Marc Van Ranst: Wir stehen am Beginn einer zweiten Corona-Welle

Die durchschnittliche Zahl der Corona-Infektionen ist um 32 Prozent gestiegen. Das berichten die Gesundheitsbehörden.

"Drive In" für Coronatests am CHR-Krankenhaus La Citadelle in Lüttich (Bild: Eric Lalmand/Belga)

Illustrationsbild: Eric Lalmand/Belga

Nicht nur, dass die Zahl der Neuinfektionen stark steigt, auch die Zahl der Krankenhausaufnahmen wegen Covid-19 sinkt nicht mehr. Ein weiteres deutliches Alarmsignal. Genauso wie die berüchtigte Reproduktionszahl, die erstmals seit dem 4. April in Belgien wieder über eins liegt – seit dem bisherigen Höhepunkt der Epidemie. Das bedeutet, dass jeder Infizierte im Schnitt eine weitere Person mit dem Coronavirus ansteckt. Immerhin nimmt die Zahl der am oder mit dem Virus Verstorbenen weiter ab. Zumindest für den Augenblick.

Angesichts dieser Zahlen würde er schon sagen, dass wir uns am Beginn einer zweiten Welle befänden, sagte der bekannte Virologe Marc Van Ranst in der VRT. Allein am Montag seien 216 neue Fälle gemeldet worden – es sei lange her, dass die Zahlen so schlecht gewesen seien. Eine fast identische Infiziertenzahl hatte es auch am 15. März gegeben, zwei Tage, bevor die ersten Corona-Einschränkungen verhängt wurden.

Nur zum Vergleich: In der erwähnten Referenzwoche mit den 32 Prozent Zunahme lag der Durchschnitt bei knapp 115 positiv Getesteten am Tag. Deswegen erwarte er auch, dass die Zahlen weiter steigen würden, so Van Ranst. Das sei eindeutig nicht gut, ein absoluter Weckruf.

Man denke, auch wenn das zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht gesichert sei, dass auch schon Urlaubsrückkehrer bei diesen neuen Fällen dabei seien, so der Virologe von der KU Löwen. Für alle gelte: Man müsse viel mehr als bisher über die Umstände der einzelnen Fälle wissen. Vor allem, von wo diese Menschen kämen und wo sie sich das Virus eingefangen hätten, betonte Van Ranst.

Es handele sich nicht um einen einzigen neuen Hotspot, sondern um verschiedene. Mittlerweile seien quasi alle Provinzen betroffen und besonders die großen Städte, einfach weil hier die meisten Menschen auf dem engsten Raum lebten. Man könne auch nicht mehr davon sprechen, dass sich die Zunahme auf bestimmte Altersgruppen beschränke, über die Phase sei man hinaus, so der Virologe.

Lokale Lockdowns?

Es sei noch zu früh, um über lokale Lockdowns zu sprechen. Aber wenn man die Erfahrungen aus dem ersten landesweiten Lockdown bedenke, sei klar, dass es sehr schwierig sei, die gleiche Maßnahme erneut durchzuführen, ohne einen riesigen wirtschaftlichen Schaden anzurichten. Man müsse also sehr kreativ mit der Situation umgehen.

Ganz sicher seien für die nächste Zeit keine weiteren Lockerungen mehr zu erwarten, stellte Van Ranst klar. Es sei aber auch noch zu früh, um über eine Rücknahme von Erleichterungen zu sprechen. Wenn sich die Zahlen allerdings so weiterentwickelten, könne man davon ausgehen, dass auf der Agenda des nächsten Nationalen Sicherheitsrates am 23. Juli eine Verschärfung der Regeln stehen könne.

Jetzt gehe es vor allem darum, dass alle sich an die Schutzmaßregeln hielten, bekräftigte der Virologe. Abstand halten sei extrem wichtig – natürlich auch dort Mundschutzmasken tragen, wo dies vorgeschrieben sei. Und die Anzahl der sozialen Kontakte begrenzen. Er wisse, dass sich viele Menschen noch nicht einmal mehr an die relativ milde Vorgabe von 15 Kontaktpersonen pro Woche hielten, beklagte Van Ranst. Die Bevölkerung müsse die Regeln genauestens befolgen.

Auf Twitter veröffentlichte der Gesundheitsexperte kurz darauf noch eine ebenso einfache wie klare Forderung an die Menschen: „Ga terug in uw kot“, geht zurück nach Hause.

Boris Schmidt

9 Kommentare
  1. Wolfgang Janssen

    Urlaub in fremden Ländern und Party machen ist sicher ein Auslöser dieser „zweiten“ Welle!

