Konzertierungsausschuss: Covid-Safe-Ticket landesweit im Horeca-Sektor und in Fitnessclubs

Der Konzertierungsausschuss hat wegen rasant ansteigender Corona-Zahlen einige Schrauben wieder angezogen. Zwar gebe es keinen Grund zu Panik, doch müsse das Land einige seiner Verteidigungsmauern verstärken, sagte Premier De Croo. Deswegen wird insbesondere der Einsatz des Covid-Safe-Tickets ausgeweitet. Insgesamt werden die Regeln landesweit wieder mehr oder weniger vereinheitlicht.

Einlass nur noch mit Covid-Safe-Ticket (Bild: Hatim Kaghat/Belga)

Einlass nur noch mit Covid-Safe-Ticket (Bild: Hatim Kaghat/Belga)

„Wir sehen in Belgien und auch in unseren Nachbarländern eine Herbstwelle heranrollen“, sagte Premierminister Alexander De Croo. In der Tat: Die Zahl der Neuinfektionen ist in den vergangenen Tagen rasant gestiegen. Im Moment stecken sich pro Tag mehr Menschen mit dem Coronavirus an als Ende März auf dem Höhepunkt der dritten Welle. 5.555 Neuinfektionen – seit fast einem Jahr war diese Zahl nicht mehr so hoch.

Kein Vergleich zum Herbst 2020

Da gibt es aber einen entscheidenden Unterschied: Im Gegensatz zum Herbst 2020 gibt es jetzt die Impfung. 8,5 Millionen Belgier sind geimpft. Deswegen ist die Lage in unseren Krankenhäusern diesmal auch nicht dramatisch, so De Croo. „Nicht dramatisch“, aber doch angespannt. Stand heute müssen pro Tag 120 Covid-Patienten in Krankenhäuser eingewiesen werden. Die Kliniken wurden angewiesen, Phase 1A in Kraft zu setzen. Das bedeutet: 25 Prozent der Intensivbetten müssen für Covid-Patienten freigehalten werden.

„Es gibt immer noch keinen Grund zur Panik“, betonten der Premier und auch sein Gesundheitsminister Frank Vandenbroucke. Dank der Impfung droht uns keine Katastrophe. Aber wir müssen jetzt handeln, um die Verbreitung des Virus einzudämmen, sagte Vandenbroucke in der RTBF. „Wir müssen die Verteidigungsmauern verstärken“, so formulierte es Alexander De Croo. Und genau das haben die Vertreter aller Regierungen des Landes jetzt also getan.

Drei Maßnahmen gegen Corona

Erste Maßnahme: Die Maskenpflicht wird wieder ausgeweitet, etwa auf Geschäfte und auf öffentliche Gebäude. Spürbar ist das aber nur in Flandern, weil die Auflage hier erst vor einigen Wochen gestrichen worden war. Für den Norden des Landes muss sich das denn auch wie ein Rückschritt anfühlen.

Zweite Maßnahme ist die Ausweitung des Einsatzes des Covid-Safe-Tickets, um zu beweisen, dass man geimpft, getestet oder genesen ist. Ab dem 1. November muss landesweit das Covid-Safe-Ticket vor einem Besuch in einem Horeca-Betrieb oder einem Fitnessclub vorgezeigt werden. Auch das ist eigentlich nur in Flandern und in der Deutschsprachigen Gemeinschaft wirklich neu. Brüssel und die Wallonie hatten das ja bereits beschlossen. Für das Personal in Horeca-Betrieben und Fitnesscentern gilt schon ab Freitag wieder die Maskenpflicht.

Dritte Maßnahmen: Ab jetzt wird Homeoffice wieder dringend empfohlen, wenn es denn möglich ist.

Ein ganzes Paket von Maßnahmen also, das der Konzertierungsausschuss beschlossen hat. Aber, so betonte Premierminister De Croo: „Wir schließen keine Sektoren, wir hindern niemanden daran, zu arbeiten. Wir wollen vor allem eins: Vorsicht walten lassen.“

Anwendung des neuen Pandemie-Gesetzes

Wenn die Maßnahmen allesamt „alte Bekannte“ sind, so gibt es bei alledem doch eine Premiere: Es ist das erste Mal, dass die Regierung das neue Pandemie-Gesetz anwendet. Denn jetzt übernimmt der Föderalstaat wieder das Krisenmanagement. Und seit kurzem erst gibt es dafür eine angepasste rechtliche Grundlage, eben das Pandemie-Gesetz. Das besagt, dass das Parlament jetzt zunächst den „Pandemie-Notstand“ ausrufen muss. Der sollte für drei Monate gelten, sagt Alexander De Croo.

