Netzgebühr: Solaranlagen-Besitzer müssen zahlen – aber nicht alle

Seit einigen Jahren wird in der Wallonie über eine sogenannte Netzgebühr diskutiert. Sprich: Besitzer von Photovoltaikanlagen, die ihren überflüssigen Strom in das Netz einspeisen, sollen dafür bezahlen. Das Dossier hat am Mittwoch eine überraschende Wendung genommen.

Solarenergie (Illustrationsbild: Pixabay)

Illustrationsbild: Pixabay

Tarif „Prosumer“ – zusammengesetzt aus den englischen Wörtern für Produzent und Konsument. Das ist der Dorn im Auge vieler Photovoltaikanlagen-Besitzer. Seit 2017 diskutiert die Wallonie über die Einführung dieses Tarifs. Dahinter versteckt sich nichts anderes als eine Gebühr für die Nutzung des Stromnetzes.

Dass sich auch private Stromproduzenten an den Unterhaltskosten für das Netz beteiligen, findet die wallonische Regulierungsbehörde für Energie (CWAPE) nur fair. Wer von dem Netz profitiert, weil er seinen überschüssigen Strom verkauft, soll auch die Kosten mittragen, so die Überlegung. Zumal die Besitzer von Anlagen ja auch Strom aus dem Netz bekommen, wenn ihre Anlage gerade mal nicht genug produziert. Die Gebühr würde jeden Haushalt durchschnittlich geschätzt 400 Euro pro Jahr kosten. Ab 2020 wollen die Netzbetreiber Ores und Resa die ersten Rechnungen verschicken.

Für Besitzer von Photovoltaikanlagen ist das eine Frechheit. Sie fühlen sich betrogen, weil die Spielregeln mitten in der Partie geändert werden. Das hat wohl jetzt auch der wallonische Energieminister Jean-Luc Crucke (MR) verstanden. Wenn es nach Crucke geht, zahlen nur Besitzer von Anlagen, die nach dem 1. Juli 2019 zugelassen werden. Dann kann niemand sagen, er hätte vor der Investition von den Bedingungen nichts gewusst.

Das ist für den Minister eine Frage von Respekt, die gerade in Zeiten von zunehmender Unzufriedenheit mit der Politik wichtig ist. Wenn man die Gesetze ändere, solle man das nicht für die Vergangenheit tun, sondern nur für die Zukunft, so Crucke am Mittwochmorgen in der RTBF.

Crucke will deshalb am Donnerstag seinen Kollegen einen entsprechenden Dekretvorschlag unterbreiten. Damit würden mehr als 140.000 Haushalte in der Wallonie, die ihre Anlagen bereits auf dem Dach haben, von dem „Prosumer“-Tarif ausgenommen. Die Verbraucher würde das sicherlich freuen, die Regulierungsbehörde und die Netzbetreiber sicherlich nicht. Das letzte Wort in dieser Saga ist aber ebenso sicherlich noch nicht gesprochen.

Anne Kelleter

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15 Kommentare
  1. Olaf Keppens

    Wenn man erneuerbare Energie will, dann darf man im nachhinein die Leute nicht bestrafen. Erst fördern und dann zahlen lassen: geht gar nicht. Daher gute Initiative

  2. Joseph Lahaye

    Moechte mich dem Kommentar von Herr Keppens anschliessen

  3. Guido Scholzen

    Der Irrtum in dieser ganzen Sache beruht in der Annahme, dass Fotovoltaik eine grundlegende Stütze einer Stromversorgung fürs öffentliche Netz sein könne, und dies ist nicht so.
    Und das aus rein technischen Gründen: Fotovoltaik ist nicht grundlastfähig, und gefährdet sogar, weil wetterabhängig und damit reiner Zufall, die Stabilität des Stromnetzes durch unvorhersehbare Schwankungen. Je mehr Fotovoltaik angeschlossen sind, desto mehr Schwankungen im Stromnetz.
    Schon 2013 wurden die Bedingungen der grünen Zertifikate durch die wallonische Region „korrigiert“ und nun sollen auch noch Netzgebühren kommen. Bevor das Ganze geschah, hatte ich schon auf diese Missstände hingewiesen in einem GE-Leserbrief vom Dezember 2012.
    Fotovoltaik? Ich kann davon nur abraten. Seit froh, dass ihr nicht Steuern auf den erzeugten nutzlosen Strom bezahlen musst.

  4. Hans van Aken

    Die spinnen, die Wallonen! Haben nie Strom genug und das
    nicht nur wegen der ewig maroden Atomkraftwerke, müssen
    sogar Strom importieren, und jetzt wollen sie auch noch
    die erneuerbaren Energien verteuern und damit vom Markt
    drängen. Aber nachts die Autobahnen durchgehend beleuchten!

