VRT und Kultursektor protestieren gegen Sparmaßnahmen

In Flandern hängt derzeit der soziale Haussegen schief. Vor den Amtsräumen der flämischen Regierung am Brüsseler Martelaarsplein geben sich im Moment die Demonstranten quasi die Klinke in die Hand. Eine Kundgebung folgt der nächsten. Hintergrund sind jedes Mal die von der Regierung Jambon angekündigten Sparmaßnahmen.

Protest gegen Sparmaßnahmen im Bereich Kultur (Bild: Dirk Waem/Belga)

Protest gegen Sparmaßnahmen im Bereich Kultur (Bild: Dirk Waem/Belga)

Am Donnerstagabend waren es die Mitarbeiter der VRT, die gegen die Politik der flämischen Regierung protestiert haben. In dem flämischen Medienhaus befürchtet das Personal, dass man den Aufgaben einer öffentlich-rechtlichen Sendeanstalt nicht mehr gerecht werden kann.

Insgesamt rund 1.200 Menschen standen auf dem Brüsseler Martelaarsplein, um ihrem Ärger und ihren Sorgen Luft zu machen. Dort, an diesem schönen Plätzchen mitten im Zentrum der Hauptstadt, hat ja die flämische Regierung ihren Sitz. Und gegen ihre Politik richtet sich der Protest.

Die neue flämische Regierung um den N-VA-Ministerpräsidenten Jan Jambon, hat große Pläne. Investieren will die Equipe aus N-VA, CD&V und OpenVLD. Nur: Wer Geld in die Hand nehmen will, der muss es an anderer Stelle erst mal sparen. So zumindest argumentiert die Regierung.

In vielen Bereichen wird man den Gürtel also enger schnallen müssen. Besonders hart trifft es dabei den Kultursektor in seiner Allgemeinheit. Die Künstler etwa müssen herbe Einschnitte hinnehmen, insbesondere bei den Zuschüssen, die es ihnen erst erlauben, ihre Programme auf die Bühne zu bringen.

Auch die VRT muss sparen – wieder. Und damit sind wieder 250 Arbeitsplätze bedroht, sagt Klaus Haas, Vorsitzender der CSC-Gewerkschaft bei der VRT: „Wir sparen ja nicht erst seit heute.“ Der Journalist stammt übrigens aus Ostbelgien.

Protest-Festival

Das VRT-Personal will diese neuen Einschnitte nicht einfach so hinnehmen. Ein Streik wäre vielleicht das falsche Signal gewesen. Deswegen hat man sich für ein, sagen wir, „Happening“ entschieden: Mehr als 500 VRT-Mitarbeiter marschierten zunächst vom Rundfunkgebäude am Boulevard Reyers in die Innenstadt, eben zum Martelaarsplein.

Dort warteten schon etwa genauso viele Kulturschaffende aus anderen Bereichen, die sich mit der VRT solidarisch zeigen wollten. Es ist bitter kalt, und trotzdem mollig warm, sagt denn auch eine Sprecherin der Kulturschaffenden. „Aus allen Bereichen seid ihr gekommen: Künstler, VRT-Leute, Bedienstete im Pflegesektor, Vereinigungen.“

Auch dem CSC-Gewerkschafter Klaus Haas ist warm ums Herz geworden: „Seit 33 Jahren bin ich hier als Journalist aktiv. Noch nie haben sich so viele Kollegen engagiert. So manch einer musste sich die Tränen wegwischen.“

Auf dem Martelaarsplein hat man dann ein kleines Festival organisiert. Mit Auftritten unter anderem von Künstlern wie Guy Swinnen, Sioen, Tom Dice oder Tom Helsen.

Keine Sparmaßnahme, sondern Zensur

Der zuständige Minister, der junge CD&V-Politiker Benjamin Dalle, hat eine Abordnung der Demonstranten empfangen. Dabei machte er deutlich, dass die Regierung wohl nicht von ihren Sparplänen abrücken werde. Er zeigt sich aber offen für einen Dialog. Auch, um zu gewährleisten, dass die VRT ein starkes und schlagkräftiges Medienhaus bleibe.

Viele der Demonstranten glauben der Politik das nicht. Eine Kunst-Studentin brachte es auf den Punkt: „Das hier sind keine Sparmaßnahmen, das ist Zensur.“ Hier werden Künstler zensiert, die VRT zensiert. Denn: Das Geld ist da.

Das sei denn auch nicht die letzte Demo dieser Art gewesen. „Wir kommen zurück“, so der allgemeine Tenor. Auch bei der VRT sind Personal und Gewerkschaften engagierter denn je. Die Schlacht ist noch nicht geschlagen.

Roger Pint