De facto ist das aber auch eine Rückkehr zu einem einheitlichen Vorgehen. Landesweit werden jetzt wieder mehr oder weniger wieder dieselben Regeln gelten. Das löst auch das Problem der Corona-Pass-Touristen, die insbesondere aus Brüssel in den flämischen Rand fuhren, um dort in die Kneipe oder ins Fitnessstudio gehen zu können, ohne das Covid-Safe-Ticket vorlegen zu müssen. Diese Vereinheitlichung hätten sich viele gewünscht, sagte der wallonische Ministerpräsident Elio Di Rupo.

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Roger Pint

19 Kommentare
  1. Nadine Zinke

    Ja spitze

    Irgendwie muss man es ja rechtfertigen
    Es ist eine Frechheit

    Ich darf zb keine Impfung mehr haben Grund allergische Reaktion heftig sogar

    Hinzu kommt hatte covid aber kein PCR TEST NUR ANTIKÖRPERNACHWEIS
    PLUS DIE EINE IMPFUNG WÄRE JA ALLES GUT FÜR MICH

    jetzt aber bekomme ich kein CST wegen des fehlenden Test

    Ich bezahle doch nicht für jeden Besuch einer Kneipe Museum etc. für einen Test

    Wer kann das auf Dauer finanziell verkraften

    Und dieses Problem habe ich nicht alleine

    Es gibt sehr viele Menschen die aus gesundheitlichen Gründen es nicht können

    Und auch die die sich gegen eine Impfung stellen
    Das ist deren gutes Recht

    Aber es ist nicht rechtens Menschen auszuschließen

    Wahnsinn

  2. Dagmar stoldt

    Seit fast 2 Jahren bestimmt unser Alltag nur noch ein Thema. Das schlimmste in dieser Zeit ist die Spaltung der Menschen fast in der gesamten Westlichen Welt, verursacht durch Politik, Medien und Zensur. Mich macht es Fassungslos und auch traurig das Kinder mit ihren Eltern brechen, Geschwister nicht mehr miteinander reden, Enkel von ihren Großeltern entfremdet werden usw. Deshalb mache ich da nicht mit, bei mir ist jeder der sich auf eine menschliche Ebene befindet, Willkommen! Deshalb lehne ich eine sogenannte G-Regelung ,sowie dieses covid-safe-ticket ab. Ich bin Mensch und das ist leider vielen abhanden gekommen.Für mich zählen unter 3G,gesund,geliebt,glücklich,traurig was die Politik aus Menschen macht

  3. Dieter Leonard

    @ G. Schmitz

    Es existiert in Belgien nirgends eine Impfquote von 95% bezogen auf die Gesamtbevölkerung. Die max. Impfquote beträgt in Flandern 79,8% in Belgien 74,1%.
    Kinder unter 12 Jahren können nicht geimpft werden und bei den Jugendlichen ist die Impfquote noch rel. niedrig.
    Die Infektionen finden zur Zeit jedoch mehrheitlich genau in diesen Altersklassen statt.
    Hinzu kommt, dass auch Geimpfte das Virus weiter verbreiten können und dies auch tun, da zuviele glauben, als Geimpfte mit der Pandemie nichts mehr zu tun zu haben. Zwar schützt eine Impfung zu 90% vor schwerer Erkrankung aber nur zu einem geringeren Prozentsatz vor Infektion.

    Die Zahlen verdeutlichen also nicht die Unwirksamkeit der Impfung – wie Sie gerne suggerieren – sondern dass die Pandemie noch nicht (entgegen Ihrer Meinung) beendet ist und jeder (geimpft oder ungeimpft) seinen Beitrag zu leisten hat.

