Brüsseler Gesundheitsminister schließt Ausgangssperre nicht kategorisch aus

Auch aus der Hauptstadt werden mittlerweile immer schlechtere Zahlen gemeldet. Deswegen haben Ärzte jetzt Alarm geschlagen und auch die Politik hat begonnen, zu reagieren.

Alain Maron, Gesundheitsminister der Region Brüssel-Hauptstadt (Bild: Jasper Jacobs/Belga)

Alain Maron, Gesundheitsminister der Region Brüssel-Hauptstadt (Bild: Jasper Jacobs/Belga)

Zehn Prozent aller im Triagezentrum Antwerpen-Nord durchgeführten Tests fallen mittlerweile positiv aus. Das gibt eine Vorstellung davon, wie groß die Infektionsherde in bestimmten Vierteln sein müssen. Und auch wenn bereits spekuliert wurde, ob Maßnahmen wie Ausgangssperren möglicherweise auch auf andere Provinzen und Städte ausgeweitet werden könnten, schien das bislang noch eher unwahrscheinlich. Die Aussage des Antwerpener Bürgermeisters und N-VA-Chefs Bart De Wever, dass er sich um die anderen großen Städte Sorgen mache, wurde zumeist als Ablenkungsmanöver von möglichen eigenen Fehlern oder als politisch motiviertes Geplänkel gewertet.

Wenn man aber die aktuellen Zahlen aus bestimmten Brüsseler Krankenhäusern betrachtet, ist die These von Antwerpen als Sonderfall möglicherweise nicht mehr lange haltbar. Noch Ende Juni habe der Anteil der positiv auf das Coronavirus Getesteten in der Klinik Saint-Jean im Brüsseler Zentrum bei 0,8 Prozent gelegen, sagte Chefarzt Kenneth Coenye in der RTBF. Also nicht höher als der nationale Durchschnitt.

Inzwischen habe sich dieser Anteil aber verzehnfacht. Das beunruhige ihn persönlich sehr, so Coenye. Auch Dr. Didier Delmarcelle von der Notfallabteilung der Klinik findet diese fast sieben Prozent enorm hoch. Man sehe, dass jetzt die Patienten begännen einzutreffen. Das habe man zwar erwartet, so Delmarcelle, und man sei auch vorbereitet. Aber es passiere viel früher als eigentlich vorgesehen.

Zentrum besonders betroffen

Die Steigerung der bestätigten Fälle könne man auch in anderen Krankenhäusern des Zentrums beobachten, wohingegen in den weiter außen gelegenen Stadtgemeinden der Wert deutlich niedriger liege, erklärte Chefarzt Coenye.

Im Zentrum seien die Lebensumstände anders als in den anderen Gemeinden, das erleichtere die Ausbreitung des Virus. So lebten hier deutlich mehr Menschen auf engerem Raum und würden sich die Jugendlichen auch wesentlich häufiger auf den Straßen aufhalten. Es handele sich um Menschen mit Migrationshintergrund, das erkläre natürlich auch, warum der Anteil dieser Gruppe bei den positiv Getesteten hoch sei. Es sei ja logisch, dass sich die Bevölkerungsstruktur auch in den Tests der örtlichen Krankenhäuser niederschlage.

Außerdem würden Länder wie Marokko zur Einreise einen Corona-Test-Nachweis verlangen, also würden sich auch besonders Menschen testen lassen, die dort hinreisen wollten, gab Coenye zu bedenken.

Tests und Masken

Der Bürgermeister von Brüssel-Stadt, Philippe Close, schlug am Donnerstag auf Twitter vor, ob es nicht an der Zeit sei, den Zugang zu Corona-Tests im ganzen Land einfacher zu machen. Sprich dass sich auch Menschen ohne eine ärztliche Überweisung und einen Termin testen lassen könnten.

Prinzipiell eine gute Idee, findet der Chefarzt der Saint-Jean-Klinik. Testen sei zwar nur eine Maßnahme neben Mundschutzmasken und dem Einhalten des Sicherheitsabstands. Aber wenn man wisse, wer infiziert sei, könne man diese Menschen in Quarantäne schicken und verhindern, dass sie andere Menschen ansteckten. Aber Coenye findet auch die Antwerpener strengeren Maßregeln wie die Maskenpflicht eine gute Idee. Er sei zwar kein Experte und auch kein Epidemiologe, aber eine allgemeine, landesweite Tragepflicht sei ein Schritt, über den man seiner Meinung nach langsam nachdenken sollte.

Der Brüsseler Gesundheitsminister Alain Maron reagierte ebenfalls auf die Entwicklung. Die Behörden analysierten täglich die Zahlen des Instituts für Volksgesundheit. Und noch seien die Brüsseler Zahlen nicht so schlecht wie die in Antwerpen, erklärte Maron in der VRT.

Eine nächtliche Ausgangssperre wie in der Provinz Antwerpen steht in Brüssel derzeit nicht zur Diskussion. Falls die Situation sich aber verschärfen sollte, sei nicht auszuschließen, dass man ähnliche Maßnahmen ergreife wie Antwerpen. Aber soweit sei es im Augenblick noch nicht, betonte Maron.

vrt/sh/bs