Betrugsverdacht bei flämischer Corona-Kontaktnachverfolgung

Gegen ein Callcenter der flämischen Corona-Kontaktnachverfolgung besteht der Verdacht des Betrugs. Die flämische Gesundheitsagentur hat deswegen eine strafrechtliche Klage gegen den Betreiber eingereicht. Vorausgegangen war ein Bericht der Zeitung Het Laatste Nieuws: Demnach habe die Firma Mitarbeiter als Kontaktnachverfolger geführt und abgerechnet. In Wahrheit hätten diese Angestellten jedoch ganz andere Tätigkeiten ausgeübt.

Illustrationsbild: Siska Gremmelprez/Belga

Illustrationsbild: Siska Gremmelprez/Belga

Der Gesundheitsagentur sollen Hinweise vorliegen, dass die verdächtige Betreiberfirma ihre Mitarbeiter bewusst und systematisch in die Telefonplattform der Kontaktnachverfolgung eingeloggt hat. So sollte gezielt eine entsprechende Aktivität von Callcenter-Mitarbeitern vorgespiegelt werden, um bei der flämischen Regionalregierung falsch abrechnen zu können.

Dieser Vorgang soll seit März jeden Tag für rund 40 angebliche Kontaktnachverfolger durchgeführt worden sein. Es könnte potenziell um Tausende abgerechneter Stunden und einen Schaden von über einer Million Euro gehen.

Die Gesundheitsagentur hat die Zusammenarbeit mit dem betreffenden Callcenter unmittelbar beendet und bereitet außerdem eine Zivilklage gegen den Betreiber vor. Sicherheitshalber sollen auch alle anderen Callcenter in einem externen Audit-Verfahren überprüft werden. Dabei sollen sämtliche zurückliegende Abrechnungen und die bestehenden internen Kontrollmechanismen unter die Lupe genommen werden.

Sollten sich die Vorwürfe gegen die Firma vor Gericht bestätigen, dann werde man das falsch abgerechnete Geld zurückverlangen, kündigte der Generalverwalter der flämischen Gesundheitsagentur an.

Insgesamt wird die Kontaktnachverfolgung in Flandern durch ein Konsortium von sechs Callcentern durchgeführt. Die jetzt unter Verdacht stehende Firma zeichnete  sich für rund 19 Prozent der Gesamtkapazität der flämischen Kontaktnachverfolgung verantwortlich.

Boris Schmidt