Pleiten, Pech und Pannen: Ärger mit dem Einladungssystem für Corona-Impfungen

Die Impfkampagne in Belgien läuft bekanntermaßen eher schleppend an. Ein Problem ist, dass noch immer längst nicht so viele Vakzin-Dosen wie geplant und gewünscht geliefert werden. Aber selbst wenn Impfstoffe da sind und die berechtigten Menschen zum Impfen kommen sollen, hakt es noch, wie sich dieser Tage gezeigt hat.

Impfzentrum in Brüssel (Bild: Benoit Doppagne/Belga)

Illustrationsbild: Benoit Doppagne/Belga

Abgesehen von der Versorgung mit den notwendigen Impfstoffdosen braucht es für eine erfolgreiche Impfkampagne vor allem eines: eine gute Logistik, Organisation und ein funktionierendes System. Dazu gehört natürlich auch, dass die Menschen benachrichtigt werden, wenn sie an die Reihe kommen. Sie müssen eingeladen werden, sich im System zu registrieren, um einen Termin zu vereinbaren oder wahrzunehmen. In Belgien läuft das über ein föderales Reservierungssystem namens Doclr. Diese Software automatisiert unter anderem das Verschicken der Einladungen an die Impfberechtigten. Theoretisch zumindest.

Denn schon vergangene Woche, als das größte Impfzentrum des Landes auf dem Heysel-Gelände in Brüssel eröffnet wurde, kam es in diesem Reservierungssystem zu einer Informatikpanne. Auch andere Impfzentren wie in Antwerpen und Gent waren betroffen. Tausende Impfeinladungen konnten zunächst einfach nicht verschickt werden.

Zu frühe Impfeinladungen

Am Dienstag wurden weitere Probleme bekannt. Rund tausend Menschen sollen Impfeinladungen bekommen haben – ohne, dass sie zu einer der sogenannten prioritären Gruppen gehören würden. Dieses Problem soll das ganze Land betreffen. Die VRT etwa berichtet, dass 600 Flamen Ende vergangener Woche eine zu frühe Impfeinladung bekommen hätten, die RTBF spricht ebenfalls von vielen Fällen in Mouscron im Hennegau. Nach aktuellem Kenntnisstand scheint es sich auch hierbei um ein Informatikproblem gehandelt zu haben.

Dass das Reservierungssystem nicht die korrekte Impfreihenfolge beachtete, wurde am Samstag entdeckt und das Verschicken weiterer Einladungen gestoppt. Da waren allerdings schon Hunderte Benachrichtigungen rausgegangen und hatten auch viele Angeschriebene schon einen Impftermin bestätigt, wobei sich der ein oder andere schon etwas gewundert hatte, als er per SMS und E-Mail zur Impfung geladen wurde. Sie habe zunächst an einen Fehler geglaubt, erzählte eine Frau aus Mouscron in der RTBF, und sich dann erkundigt, ob das wirklich eine offizielle Einladung sei, weil ja auch vielleicht Hacker am Werk gewesen sein könnten.

Sabine Stordeur von der föderalen Impf-Taskforce sieht das Ganze aber nicht so tragisch. Das sei halt eine Art Jugendsünde des Systems gewesen und gut so, erklärte Stordeur. Und sie bestätigte, dass die Betroffenen sich jetzt auch einschreiben und impfen lassen könnten, selbst wenn diese Einladungen außerhalb der festgelegten Impfreihenfolge erfolgt seien. Global betrachtet handelt es sich wohl um so wenige Fälle, dass dadurch kein Nachteil für die wirklichen prioritären Gruppen entsteht.

Kinderkrankheiten

Die VRT berichtet aber auch über Probleme bei der Impfung des Gesundheits- und Pflegepersonals. So hätten manche Menschen die Impfeinladungen für andere Personen erhalten und konnten die darin enthaltenen persönlichen Impf-Codes benutzen, um sich im System anzumelden. Beziehungsweise, um die Impf-Termine der eigentlichen Adressaten zu ändern, wenn diese die Einladung auch noch auf anderem Weg erhalten hatten und bereits einen Termin vereinbart hatten. Das Problem hier: Die Datenbanken, auf deren Basis diese Menschen kontaktiert werden, sind unvollständig oder nicht auf dem aktuellen Stand.

In verschiedenen flämischen Impfzentren sind außerdem zahlreiche eingeladene Angehörige des Gesundheits- und Pflegepersonals nicht zur Impfung erschienen. Und auch dafür gibt es verschiedene mögliche Erklärungen: Sie könnten ihre Benachrichtigungen einfach nie erhalten haben oder Einladungen könnten als Spam eingestuft worden sein, oder die Menschen hätten die Benachrichtigungen zwar bekommen, aber diese für Betrugsversuche von Kriminellen gehalten. Einige Betroffene berichten aber auch, dass sie bereits an ihrer Arbeitsstelle geimpft worden seien. Als sie das jedoch im Reservierungssystem eingeben wollten, um den Termin im Impfzentrum abzusagen, habe die Software einen Fehler gemeldet und unter der angegebenen Kontakt-Telefonnummer habe es geheißen, dass der Anschluss nicht existiere.

Laut Joris Moonens vom flämischen Gesundheitsministerium handelt es sich bei diesen Vorfällen aber nur um Kinderkrankheiten des Systems. Bis zum Beginn der breiten Impfkampagne für die Bevölkerung im März würden diese ausgebügelt sein.

Boris Schmidt

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