Industrieverband Agoria fordert CST am Arbeitsplatz

Die Diskussion über den Einsatz des Covid-Safe-Tickets zieht immer weitere Kreise. Am Montagabend hatte der Konzertierungsausschuss beschlossen, dass das CST auch für den Horeca-Sektor und für Fitnessstudios zur Pflicht werden soll. Jetzt plädiert aber auch schon die erste Arbeitgeberorganisation für die Möglichkeit, dass Unternehmen von ihrem Personal den 3G-Nachweis verlangen können.

Illustrationsbild: James Arthur Gekiere/Belga

Illustrationsbild: James Arthur Gekiere/Belga

Kommt sie nun doch, die „Corona-Pass-Gesellschaft“, vor der Politiker aller Couleur noch bis vor Kurzem nichts wissen wollten? Nun, angesichts der rasant steigenden Corona-Zahlen hat da wohl ein Umdenken stattgefunden. Erst war es nur die Region Brüssel, die das Covid-Safe-Ticket in Horeca-Betrieben und Fitnessstudios zwingend vorgeschrieben hatte. Dann zog die Wallonie nach. Und jetzt hat der Konzertierungsausschuss die Maßnahme bekanntlich auf das ganze Land ausgeweitet.

Damit hat man aber offensichtlich ein Fass aufgemacht. „Wir würden unseren Unternehmen auch gerne die Möglichkeit geben, auf das Covid-Safe-Ticket zurückzugreifen“, sagte in der VRT Bart Steukers, Geschäftsführer des Industrieverbandes Agoria. Seit einigen Wochen kennen die Firmen die Impfquote innerhalb ihres Personals. Manche würden die gerne noch steigern. Und dabei könnte das Covid-Safe-Ticket durchaus hilfreich sein.

Fürsorgepflicht

Konkret plädiert der Agoria-Geschäftsführer also für die Möglichkeit, dass das Covid-Safe-Ticket quasi zur Eintrittskarte für Unternehmen wird. Ob nun Mitarbeiter oder Besucher: Jeder sollte vor dem Betreten der Firma erstmal den 3G-Nachweis erbringen, also beweisen, dass er geimpft, getestet oder genesen ist.

Es sei doch so, sagt Bart Steukers: Wir als Arbeitgeber haben doch auch eine Fürsorgepflicht. Es ist unsere Aufgabe, dafür zu sorgen, dass man in einer sicheren Umgebung arbeiten kann. Und wenn man das nicht gewährleisten kann, dann ist das auch ein Problem für all jene, die ihren Beitrag schon geleistet haben. Er wolle sich jetzt auch mal auf die Seite der Geimpften stellen.

Denn, es sei doch so, sagt der Agoria-Geschäftsführer: In unseren Betrieben sind oft rund 95 Prozent der Personalmitglieder geimpft. Die zwei, drei nicht-geimpften Kollegen werden da aber immer häufiger als Problem wahrgenommen, weil man sich in deren Gegenwart nicht sicher fühlt. Und das sorge für Spannungen. Und das Covid-Safe-Ticket wäre vielleicht Teil der Lösung. Und im Umkehrschluss würde das dann natürlich auch bedeuten, dass diejenigen, die das Covid-Safe-Ticket nicht vorzeigen, nun dass die eben draußen bleiben. Vielleicht – im Falle von Mitarbeitern – auch mal einen Tag ohne Gehalt.

Debatte anstoßen

Klare Worte also des Agoria-Geschäftsführers. Und Agoria, das ist bekanntlich nicht irgendein Unternehmer-Klübchen, sondern mal eben der größte Einzelverband innerhalb der Arbeitgeberorganisation FEB. Agoria vertritt die Interessen von 2.000 Metall- und Technologieunternehmen mit insgesamt 300.000 Mitarbeitern. Die Meinung von Agoria hat Gewicht. Naja, und er sei sich durchaus darüber im Klaren, was er da fordere, sagt Geschäftsführer Bart Steukers. Das sei auch bestimmt nicht als Provokation gemeint, sondern er wolle eine ernsthafte Debatte zu dem Thema anstoßen.

Bart Steukers weiß nämlich, dass sein Vorschlag im Moment schlichtweg nicht umsetzbar ist: Natürlich müsse man mit den Gewerkschaften darüber sprechen. Außerdem müsste das Arbeitsrecht entsprechend geändert werden, sagt Steukers. Aber man sollte zumindest mal darüber reden. Zumal der Vorschlag nicht vom Himmel fällt. In Italien wird genau das schon umgesetzt. Dort gibt es den sogenannten Greenpass; also eine Art 3G-Pflicht am Arbeitsplatz.

