Zum Nationalfeiertag: Auf den Spuren Leopolds des I. und des Hauses von Sachsen-Coburg und Gotha

Wenn wir am Sonntag unseren Nationalfeiertag begehen, dann erinnern wir auch an den ersten König der Belgier: Am 21. Juli 1831 legte Leopold Prinz von Sachsen-Coburg den Eid auf die Verfassung ab. Vergangene Woche hat sich König Philippe zusammen mit Königin Mathilde auf die Spuren seines Vorfahren begeben und das Schloss Friedenstein in Gotha besichtigt, wo das frühere Herzogtum von Sachsen-Coburg einen Sitz hatte.

Königin Mathilde und König Philippe im Schloss Friedenstein in Gotha (Bild: Martin Schutt/DPA/AFP)

Königin Mathilde und König Philippe im Schloss Friedenstein in Gotha (Bild: Martin Schutt/DPA/AFP)

Erwartungsvoll stehen sie vor Schloss Friedenstein in Gotha: Prinz Andreas, 75-jähriges Oberhaupt der Familie von Sachsen-Coburg und Gotha, sein Sohn Erbprinz Hubertus und dessen Frau Kelly. Sie sind in sechster Generation mit König Philippe verwandt und haben regelmäßig Kontakt zur belgischen Königsfamilie. „Wir sehen uns sicher ein-, zweimal im Jahr. Der König ist ja auch Taufpate meines Sohnes. Und wir hatten in den letzten Jahren sehr viel Kontakt mit ihnen“, erzählt Prinz Hubertus. „Meine Frau und ich freuen uns hier sehr über ein Wiedersehen auf Schloss Friedenstein und finden es natürlich ganz toll, dass das Königspaar zum Staatsbesuch kommt.“

Die Begrüßung ist familiär – mit Küsschen heißen die Mitglieder des Hauses Sachsen-Coburg und Gotha das Königspaar willkommen. Auch wenn sie nicht dort leben, ist es ein bisschen wie zu Hause. „Das Schloss Friedenstein ist nicht unser Wohnsitz. Aber es ist sehr eng verbandelt mit unserer Familie. Heute ist es in einer Stiftung eingebracht. Wir fühlen uns aber nach wie vor sehr wohl hier und freuen uns, dass wir auch immer sehr willkommen sind“, sagt Prinz Hubertus. „Wir als Familie haben die Möglichkeit, dieses Schloss für Familienveranstaltungen zu nutzen, was wir in regelmäßigen Abständen tun.“

Prinzessin Kelly von Sachsen-Coburg und Prinz Hubertus von Sachsen-Coburg und Gotha (Bild: Eric Lalmand/Belga)

Prinzessin Kelly von Sachsen-Coburg und Prinz Hubertus von Sachsen-Coburg und Gotha (Bild: Eric Lalmand/Belga)

So zuletzt im Juli letzten Jahres, als Schwester Stephanie hier standesamtlich geheiratet hat. Die Familie von Sachsen-Coburg und Gotha pflegt ihre adelige Herkunft. „Das Haus Sachsen-Coburg und Gotha ist ja sehr weit verzweigt und mit sehr vielen Monarchien heute noch verwandt. Es ist für uns als Familie wichtig, wo wir herkommen und wo wir heute stehen. Wir versuchen, an die Geschichte anzuknüpfen und aktiv die Verbindungen zu den Monarchien, mit denen wir verwandt sind, weiter zu pflegen.“

Dazu gehört zum Beispiel auch das britische Königshaus. Von den weit verzweigten Beziehungen des Hauses Sachsen-Coburg und Gotha zum europäischen Adel zeugt ein Familienfoto auf Schloss Friedenstein. Es zeigt die britische Königin Victoria im Kreis ihrer Verwandten. Anlass war eine Hochzeit im Jahr 1894. „Als eine Prinzessin von Sachsen-Coburg und Gotha einen Prinzen von Hessen und bei Rhein heiratete, hat Königin Victoria ihre gesamte Familie in Coburg versammelt. Auch anwesend war eine Tochter von Leopold II., der künftige Zar Russlands und seine Frau und Kaiser Wilhelm. Im Grunde der gesamte europäische Adel“, erklärt der Historiker Reiner Prass.

Königin Mathilde und König Philippe vor dem Schloss Friedenstein in Gotha (Bild: Eric Lalmand/Belga)

Königin Mathilde und König Philippe vor dem Schloss Friedenstein in Gotha (Bild: Eric Lalmand/Belga)

Ihre Geschichte begann mit Ernst dem Frommen, der das Herzogtum 1646 durch Erbteilung erhielt. Er ließ Schloss Friedenstein errichten und darin eine bedeutende Bibliothek, die bis heute erhalten ist. Von dem barocken Universum und der bedeutenden Kultursammlung des Schlosses können sich König Philippe und Mathilde ein Bild machen. „Das Schloss wurde errichtet als Residenz Ernst des Frommen von 1643 bis 1654. Das war das erste barocke Schloss in Mitteldeutschland“, erklärt Prass. „Die Inneneinrichtung stammt von dem Sohn Friedrichs I. und dessen Sohn Friedrich II. als barocke und repräsentative Inneneinrichtung, die Macht und Erfolge des Herzogs zeigt.“

Auch Leopold von Sachsen-Coburg und Gotha ging als Prinz wahrscheinlich im Schloss Friedenstein ein und aus. Belegt ist ein Familientreffen aus dem Jahr 1845, als er schon König der Belgier war. „Damals kam die gesamte Familie hier nach Gotha. Im September 1844 war das für zwei Wochen – und da wird sicherlich auch er als Prinz hier gewesen sein“, so Prass.

Wertvolle Schriftstücke aus den Archiven in Gotha dokumentieren die Geschichte des belgischen Königshauses. Dazu gehören zwei von Leopold I. unterzeichnete Staatsverträge und das Inventar des belgischen Staatsarchivs von 1837.

Plakat zu den Feierlichkeiten anlässlich des 25. Thronjubiläums Leopolds des I. in 1856 (Bild: Eric Lalmand/Belga)

Plakat zu den Feierlichkeiten anlässlich des 25. Thronjubiläums Leopolds des I. in 1856 (Bild: Eric Lalmand/Belga)

Ein besonderes Sammlungsstück ist ein zwei mal vier Meter großes Plakat, das zusammengefaltet in den Archiven lag. „Anlässlich des 25. Thronjubiläums Leopolds des I. 1856 gab es im Juli große Feierlichkeiten und auf diesem Plakat sieht man das gesamte Festprogramm in Brüssel. Es ist dann vom belgischen Generalkonsul hier zum Staatsminister in Gotha geschickt worden und hier im Archiv aufbewahrt und jetzt restauriert worden“, erklärt Prass.

Auch in Gotha gab es am 21. Juli 1856 eine Militärparade zum 25-jährigen Thronjubiläum von König Leopold I. Heute sind die ostdeutschen Wurzeln des belgischen Königshauses weitgehend in Vergessenheit geraten. Der Besuch von König Philippe und Königin Mathilde hat noch einmal daran erinnert.

Michaela Brück

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Ein Kommentar
  1. Alfons van Compernolle

    Nun ja, es gibt kaum ein Adelshaus, dass nicht seinen Ursprung in Deutschland hat. Unser Belg.-Koenig ist zumindest in dieser Angelegenheit nicht alleine.

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