  2. Maria van Straelen

    Man braucht sich nur die Bilder von der belgischen Küste anzusehen und dann die vielen Coronaparties im ganzen Land. Die meisten denken nur an ihren eigenen egoistischen Spaß. Und es sind nicht die „Alten“, die das Virus verbreiten, die Jüngeren, die sich immun fühlen, halten kaum Abstand, wollen keine Masken. Wenn dann wieder Einschränkungen kommen, werden die Politiker wieder beschimpft. Kann man sich nichtmal 1 jahr zusammennehmen und einschränken ?

  3. Guido Prickartz

    Ich geb’s auf.Herr gebe unserer Obrigkeitshörigen Bevölkerung Hirn.Wie lange wollt Ihr Euch noch von dieser Regierung verarschen lassen.Es gab noch nicht mal eine erste Welle!!!

  4. Maggie pricken rossberg

    Die Welt ist auch nicht rund sondern eine Scheibe, nicht wahr?

  5. Maria van Straelen

    ich hätte da eine Lösung für Sie, Herr Prickartz: wandern Sie in die USA aus, da haben Sie die zu Ihnen passende Obrigkeit und werden mit Ihren Ansichten mit Kusshand aufgenommen

  6. Dieter Leonard

    Guter Vorschlag, Frau van Straelen.
    In den USA könnte Herr Prickartz auch live miterleben, wie wegen fahrlässiger Politiker und verantwortungsloser Mitmenschen eine nicht enden wollende 1. Welle aussieht.
    Und da es hier erlaubt ist: zum Thema „Genpool“ liefert Herr Prickartz uns mit seinen Kommentaren täglich abschreckenden Anschauungsunterricht.

  7. Mario Meis

    Leute, warten wir erstmal alles ab!
    Die Virologen müssen sich mal melden, sonst geht ihnen die Glaubwürdigkeit verloren.Wenn Sie vor einer zweite Welle warnen, dann geben Sie indirekt zu, dass eine erste Welle vorbei ist.Na so was!
    Herr Leonard:Was ist denn ein „Genpool“?
    Warum es in den USA soviele Tote gibt, wissen wir wohl alle, nur darf man das nicht schreiben, es liegt wohl auch am Gesundheitssystem, aber nicht nur.
    Außerdem weiss man nicht , wieviel Leute sowieso gestorben wären.
    Ein gutes, gesundes Immunsystem soll da helfen!
    Frau van Straeten:Wer eine Brille trägt, ist man sowieso schon im Sehfeld eingeschränkt,da ist eine Maske kontraproduktiv!

  8. maria van Straelen

    Herr Meis, die meisten reagieren auf Herrn Prickartz, der uns hier oben wenig Hirn zugesteht und in einem vorigen Kommentar „Coronavirus: die Alarmglocken schrillen“ den Belgiern einen wesentlich kleineren „Genpool“, als den Nachbarländern andichtet, um zu erklären, wir wären zu beschränkt eine richtige Maske zu entwickeln …
    Aber zum Tragen der Maske: sie gefällt niemandem, mein Mann ist Brillenträger, ich bin in Behandlung wegen Atemnot, beide aber tragen wir Masken, wo es gefordert wird, denn das ist im Ernstfall das viel, viel kleinere Übel, verglichen mit einem schweren Krankheitsverlauf bei Corona. Die meisten unter uns müssen sie nur kurz tragen (im Geschäft , Bus oder beim Eintreten in ein Restaurantm) aber die Bedienungen in Geschäften und Restaurants etc. müssen das den ganzen Tag tragen. Je disziplinierter wir jetzt sind, je eher ist es vorbei, aber leider ist der Egoismus heutzutage sehr groß.

  9. Guido Scholzen

    Erstens:
    Und wenn die 2. Welle nicht kommt?
    Ja, dann haben uns die Masken davor bewahrt, nicht wahr!
    Obwohl schon seit Mai die Anzahl Tote/Tag zurückging.
    Aber… da gab es doch noch keine Maskenpflicht? 😕😕😕

    Zweitens:
    Und vor allem müssen jetzt in den großen Ferien, Menschenansammlungen vermieden werden. Vor allem die Jugend muss geschützt werden: keine Massenbesäufnisse, keine „Corona-Partys‘, bloß nicht zuviele auf einem Haufen, Jugendlager mit max.50 Personen, ect…
    Werte Politiker,
    Wenn im September die Schulen ihren Betrieb wieder regulär aufnehmen, dann haben wir die größte Corona-Party, die wir uns denken können. kapiert?

    Manchmal frage ich mich, für wen das Wort COVIDiot kreiert wurde: Für die Realitäts-Verweigerer wie Trump oder die Corona-Übertreiber wie der „Rest“.