesenswert, danke für Ihre Arbeit! Auch wenn nicht alle Standpunkte meiner Ansicht entsprechen, so bin ich für andere Sichtweisen (im Gegensatz zu anderen Herren hier!) immer dankbar und offen.

  12. Norbert Schleck

    Also, die maßlosen Übertreibungen, das Geschimpfe und Gezeter der Atomlobby hier oben bringen uns wirklich nicht weiter. Warum verlieren die Herren eigentlich immer so die Contenance, statt den kühlen Wissenschaftler zu geben? Sie müssen es wohl nötig haben.

    Hat jemand von den Herren den erwähnten Artikel „Neue Generation von Atomreaktoren: Was sie können und was nicht?“ überhaupt gelesen? Wohl kaum.

    Wenn die Atomkraft unsere Energieversorgung sicher, dauerhaft, kostengünstig und flächendeckend lösen soll, genügt ein Blick auf die dort zu findende Weltkarte. Selbst in den USA sind nur drei KKW im Bau, in Frankreich ein einziges, das Milliardengrab Flamanville.
    Und GB? Nach dem Milliardengrab Hinkley Point nun Sizewell?
    Zu „billig“: „Selbst der britische Rechnungshof monierte, dass der [garantierte Abnahme-] Preis weit über dem gängigen Marktpreis liegt.“
    Dazu: „Atomkraft doch bitte?“ (taz-online 6.8.2020) Einfach googeln.

    Man schaue sich mal die „Liste der Kernreaktoren im Vereinigten Königreich“ auf Wikipedia an. Beeindruckend…

    Zu China: „Gefahr durch neue Atomreaktoren?“ (Scinnexx)