  4. Dieter Leonard

    @ G. Stoldt

    Und Sie sind sicher, dass die Spaltung der Gesellschaft durch die Politik, die Medien und durch Zensur betrieben wird?

    3 Grundsatzfragen
    1. Gibt es eine Pandemie?
    2. Muss diese Pandemie eingedämmt werden?
    3. Mit welchen Mitteln?

    Da die Spaltung bereits bei der Beantwortung der beiden ersten Fragen beginnt, ist es kein Wunder, dass es zu Frage 3 niemals einen Konsens geben kann.

    Über die 3G-Regeln kann man geteilter Meinung sein. Wenn sie den Menschen eine Sicherheit vorgaukelt und suggeriert, ihr Verhalten nicht weiter den Erfordernissen eines hochansteckenden Virus anpassen zu müssen, ist es wohl das falsche Instrument.

    Die Leitartikelschreiberin des „Le Soir“ hat in ihrem Kommentar am Montag wohl den richtigen Ton gefunden:
    „Wir müssen weiter Demut walten lassen, denn am Ende ist es das Virus, das entscheidet.“

    S. Pesch drückte es in seinem Kommentar unverblümter aus:
    „ Es will manchen einfach nicht in den Schädel, was eine Epidemie ist und wie sie sich zu verhalten haben.“

  5. Dieter Leonard

    @G. Schmitz

    Ich gebe zu, der Ton des BRF-Chefredakteurs war noch treffender.

  6. Gerhard Schmitz

    @Leonard,

    Nun gut, dann stellt sich tatsächlich die Frage, wie man sich denn laut Herrn Pesch „zu verhalten habe“. Sollten nun die italienischen (CST für alle Arbeiter), französischen (Impfpflicht für Gesundheitspersonal), schwedischen (kein Lockdown + Freedom Day), dänischen (Lockdown, dann Freedom Day), deutschen (2G in Stadien), … oder doch bloß die belgischen Regeln zu befolgen sein?

  7. Norbert Schleck

    Schweden?
    Der Herr Schmitz hat vergessen zu erwähnen, dass Schweden eine dritte Impfung anbietet.
    Anders Tegnell: „Wir müssen uns aus der Pandemie herausimpfen.“

    Und:
    „„Ich glaube, dass die meisten genauso wie ich erwarten, dass Pflegekräfte und in Gesundheitsberufen Arbeitende mindestens doppelt geimpft worden sind“, sagte die schwedische Sozialministerin Lena Hallengren laut „Aftonbladet“.

    Und:
    „Gemeinsam mit Johan Carlson, Direktor der Gesundheitsbehörde „Folkhälsomyndigheten“, betonte Hallengren, dass der Impffortschritt Grund für die ab Mittwoch geltenden Lockerungen in dem skandinavischen Land seien. In Schweden sind knapp zwei Drittel der Bevölkerung vollständig gegen das Coronavirus geimpft (Stand 24.9.2021)“

    Quelle: RND „Mehr Menschen in Schweden bekommen Booster-Impfung angeboten“
    28.10.2021

  8. Freddy Langer

    @ DAGMAR STOLDT

    Vielen Dank für diesen Kommentar, er setzt alle andere hier in den Schatten und trifft den Nagel genau auf dem Kopf.

  9. Gerhard Schmitz

    @Schleck,

    Belgien hat seit Anfang September eine Impfquote von 70%, aktuelle Quote der dritten Dosis 4,5%, Verschärfung der Maßnahmen… Gesellschaft gespalten.

    Schweden hat bei einer Impfquote von 63% alle Maßnahmen aufgehoben, davor keinen (echten) Lockdown, keine Maskenpflicht, kein CST, aktuelle Quote der dritten Dosis 0%,…. Gesellschaft nicht gespalten.

  10. Petra Schmitz

    @ Dagmar Stoldt

    Super Kommentar ! Sie bringen es auf den Punkt und sprechen mir aus der Seele.

  11. Gaby Küchen

    @Dagmar Stoldt
    Vielen Dank für Ihren tollen Kommentar! Es tut gut zu lesen, dass es auch noch andere Menschen gibt, die genug von diesem Irrsinn haben.
    In diesem Sinne wünsche ich allen, dass sie geliebt werden, gesund sind und glücklich bleiben!

