„Knuffelcontact“ Wort des Jahres in Flandern

"Knuffelcontact" ist in Flandern zum Wort des Jahres 2020 gewählt worden. Beim Online-Voting entfielen mehr als die Hälfte der 25.000 Stimmen auf das Wort.

Kuscheln, Schwestern (Illustrationsbidl

Illustrationsbild: © Bildagentur PantherMedia / Antonio Guillen) Fernández

Jetzt ist die Zeit, in der so ein bisschen überall die „Worte des Jahres“ gekürt werden. In Flandern hat man sich für einen Begriff entschieden, der inzwischen tatsächlich weit über die Landesgrenzen hinaus bekannt ist, nämlich den „Knuffelcontact“. In Deutschland hört und liest man das Wort regelmäßig, aber auch im, sagen wir, „nicht-germanisch geprägten“ Ausland wurde die Bezeichnung aufgegriffen, sie ist quasi um die Welt gegangen. Was das Wort auch für die Jury so passend macht: Es hat in diese harten Corona-Zeiten ein bisschen Wärme gebracht.

„Wer ist ihr Knuffelkontakt“? Nicht nur in Radiospots hörte man den tollen Begriff, alle Welt hat ihn in den Mund genommen. Von Premierminister Alexander De Croo bis hin zum Nikolaus, der sein Pferd mal eben in den Rang des Knuffelkontakts erhebt.

In Flandern hat sich der Begriff ruckzuck eingebürgert. Doch schaffte er sogar den Sprung über die Sprachgrenzen. Im frankophonen Landesteil sprach man auch schon zuweilen vom Knuffelkontakt, und auch in Deutschland nahm man das Wort in den Mund. Zum Beispiel im ZDF-Heute-Journal. Sogar die satirisch-bissigen ZDF-Heute-Show griff den Begriff auf, allerdings in einem, naja, etwas buchstäblicheren Sinn.

Es folgten englische, italienische, ukrainische und sogar chinesische Medien. Der „Knuffelkontakt“ legte fast schon eine Weltkarriere hin.

Ein niederländisch-flämischer Begriff wird nicht allzu oft zum Exportschlager. Kein Wunder also, dass der „Knuffelcontact“ denn auch in Flandern zum Wort des Jahres gekürt wurde. Für die Wahl verantwortlich zeichnen das Niederländisch-Wörterbuch Van Daele und die VRT. Knuffelcontact landete mit 53 Prozent der Jurystimmen auf Platz eins, übrigens vor dem Begriff Covidioot, der ja auch im Deutschen geläufig ist.

Was den Begriff so sympathisch macht: Es ist ein warmes Wort, sagte Ruud Hendrickx, der als „Sprachberater“ bei der VRT fungiert. Endlich ein warmes Wort, das im doch unangenehmen Corona-Zusammenhang verwendet werden kann. Knuffeln: Wer tut das nicht gerne? Aber nicht nur rein inhaltlich ist es ein schönes Wort, sondern auch, was die Form angeht: KnuffelContact, eine formvollendete Alliteration.

Das perfekte Wort des Jahres also. Das übrigens in schrillem Kontrast steht zu einigen seiner Verwandten. In Deutschland wurde der „höchst originelle“ Begriff „Corona-Pandemie“ zum Wort des Jahres gekürt, die Niederländer haben sich ihrerseits für einen regelrechten Zungenbrecher entschieden: „anderhalvemetersamenleving“, was so viel heißt wie: Anderthalbmetergesellschaft. Klar, auch eine Corona-Wortschöpfung, aber wie angenehm flauschig klingt da doch Knuffelcontact…

Apropos Wortschöpfung: Man weiß im vorliegenden Fall sogar, wer es erfunden hat. Zum ersten Mal fiel der Begriff Knuffelcontact am 8. Oktober dieses Jahres, also vergleichsweise spät. „Sie sind keiner meiner Knuffelkontakte“, wandte sich der damals frischgebackene Gesundheitsminister Frank Vandenbroucke an eine VRT-Fernsehjournalistin. Deswegen sei er froh, dass der anderthalb Meter-Abstand gewährleistet sei.

Wie ist er auf diesen Begriff gekommen? Hat sein Beraterteam den Knuffelcontact ausbebrütet? „Nein!“, behauptet Frank Vandenbroucke. Er sei ihm spontan eingefallen.

Ein spontaner Einfall, der aber ins Schwarze trifft, sagt VRT-Sprachberater Ruud Hendrickx. Hier gab es offensichtlich ein sprachliches Defizit. Die Menschen brauchten schlicht und einfach einen Begriff, der diese Person bezeichnete, mit der man engeren Kontakt haben darf. Kein Wunder, dass sich der Knuffelcontact so schnell eingebürgert hat.

Und genau das macht den Begriff eben auch so attraktiv: Er bringt eine doch zentrale Regel in einem verschärften Lockdown-Kontext einfach und verständlich auf den Punkt. Eine wichtige Regel, die natürlich für viele Menschen auch alles andere als einfach ist, sagt Frank Vandenbroucke. Eben mit Ausnahme dieses Knuffelkontakts dürfen wir uns leider nicht mehr drücken, nicht mehr umarmen, wir sollten uns dafür aber nicht loslassen. Wir müssen hier gemeinsam durch. Und, wenn er sehe, wie viele Menschen sich trotz aller Schwierigkeiten an die Regeln halten, dann sei er davon überzeugt, dass wir das auch schaffen werden.

belga/vrt/jp/rop