Fährverbindung Ostende-Ramsgate kommt (vorläufig) nicht

In der Küstenstadt Ostende haben viele Menschen einen ganz besonderen Blick auf den Brexit. Das gilt auch für so manchen Seefahrt-Nostalgiker. Grund ist eine längst nicht mehr existierende Fährverbindung, die durch den Brexit wieder ins Leben gerufen werden sollte. Doch das Projekt droht zu scheitern.

Blick auf den Hafen von Ostende

Blick auf den Hafen von Ostende (Archivbild: Olivier Hoslet/Belga)

Über den Brexit gibt es ja viele Horrorszenarien. Eines dieser Szenarien ist die Vorstellung, dass Briten sterben müssen, weil Container mit Medikamenten irgendwo in Calais oder Dover blockiert sind. Es wäre ein Alptraum für die Brexitbefürworter, wenn dann Zollverfahren auf beiden Seiten für Engpässe sorgen könnten.

Der britische Verkehrsminister Chris Grayling hatte deshalb sogar 108 Millionen Pfund (123,4 Millionen Euro) für die Unterstützung alternativer Fährverbindungen bereitgestellt. Eines der Projekte war Ramsgate-Ostende von Seaborne Freight. Dem Unternehmen waren 15,7 Millionen Euro in Aussicht gestellt worden. Seaborne ist zu 80 Prozent im Besitz des irischen Unternehmens Arklow Shipping und zu 20 Prozent im Besitz eines privaten Kapitalgebers.

Wo liegt das Problem?

Die Unterstützung der britischen Regierung war an zwei Bedingungen geknüpft: einen harten Brexit und den Beweis, dass die neue Linie bis zum 29. März 2019 betriebsbereit sein könnte. Dazu hätte aber der Hafenkanal in Ramsgate ausgebaggert werden müssen. In Ostende musste in die Infrastruktur investiert werden, außerdem musste ein Zaun gegen Transitmigranten errichtet werden.

Im August war der damalige Bürgermeister von Ostende Johan Vande Lanotte noch sehr zuversichtlich, dass das alles gelöst werden könnte. Doch das ist nicht der Fall.

Zwar gab es in Ostende einen Vertrag, der zur Unterzeichnung bereit lag. Doch am Freitag ist die Stadtverwaltung von Ostende von der Rederei informiert worden, dass Seaborne Freight das Projekt nicht durchführen möchte – oder besser gesagt nicht durchführen kann. Die britische Regierung hat den Vertrag mit der Reederei vom Tisch gefegt.

Große Vorbehalte gab es schon bei Ankündigung des Projekts. Das Unternehmen hatte nicht viel Erfahrung im Fährverkehr über den Kanal. In der britischen Presse wurde Seaborne Freight monatelang als Rederei ohne Schiffe verspottet.

Zwei Schwachstellen

In Ramsgate hat ein Aktivist – der selber gegen die Wiederaufnahme ist – eine Liste der Schiffe von Seaborne veröffentlicht. Offenbar alles Massengutfrachter. Das sind Schiffe, die zum Transport von losen Massengütern verwendet werden, wie Erz, Kohle, Zement oder Getreide. Also keine Schiffe, die Container mit Medikamenten transportieren können.

Es soll aber noch ein anderes Todesurteil für das Projekt gegeben haben, sagt ein Befürworter des Projekts, Danny Drooghenbroodt. „Ramsgate ist ein kleiner Hafen, in dem einheimische Immobilienbesitzer einen prestigeträchtigen Yachthafen anlegen wollen. Ein Yachthafenprojekt und eine Fährlinie passen in Ramsgate dann nicht zusammen.“

Die letzte Fährverbindung der Linie Ostende-Ramsgate war die PKW-Fährverbindung der TransEuropa Ferries. Sie wurde im April 2013 eingestellt.

mz/km

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