Corona-Lage in Belgien laut ECDC „besorgniserregend“

Das Europäische Zentrum für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten hat in seiner aktuellen Coronavirus-Risikobewertung Belgien in die Länder mit besorgniserregenden Trends verschoben. Zuvor war Belgien noch als "stabil" klassifiziert gewesen. Das bedeutet, dass es eine erhöhte Zahl von Fällen gibt und diese zunimmt.

Maskenpflicht-Zeichen in einem Betrieb in Kortrijk (Bild: Kurt Desplenter/Belga)

Maskenpflicht-Zeichen in einem Betrieb in Kortrijk (Bild: Kurt Desplenter/Belga)

Schweden hat das gleiche Schicksal wie Belgien ereilt. Auch dieses skandinavische Land hat das Europäische Zentrum für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten (ECDC) von „stabil“ nach „besorgniserregend“ verschoben.

Innerhalb dieser Gruppe gibt es aber noch einmal eine schlechtere Klassifizierung, nämlich „sehr besorgniserregend“. Zu diesen Ländern gehören zum jetzigen Zeitpunkt aber weder Belgien noch Schweden. Aber auch wenn das Risiko hierzulande momentan noch als moderat eingeschätzt werde, müsse man immer vor Augen haben, dass sich die epidemiologische Situation sehr schnell verändern könne, warnte das ECDC.

Angesichts der sich verschärfenden Corona-Lage in verschiedenen europäischen Ländern und weil es noch keinen Impfstoff gebe, müssten die Länder vor allem auf eine schnelle Nachverfolgung, Tests und die Quarantäne von Hochrisikokontakten setzen, erklärte die Direktorin des ECDC. Für die Bürger bedeute das, sich an die Hygieneregeln zu halten, und zu Hause zu bleiben, wenn man sich krank fühle.

Beschlüsse des NSR stoßen bei Experten auf wenig Begeisterung

Am Mittwoch hat der Nationale Sicherheitsrat beschlossen, die Coronavirus-Schutzmaßnahmen anzupassen. Kurz zusammengefasst verschwindet unter anderem ab dem 1. Oktober die sogenannte „Kontaktblase“. Allerdings wird empfohlen, enge Kontakte außerhalb des eigenen Haushalts zu beschränken. Wie viele Kontakte das sein sollen, das soll über ein „Gesundheits-Barometer“ definiert werden, das lokale Entwicklungen berücksichtigt.

Die Quarantäne wird auf sieben Tage verkürzt und die allgemeine Mundschutzmaskenpflicht abgeschafft. Bei professionell organisierten Veranstaltungen gibt es keine Höchstgrenze für Gäste mehr. Im Großen und Ganzen ist das eine offensichtliche Lockerung der geltenden Einschränkungen.

Das kommt zu einem Zeitpunkt, zu dem sich die Lage auch in Belgien alles andere als ideal entwickelt. Das hat bei vielen Experten für Kopfschütteln gesorgt.

Boris Schmidt

Ein Kommentar
  1. Elian Schulte

    Werfen wir doch mal einen Blick auf jene Länder, die im Frühjahr einen besonders strengen Lockdown hatten, u.a. auf Spanien, Frankreich, Tschechien, Dänemark, Israel oder Argentinien (das bisweilen als positives Gegenbeispiel zu Brasilien genannt wurde): Dort gehen die Infektionszahlen derzeit massiv in die Höhe.
    Länder wie Deutschland, Schweden, die Niederlande, Luxemburg und auch Belgien stehen im Vergleich zu ersteren, was das Infektionsgeschehen anbelangt, besser dar.
    Insofern ist die Entscheidung des NSR zu begrüßen.
    Die Bereitschaft, sich an Regeln zu halten, ist viel größer, wenn diese nicht mit Strafandrohungen durchgesetzt werden, was bei privaten Familienfeiern und Partys in den eigenen vier Wänden ohnehin nicht möglich ist.
    Die Zahl der Infizierten wird in allen Ländern steigen; entscheidend ist, dass die Steigerungsrate nicht zu hoch ausfällt. Ein Appell an die Vernunft scheint da m.E. der beste Ansatz zu sein.