Der Punkt, das sind die 3G, sagt Bart Steukers. Hier werde nicht der Impfstatus zum Ausschlusskriterium; das bleibt eine persönliche Entscheidung. Nein, der Arbeitnehmer hat immer noch die Wahl, ob er sich impfen oder doch testen lässt, bzw. gegebenenfalls den Beweis erbringt, dass er genesen ist. Und das Covid-Safe-Ticket gibt zudem keinen Aufschluss darüber, für welche Option man sich entschieden hat.

Das ist, wie gesagt, bislang nur die Meinung eines Arbeitgeberverbandes, wenn auch des größten. Entschieden ist da noch nichts. Aber die Diskussion ist damit wohl definitiv angestoßen.

Roger Pint

6 Kommentare
  1. Lothar Meintrup

    Die Geimpften fühlen sich nicht sicher vor ungeimpften das zeigt doch was für ein Schwachsinn 2g 3g ist von dummen Politikern erfunden.

  2. Edgar Michaelis

    Das Vorgehen der Arbeitgebervertreter im Gesundheitswesen macht Schule. Jetzt springen alle auf den Zug auf, so lange die Kartoffel heiss ist um neue Fakten in der Arbeitswelt durch diese Hintertür zu schaffen. Kein Arbeitsvertrag wird danach noch irgend etwas wert sein ! Als Arbeitgebervertreter die Arbeitgeber zu Diskriminierung, Mobbing, Vertragsbruch und Nichteinhaltung von Firmen-Ethik aufzurufen scheint mir doch sehr unüberlegt zu sein !

  3. Alexander Hezel

    Nein Herr Schmitz, das hat nichts mit Glauben zu tun, sondern schlichtweg mit der ganz weltlichen Tatsache, dass sie sich unwohl fühlen in Gegenwart eines ungeimpften Kollegen, der ein deutlich höheres Risiko der Virusübertragung birgt als ein geimpfter.

    Covid-19 ist keine Weltanschauung, sondern eine potenziell tödliche Erkrankung.

  4. Freddy Langer

    Wenn der Steukers seine Fürsorgepflicht wirklich ernst meint, dann soll jedes Unternehmen seine Mitarbeiter und Besucher auch testen lassen, und nicht nur die Ungeimpften, nein auch die Geimpften und Genesenen, denn diese können ebenso das Virus in sich tragen und bekanntlich weitergeben.

  5. Marcel Scholzen eimerscheid

    Eine Glaubensftage ist es nicht. Nur Covid19 macht eine schon seit längerem existierende Vertrauenskrise in den belgischen Staat besonders sichtbar. Viele trauen dem Staat nicht mehr. Verweigern deswegen die Impfung.

    Anstatt zu versuchen, Vertrauen zurück zu gewinnen, reagiert der Staat mit Zwang. Oder um von der eigenen Schwäche abzulenken, werden zum Beispiel „Fake News“ also Lügen (ein schon immer vorhandenes Phänomen) zum großen Problem gemacht.

  6. Guido Scholzen

    Im Sommer 2020 kamen etliche Sendungen im deutschen Staatsfernsehen über Antikörper, Herden-Immunsystem und Impfung. Man wollte die Bevölkerung darauf vorbereiten, was bei einer Impfung auf uns zu kommt.
    Alles schön und gut.

    In einigen Sendungen wurde folgendes damals behauptet:
    „Bei Herdenimmunität wird die Ausbreitung des Virus gestoppt, denn ein immuner Mensch (aufgrund von Antikörpern) kann das Virus nicht weitergeben“

    Ja, genau das hat man uns damals vorgelogen.
    Und nun 2021? „Plötzlich“ stellt man fest, dass Infizierte das Virus doch weitergeben können, komisch nicht wahr?
    Aber die meisten Menschen interessieren sich nicht für die staatlichen Lügen und Übertreibungen von gestern.
    Nein, die aktuellen Fantasie-Szenarien, Kinder-Corona-Geschwätz und herbstliche Panikmache trotz Impfung sind ist viel wichtiger.

    In der ARD-Mediathek, ab Minute 4:00
    „Machen Antikörper wirklich immun?“

    Ich weise darauf hin, dass ich ein Impfbefürworter bin.