Magnette verteidigt seine Provokation zum Onlinehandel

Belgien ohne Online-Handel, Amazon und Co - ade! Mit dieser Idee war Paul Magnette in diese Woche gestartet und hat seitdem massenweise Kritik dafür geerntet. Weltfremd, rückwärtsgewandt, utopisch sei Magnette. Einige fragen sich auch, warum der PS-Chef mit so einer Provokation an die Öffentlichkeit geht. Jetzt hat Magnette darauf reagiert.

Jemand bucht eine Reise im Internet

Illustrationsbild: Jonas Hamers/Belga

Magnette wäre nicht Magnette, wenn er sich durch die Kritik an seiner Äußerung zum Onlinehandel einschüchtern lassen würde. Natürlich lebe er mit seiner Zeit, sagte PS-Chef Paul Magnette, würde manchmal selbst im Internet Produkte bestellen, besitze sogar ein Konto bei Amazon.

Was er dann mit seiner Äußerung erreichen wollte? „Das war eine Provokation, die auf eine andere Provokation geantwortet hat, die man seit Langem und immer wieder in Flandern hört“, sagte Magnette am Mittwoch in der RTBF.

In Flandern, erklärte Magnette, schaue man gerne und oft in die Niederlande und nach Deutschland. Dort, aber auch in Frankreich, entwickele sich der Onlinehandel rasant. Große Lagerhallen würden dort entstehen, der Onlinehandel florieren. Unter dieser Konkurrenz würde Flandern leiden. In Flandern würde man deshalb gerne einen ähnlichen Weg gehen. Was dann meist in der Forderung enden würde, man müsse deregulieren, deregulieren und deregulieren.

Genau diesem Diskurs habe er etwas entgegensetzen wollen, rechtfertigt Magnette seine Idee, den Onlinehandel in Belgien abzuschaffen. Er leide unter den immer wieder vorgetragenen Forderungen, die Rechte der Arbeiter und ihren Schutz schmälern zu wollen, ihr Gehalt zu senken und alles flexibler zu gestalten. Auf diese Provokation habe er mit einer anderen Provokation geantwortet.

Natürlich sei das nicht wörtlich zu verstehen. Natürlich werde niemand den Online-Handel abschaffen. Und natürlich würden die kleinen Händler kein Problem darstellen. Es sei der große Online-Handel, der eine ganze Reihe von Problemen mit sich bringe: die Frage nach der Umweltbelastung, die soziale Frage, die Frage nach der Gesundheit der Arbeiternehmer. „Ich freue mich, dass die Debatte darüber jetzt endlich in Gang gekommen ist“, sagte Magnette.

Existenz vieler kleiner Unternehmen bedroht

Der große Online-Handel bedrohe die Existenz vieler kleiner Unternehmen. Diese würden ganz heftig unter dem Wachstum der Großen in der Branche leiden – die übrigens weiter kräftig wachsen würden, falls nicht gegengesteuert werde. Genau das möchte Magnette. Die Großen dürften die Kleinen nicht erdrücken. Die Rechte der Arbeitnehmer dürften durch den großen Online-Handel nicht geschmälert werden.

Mit der Zeit gehen ja – aber durchaus kritisch. „Es gibt sehr viele Entwicklungen in unseren Gesellschaften. Aber sie tragen nicht unbedingt alle zum Fortschritt bei. Man darf diese Entwicklungen nur, weil es sie gibt, nicht einfach ohne kritische Wachsamkeit akzeptieren“, sagte Magnette.

Es ist diese kritische Wachsamkeit, die Magnette fordert. Online-Handel ja, aber bitte mit Augenmaß. Nicht alles dürfe den Interessen der Online-Riesen geopfert werden. Daneben müsse weiterhin Platz bleiben für Einzelhandel und lokale Ketten. Geschäfte, in die man weiter persönlich gehen kann und wo man von Menschen bedient und beraten wird.

Kay Wagner