Prozess wegen Menschlichkeitsverbrechen gegen ehemalige Kolonialmacht Belgien startet

In Brüssel hat der Prozess gegen den belgischen Staat wegen "Verbrechen gegen die Menschlichkeit" begonnen. Fünf in der früheren Kolonie Kongo geborene Frauen haben den Staat verklagt.

Gerichtsakten (Illustrationsbild: Olivier Vin, Belga)

Illustrationsbild: Olivier Vin/Belga

Als Kinder schwarzer Mütter und weißer Väter waren sie ihren Müttern weggenommen und von den Kolonialbehörden in katholischen Einrichtungen untergebracht worden.

Laut Anklageschrift werfen die Frauen, die heute zwischen 70 und 74 Jahre alt sind, dem belgischen Staat vor, Kindesentführungen organisiert zu haben, die mit Hilfe der Kirche durchgeführt worden seien. Nach der Unabhängigkeit des Kongo 1960 habe Belgien sie „im Stich gelassen“.

Die Frauen fordern eine Entschädigung von je 50.000 Euro und die Ernennung eines Sachverständigen, der die erlittenen psychischen Schäden bewertet.

vrt/jp

8 Kommentare
  1. Mario Mausen

    Warum jetzt nach 60 Jahren der Prozess ????? Einmal muss auch Schluss sein !!!!!

  2. Marcel Scholzen Eimerscheid

    Dazu folgende Fragen:

    Ist Belgien überhaupt zuständig und nicht die demokratische Republik Kongo ? Schließlich geschah alles im Kongo und nicht in Belgien.Vielleicht gibt es ein Abkommen, das solche Fragen schon geregelt hat.

    Selbst wenn Belgien zuständig wäre, haben die damaligen Verantwortlichen der Kolonialverwaltung gegen damals geltendes Recht verstoßen ? Man kann ja schließlich nur gerade geltendes Recht respektieren und nicht zukünftiges, weil man die Zukunft nicht kennt.

    Warum kommen die erst jetzt ?

    Mir scheint es eher, dass hier ein paar Leute Geld machen wollen, indem sie sich als Opfer aufspielen. Alles untermauert durch juristische Winkelzüge.

    Am besten wäre es, wenn Belgien, vor allem das Königshaus und die Regierung, sich offiziell beim kongolesischen Volk entschuldigen würden für die Koloniaöverbrechen. Dies als Basis für normale Beziehungen.

  3. Alain Quetsch

    Sehr geehrter Herr Scholzen, ich amüsiere mich oft genug über ihre Weltfremden Ansichten. Diesmal gehen Sie mir aber mal wieder einen Schritt zu weit. Was die Rechtslage angeht mögen Sie ja noch recht haben, aber in Sachen Ethik und Moral scheitern Sie wie so oft grandios. „Ist Belgien überhaupt zuständig und nicht die demokratische Republik Kongo“ nach der gleichen Devise könnte man Polen die Verantwortung für das Warschauer Getho zuschreiben. „indem sie sich als Opfer aufspielen“ in meiner lesart suggerieren Sie, dass diese Menschen sich glücklich schätzen können von der Kirche groß gezogen worden zu sein statt von ihren leiblichen Eltern. Worum geht es Ihnen nun wirklich? Ihren Geltungsdrang? Ein paar Euro Steuern für den Steurzahler zu sparen? Oder ist es schlicht und einfach Rassismus? In allen drei Fällen kommen Sie nicht gut weg, ich lasse mich aber gerne eines besseren belehren.

  4. Marcel Scholzen Eimerscheid

    Werter Herr Quetsch.

    Bitte benutzen Sie nicht den Holocaust zur Rechtfertigung Ihres Standpunktes. Zeugt von einer schwachen Argumentationsbasis.

    Es ist schwer das damalige Geschehen mit heutigen Maßstäben zu beurteilen.

