Sciensano-Studie: Kaum Corona-Infektionen nach vollständiger Impfung

Wenn es aktuell ein Thema gibt, das bei manchen Menschen das Sportfieber durchdringen kann, dann vielleicht am ehesten die Corona-Impfung. Beziehungsweise alles, was in diesem Kontext mit Zertifikaten, Sommerferien, Reisen und Schutz zu tun hat. Was das angeht, hat das Nationale Krisenzentrum am Freitag sehr positive Nachrichten verkünden können.

Corona-Impfung (Illustrationsbild: Jack Guez/AFP)

Illustrationsbild: Jack Guez/AFP

Eine am Freitag veröffentlichte Studie des Instituts für Volksgesundheit Sciensano hat untersucht, wie sich die Corona-Impfung auf das Ansteckungsrisiko auswirkt. Dazu haben die Wissenschaftler zwei Datenbanken verglichen, nämlich die mit den PCR-Tests und die mit den geimpften Personen in Belgien und dann die herausgefiltert, die sich trotz vollständiger Impfung mit dem Coronavirus infiziert haben. Das nenne man eine Durchbruchsinfektion, erklärte der Virologe Steven Van Gucht. Definiert wird das Ganze eben über einen positiven PCR-Test.

Das sagt erst einmal nichts über die Krankheitssymptome aus, wie Van Gucht unterstrich. Von gar keinen über milde bis hin zu ernsten Symptomen könne da alles dabei sein. Denn ein positiver PCR-Test müsse ja nicht bedeuten, dass man sich auch krank fühle, ergänzte sein Kollege Yves Van Laethem. Die Studie stelle fest, dass Ansteckungen nach einer Impfung selten vorkämen, fasste Van Gucht den wichtigsten Befund zusammen. Selten heißt: Ende Mai waren rund 2,1 Millionen Belgier mit zwei Dosen beziehungsweise im Fall von Johnson&Johnson mit einer Dosis geimpft. Bei rund 1,4 Millionen von ihnen lag die letzte Dosis dabei weiter als zwei Wochen zurück. Das ist der notwendige Zeitraum, um einen optimalen Schutz aufzubauen. Als vollständig geimpft zählt man also erst nach Verstreichen dieser 14 Tage nach dem letzten Pieks.

Von diesen eben wirklich vollständig geschützten Personen sei nur bei 0,32 Prozent eine Corona-Infektion festgestellt worden, so Van Laethem. Das entspricht also drei von tausend, oder in absoluten Zahlen 4.526 Personen. Viel wichtiger sei aber, dass eine große Mehrheit dieser Menschen, nämlich 68 Prozent, keine Symptome bemerkt hätten, als sie bei der Kontaktaufnahme danach gefragt worden seien.

Das erklärt dann auch, warum diese Infektionen meist durch Zufall entdeckt worden sind, heißt bei Tests, die aus anderen Gründen wie etwa Reisen, Krankenhausaufnahmen aus Nicht-Covid-Gründen oder Hochrisikokontakten durchgeführt worden sind. Besonders positiv wirkt sich die offensichtliche Schutzwirkung der Impfstoffe auch auf die Krankenhäuser aus. Nur 1,1 Prozent aller Covid-bedingten Krankenhausaufnahmen entfielen auf vollständig Geimpfte, wie Van Laethem ausführte.

Die vorläufige Bilanz der Gesundheitsexperten ist also eindeutig. Das sei erneut ein überzeugendes Indiz für die Wirksamkeit der Impfstoffe. Und zwar explizit mit in Belgien erhobenen Daten. Sehr ermutigende Befunde also, aber sicher noch nicht der Weisheit letzter Schluss. Die Untersuchungen gehen weiter, denn die Wissenschaftler wollen mehr über potenzielle Risikofaktoren herausfinden. Sprich Virusvarianten, die unterschiedlichen Impfstoffe und auch die Zeiträume, die seit der Impfung verstrichen sind. Letzteres kann dabei besonders interessant sein, wie Van Gucht hervorhob. Denn das könne wertvolle Informationen darüber liefern, wie lange die Schutzdauer der verschiedenen Vakzine denn anhalte.

Mit einem gewissen Fragezeichen sollte man zum jetzigen Zeitpunkt den Faktor Virusvarianten versehen. Noch entsprächen die Durchbruchsinfektionen durch Varianten der Verteilung der Varianten in der Bevölkerung, so Van Gucht. Aber es sei noch zu früh, um darüber belastbarere Aussagen zu machen, dafür brauche man mehr Daten.

Boris Schmidt

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