Wieder Granatenexplosion in Antwerpen

Schon die zweite Nacht in Folge sind in Antwerpen Bürger durch einen Knall aus dem Schlaf gerissen worden. Grund waren Handgranaten, die explodiert sind. Beide Male entstand erheblicher Sachschaden. Verletzt wurde zum Glück niemand. Hintergrund sind wohl Abrechnungen im Drogenmilieu. Die Bewohner der betroffenen Viertel fühlen sich inzwischen nicht mehr sicher. Einige denken sogar darüber nach umzuziehen.

Granatenexplosion in Antwerpen

Durch die Explosion kamen auch zahlreiche Autoscheiben zu Bruch (Bild: Dirk Waem/Belga)

3:20 Uhr am Dienstagmorgen in der Frühe. Die Antwerpener Biekorfstraat wird von einem lauten Knall erschüttert. Die Bewohner müssen vor Schreck fast aus dem Bett gefallen sein. Polizei und Feuerwehr rücken an. Als die Rettungs- und Sicherheitskräfte am Tatort ankommen, sehen sie dort Bilder, die an ein Kriegsgebiet erinnern: ein Auto in Flammen, vier andere wurden beschädigt. Und auch eine Hausfassade hat was abbekommen.

Es stellt sich heraus: In der Biekorfstraat ist eine Handgranate ist explodiert. Der Minenräumdienst wird benachrichtigt. Es gilt zu klären, ob nicht noch weitere Sprengkörper vor Ort sind, die vielleicht nicht hochgegangen sind. Das sei aber zum Glück nicht der Fall gewesen, sagt Willem Migom, Sprecher der Antwerpener Polizei. Die Aufräumarbeiten sind abgeschlossen. Polizei habe also jetzt damit begonnen, die Anwohner zu befragen.

Zwei Explosionen in zwei Nächten

So zynisch es klingt, aber im Grunde muss niemand mehr nach der Ursache suchen, wenn’s in Antwerpen mal wieder geknallt hat. Es ist nämlich längst nicht die erste Handgranate, die in der Scheldestadt explodiert. Genau gesagt hat sich quasi exakt der gleiche Vorfall auch schon vorletzte Nacht ereignet. Da ging eine Handgranate in der De Pretstraat hoch. Auch dabei entstand erheblicher Sachschaden. In beiden Fällen wurde aber niemand verletzt. Vor Ort war später noch eine zweite Granate gefunden worden, die erst unschädlich gemacht werden musste. Die lag unter einem Auto. Der Minenräumdienst musste also einen Roboter einsetzen, um den Sprengkörper da heraus zu holen und in eine Konstruktion aus Sandsäcken zu befördern. Dort wurde die Granate dann kontrolliert zur Explosion gebracht, sagte Willem Migom am Montag in der VRT.

Zwei Handgranatenexplosionen in zwei aufeinanderfolgenden Nächten. Noch dazu in derselben Gegend im Norden von Antwerpen. Die beiden Straßen liegen nur einen Steinwurf voneinander entfernt.

Das Viertel ist offensichtlich im Visier der Täter. Am 6. März habe bereits ein Fahrzeug in der Biekorfstraat gebrannt, also in eben der Straße, in der Montagnacht eine Handgranate explodiert ist.

Drogenkrieg

All diese Vorfälle hängen wohl zusammen. Man geht davon aus, dass in Antwerpen gerade ein Drogenkrieg wütet. Der Hafen gilt als Einfallstor für Heroin, aber vor allem Kokain. Tonnenweise kommt das weiße Pulver über Antwerpen nach Europa. Die Behörden tun ihr Möglichstes. Immer wieder kann der Zoll große Drogenlieferungen abfangen. Dem Problem ist aber irgendwie nicht beizukommen.

Und jetzt scheinen sich eben die Drogenschmuggler zu bekriegen. Die genauen Hintergründe bleiben im Dunkeln. Es herrscht die szeneübliche „Omerta“, das Schweigegebot.

Dieser Drogenkrieg dauert schon eine ganze Weile an. Es wurden schon über 60 mehr oder weniger spektakuläre Vorfälle gezählt, von Explosionen über Brandstiftungen bis hin zu beschossenen Fassaden. Doch ist es die Häufung der Vorfälle, die den Behörden Sorgen macht. Zwei Handgranaten-Explosionen in den letzten beiden Nächten, das scheint dafür zu sprechen, dass die Intensität eher noch zunimmt.

Die Bewohner jedenfalls leben inzwischen in Angst. „Wie soll das noch enden?“, fragte sich eine junge Frau in der VRT. Sie wohne hier mit einem vierjährigen Kind und sie habe Angst, dass sowas wieder passieren könnte. „Ich stamme aus Syrien. Ich bin eigentlich hierhin gekommen, um in Sicherheit zu sein“, sagte ein Mann. Das jetzt fühle sich aber nicht mehr gut an. Er stelle sich die Frage, ob er nicht wegziehen sollte, in eine andere Stadt.