    Ich bin nicht rassistisch. Mir geht es nur um normale zwischenstaatliche und-menschliche Beziehungen. Nicht jeder ist rassistisch, der solche Prozesse kritisch sieht.

    Jeder Ostbelgier könnte sich genauso gut als Opfer des Kolonialzeit fühlen, denn weder die Kogolesen noch unsere Vorfahren wurde je gefragt, Teil Belgiens zu werden.

    Zuletzt noch zwei Frage :

    Wie oft waren Sie in Afrika ? Und wieviele Afrikaner kennen Sie persönlich?

  5. Andre Schmidt

    Eine Anklage nach 60 Jahren… Es ist ja nicht so dass die Täter sich so lange irgendwo in Südamerika versteckt hielten. Egal wie schlimm es war, irgendwann muss Schluss sein.
    Können wir Italien noch verklagen wegen der Verbrechen hier vor 2070 Jahren? Neben einem Völkermord haben sie immerhin eine Sprachengrenze geschaffen, die heute noch für Probleme sorgt.

  6. Peter Schallenberg

    Da stellt sich doch ein grundsätzliche Frage: wie lange darf ein Krieg, eine Gewalttat, ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit oder Ähnliches zurückliegen, um hieraus Ansprüche gleich welcher Art stellen zu können? Wo liegt da die zeitliche oder moralische Grenze?

  7. Norbert Schleck

    Einige kurze Anmerkungen zu den Fragen des Herrn Scholzen:

    -Zuständigkeit? Selbstverständlich ist die belgische Staat als damalige Kolonialmacht zuständig. Die jetzige Republik Kongo besteht erst seit 1960.

    -Gegen geltendes Recht verstoßen? Ich glaube kaum, dass es ein Gesetz gab, das die systematische Wegnahme von Mischlingskindern und ihre Zwangsunterbringung in Waisenhäusern vorsah. Das war einfach nur die Rassenpolitik der Kolonialherren, die auf Apartheid beruhte.

    -Nur geltendes Recht respektiert? Nach diesem Grundsatz hätte man keinen NS-Schergen vor Gericht stellen können, denn sie respektieren ja wohl nur diese geltenden Gesetze und Befehle.

    -Wieso kommen die erst jetzt? Eine perfide Frage.

    -„Geld machen wollen“? Damit kann man jede Zivilpartei abqualifizieren, die nach einem Verkehrsunfall neben dem materiellen auch einen moralischen Schaden einklagt, der gemeinhin durch eine Geldsumme abgegolten wird.

    -Entschuldigung? Hat Belgien schon 2019 getan. Sehr spät! Ist aber wohlfeil.

    -Ostbelgien=Kongo? Echt? Hat Herr Scholzen sich mal mit der Kolonialzeit befasst? Ist ihm der Ausdruck „Kongogräuel“ ein Begriff?

  8. Marcel Scholzen Eimerscheid

    Werter Herr Schleck.

    Durch die Unabhängigkeit wurde die Demokratische Republik Kongo zum Rechtsnachfolger Belgiens auf deren Gebiet.Ungefähr wie der belgische Staat zum Rechtsnachfolger Deutschlands wurde auf dem Gebiet der Ostkantone durch den Versailler Vertrag.Daher ist der Kongo zuständig meiner Meinung nach.Eine Nichtzuständigkeit Kongos könnte deren Unabhängigkeit in Frage stellen und wiederum belgische Forderungen an Kongo begründen.

    Die Geschichte Kongos kenne ich. Auch in Ostbelgien gab es Gräueltaten, wie zum Beispiel die Bombardierung St.Viths oder das Massaker von Wereth.

    Überall in der Welt entzieht der Staat Eltern Kinder.Das gab es schon immer.

    Die NS-Schergen konnten nur vor Gericht gestellt werden, weil Deutschland den 2. Weltkrieg verloren hat.Zum Glück.

    Ich bleibe bei meinem Standpunkt. Hier sind welche, die sich als Opfer aufspielen und versuchen Geld zu machen. Ohne jede Grundlage.