  12. Marita Eichten

    @DAGMAR STOLDT Sie sprechen mir aus der Seele. Und eines verstehe ich nicht. Menschen, die es übertragen können, dürfen trotzdem überall rein. Warum testet man nicht alle? Ausgrenzung von Menschen ist eine Massnahme, die nicht toleriert werden darf. Behandelt endlich alle Menschen gleich.

  13. Dieter Leonard

    @G. Schmitz
    Stephan Pesch bezieht diesen Satz wohl nicht auf staatliche Maßnahmen sondern m.E. auf individuelle Verhaltensweisen.

    @F. Langer, P. Schmitz, G. Küchen
    Wenn Sie wie Frau Stoldt der Meinung sind, „die Politik“ und „die Medien“ spalte die Gesellschaft und es „sei traurig, was „die Politik“ aus den Menschen gemacht habe“, haben Sie auch Vorschläge, wie mit der Pandemie anders und besser umzugehen und die Spaltung zu verhindern wäre? Gerne!

    Ja, „die Politik“ hat bei der Bewältigung der Krise Fehler gemacht und 3G bzw. CST sind mit Sicherheit nicht der Weisheit letzter Schluss.

    Aber was ist mit der Verantwortung derjenigen, die in den vergangenen 20 Monaten, die Pandemie geleugnet, die so getan haben, als ginge sie das alles nichts an und die gegen ALLE Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie eine beispiellose Kampagne geführt haben?
    Keine Verantwortung für die Spaltung der Gesellschaft?

    „Gesund, Geliebt, Glücklich“ ? 5 Millionen Covid-Tote (und wieviele ohne Maßnahmen?) wären dies auch gerne.

  14. Peter Schallenberg

    …und der Elfenbeinturm agiert unbeeindruckt weiter! Rechthaben um jeden Preis! Die Meinung des anderen akzeptieren? Ums Verrecken nicht! Ich habe Recht, ich bin schlau alle andere sind mindestens dumm!

    Für mich ist dieses Thema ab sofort gestorben! Langweilig und peinlich!

    Danke Frau Stoldt, Ihr Beitrag war der einzig lesenswerte hier.

  15. Heike De Bruecker

    Bravo Herr Leonard!
    Dem wäre nichts hinzuzufügen! Sehr guter Kommentar und völlig richtig!!

  16. Irene Reinertz-Maraite

    @ Dieter Leonard. Sie sprechen mir in allen Punkten aus der Seele. Verteidigen Sie weiterhin meine Rechte/Meinung und die meiner Mitpatienten.

    @ an fast alle anderen Schreiber. Ich ergänze das Vorige : Besonders wenn man immungeschwächt ist und nach der 2. Impfung noch nicht genug Antikörperkörper aufbauen konnte – wegen fast wöchentlich zu erhaltender Therapie werden die Antikörper laufend auch fast wieder abgebaut.
    Und auf der Krankenhausstation sehe ich ständig Menschen, die in der gleichen Lage wie ich sind. Ich kämpfe doch nicht jahrelang gegen eine bestimmte Krankheit, um dann doch noch an Covid vorzeitig zu sterben. Das ist die freie Wahl, die ich haben möchte, die aber viele Menschen wie Sie mir vermiesen wollen.

  17. Dieter Leonard

    Danke und alles Gute Frau De Bruecker und Frau Reinertz-Maraite!

  18. Willy Hoffmann

    Wieboele Memschrn sterben pro Jahr an Grippe, war da nicht etwas um die 4 Millionen? Und, wenn ich weit über 80 bin, darf ich dann nicht sterben? Das Leben birgt halt Risiken, und, wenn ich lebe, ist das Risiko um so höher.

  19. Irene Reinertz-Maraite

    @ Herrn Hoffmann : Ich habe zwar schon ein gewisses Alter, aber bis zu den 80 J. fehlt mir noch ein großes Stück. Wenn ich die erreichen könnte, wäre ich möglicherweise auch schweigsamer.
    Aber hätten Sie diesen Ausspruch auch in viel jüngeren Jahren getätigt? Und was sagen Sie den Eltern von jung gestorbenen (aus welchen Gründen auch immer) Kindern und Jugendlichen oder jungen/jüngeren chronisch Kranken?