Roger Pint

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10 Kommentare
  1. Alexander Hezel

    Warum hört man nichts von Herrn „goed bestuur“ Bart De Wever, Bürgermeister von Antwerpen? Sonst ist er doch auch nicht zimperlich, andere Gemeinden (u.a. Molenbeek) durch den Dreck zu ziehen, wenn sie von Gewalt heimgesucht werden… Würde man ihn nicht schon längst wettern und röhren hören, wenn diese Explosionen in Brüssel oder anderswo stattgefunden hätten? Schon 7 Jahre Bürgermeister und das Problem der Drogenmafia noch immer nicht in den Griff bekommen…

  2. ralf zilles

    Herr Goed Bestuur meinte heute morgen auf Radio Een, er überließe dies lieber der Justiz.

  3. Edgar Fink

    Na ja, ob Herr Hezel hier die Richtlinien in Sachen Kommentare (Hetze oder Beleidigung anderer) beachtet, bezweifle ich. Aber Hauptsache, er röhrt schon mal wieder.

  4. Alexander Hezel

    Scheinbar beachte ich die Regeln, sonst wäre mein Kommentar erst gar nicht veröffentlicht worden…

    Wenn De Wever immer wieder „austeilt“ mit seinen populistischen Parolen, dann muss er auch „einstecken“ können.

  5. Carl Schumacher

    Wenn Herr Hezel richtige Informationskanäle lesen/hören würde hätte er gewust dass De Wever schon reagiert hat.

  6. Alexander Hezel

    Politisch „reagieren“ heiß nicht, das Problem in den Griff zu bekommen…

    Warum wird die Angelegenheit hier eigentlich immer wieder auf meine Person bezogen? Haben Sie alle keine Argumente zum eigentlichen Thema? Fällt ihnen wirklich nichts Besseres ein?

  7. Carl Schumacher

    Sehr geehrter Herr Hezel !
    Wenn Ihnen hier widersprochen wird, so liegt der Grund wohl darin dass Sie entweder nicht informiert sind oder Hetze betreiben.
    Wenn man sich über belgische Politik oder über flämische Bürgermeister äussern will sollte man zumindest regelmässig flämische Medien konsumieren.
    Hätten Sie das getan wüssten Sie dass gerade in Antwerpen der Krieg gegen die Drogen (War on Drugs) sehr intensiv vom Bürgermeister in Zusammenarbeit mit den zuständigen Federalen Einrichtungen wie Polizei, Steuer und Justiz geführt wird. Und – so paradox es klingen mag – gerade diese Granatanschläge zeigen das die getroffenen Massnahmen Erfolg haben. Es findet zwischen Drogenhändlern ein Kampf um frei gewordene Geschäftsfelder statt.
    Auch wird die Statistik wohl zeigen dass die Kriminalität in Antwerpen rückläufig ist. Ihr Angriff auf De Wever ist also Hetze oder ein Zeichen von mangelnder Information.

  8. Maria van Straelen

    Herr Hezel, meine neue Strategie ist, die NVA-Fans ins Leere laufen zu lassen. Sie verteidigen ihr Idol immer mit einer Hetze auf Andersdenkende, DAS ist Hetze, nicht Argumente gegen seinen Politikstil. Man wirft Ihnen vor, nicht genug flämische Nachrichten zu lesen, aber diese Herren (es sind ja Gott sei Dank nur ein paar) haben das Programm der NVA nicht gelesen. Sie verteidigen jemand, der Belgien abschaffen will und einen Konföderalismus zu ZWEIT (Wallonie und Flandern inkl. (!) Brussel) schaffen will, also der Totengräber der DG. NICHT regieren, ist für diese Herren viel schlimmer als Gegenargumente. Es zeigt sich auch, dass von demokratischer Vielfalt nicht viel gehalten wird.

  9. Alexander Hezel

    Herr Schumacher, ich bedaure sehr, dass Sie meinen Kommentar einfach als „Hetze“ abtun, weil er nicht ihrer Sichtweise entspricht.

    Sie können sich die Statistiken so schön reden wie Sie wollen, dennoch bleibt Antwerpen die „Kokain-Hauptstadt Europas“ – fast die Hälfte des gesamten Kokains, das in Europa konsumiert wird, gelangt über den Hafen von Antwerpen nach hier. Das kann wohl kaum als „Erfolg“ bezeichnet werden…

  10. Carl Schumacher

    Herr Hezel !
    Falls Sie es nicht wissen sollten : die Kontrolle der eingeführten Güter im Antwerpener Hafen – immerhin der zweitgrösste Europas – unterliegt dem Zoll und meinetwegen der Drogenfahndung, aber ganz sicher nicht dem Bürgermeister.
    Der Bürgermeister von Antwerpen ist ebensowenig für die Drogenkriminalität verantwortlich wie der Bürgermeister von Büllingen für die Einbrüche.
    Was diese Personen, im Rahmen ihrer Möglichkeiten, tun konnten haben sie wohl getan; der Bürgermeister von Antwerpen ist sogar noch weiter gegangen, indem er nationale Instanzen eingeschaltet hat.
    Das Problem liegt wohl eher bei den Menschen die Haschisch rauchen oder „eine Linie ziehen“ als normal und „nicht so schlimm“ ansehen und gleich Mord und Rassismus schreien wenn ein Neubelgier sich einer Polizeikontrolle unterziehen muss.

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