  5. Jean-Pierre DRESCHER

    Schließe mich den Kommentaren an. Solar und Wind ist nicht grundlastfähig sondern auf Pumpspeicher angewiesen, damit die unregelmäßig gesammelte Strommenge zum Zeitpunkt des tatsächlichen Bedarfs verteilt werden kann.

    Enfin kann die Netzfrequenz nur stabil bleiben, wenn ein gewisser Prozentsatz an Grundlastkraftwerken die Frequenz trimmen kann. Moderne Kohlekraftwerke mit der neusten Umwelttechnologie im niederländischen Eemshavn und in Deutschland sind für guten Strom zu halbwegs fairen Preisen in ganz Mitteleuropa unverzichtbar.

  6. charly sironval

    Es wird wieder einmal mehr bestätigt das der kleine Arbeiter von den Überbezahlten Politiker rücksichtslos über den Tisch gezogen wird.Große Sprüche machen,dann kommen die Rückzieher .Es ist zum kotzen wie diese Abzocker mit dem Bürger umgehen

  7. rudi nikklas

    Scholzen/Drescher (Thema verfehlt- setzen !)
    beste Herren, Ihre Antipathi gegen neue Energiequellen haben Sie in den vergangenen Jahren regelmäßig und bei allen Gelegenheiten zum Ausdruck gebracht.
    NUR: darum geht es heute an dieser Stelle überhaupt nicht, sondern um das Thema, wie weit ich Abmachungen/ Verträge mit öffentlichen Anstalten, Regierungen, Institutionen noch trauen darf.
    Beispiel Fotovoltaik: ein bestimmter Personenkreis hat in seinen ursprünglichen FV-Unterlagen eine Laufzeit von 15 Jahren bestätigt, von Netzgebühr ist nirgendwo zu lesen. JETZT soll die Laufzeit um 5 Jahre verkürzt werden und eine Netzgebühr erhoben werden. DAS sind Vertragsbrüche, man kann auch von kriminellen Machenschaften seitens der entsprechenden Politiker mit ihren Lobbyisten sprechen.
    . . wenn ich mir ein Auto kaufe, will ich auch nicht nach 2 Jahren das Autohaus vor der Haustür stehen haben: ich habe damals falsch kalkuliert und brauche jetzt nochmal 3000 €.

    DAS geht nicht.

  8. Norbert Schleck

    @Drescher: „Moderne Kohlekraftwerke mit der neusten Umwelttechnologie im niederländischen Eemshavn“

    Dazu die Süddeutsche Zeitung:

    „RWE-Kraftwerk größter Luftverschmutzer der Niederlande
    Das umstrittene RWE-Kohlekraftwerk an der niederländischen Seite der Emsmündung ist der größte Luftverschmutzer des Nachbarlandes. Das hat die niederländische Emmissionsbehörde [sic!] auf Anfrage des Rundfunksenders NOS mitgeteilt. Demnach hat das Kraftwerk in Eemshaven den größten Ausstoß an Kohlenstoffdioxid in den Niederlanden, gefolgt von einem weiteren Kohlekraftwerk bei Rotterdam und einem Stahlwerk.“

    Also wenn die niederländische Emissionsbehörde das sagt, muss es ja wohl stimmen…

    Auch das steht da: „Voraussichtlich muss es 2030 geschlossen werden. Ab dann gilt in den Niederlanden ein Verbot zur Energiegewinnung aus Steinkohle.“

    Die Niederlande sind in der Tat dabei, alle Kohlekraftwerke zu schließen, die Werke im Rotterdamer Hafen schon in den nächsten Jahren. Mein Sohn arbeitet bei einer belgischen Zulieferfirma und hat das von seinem letzten Besuch dort aus erster Hand.

    Also, Herr Drescher, wozu gibt es Google? Erst recherchieren, dann redigieren.

  9. Jean-Pierre DRESCHER

    Holland in Not – Armes Deutschland – Belgien mitgehangen mit gefangen. Schmutziger Strom als Ersatz aus Polen mit zu 100 Prozent ungefilterter Braunkohle und Französischer Strom, der vor Freude gelb strahlt, sollen das unsere Alternativen sein oder lieber doch gleich der Superblackout in ganz Mitteleuropa wenn geschätzt 50 GW Kapazität niedergerissen sind?

    Ohne wirklich einen ernsthaften Ausbau der erneuerbaren Energien einschließlich gesetzlich notwendiger Dekarbonisierung des LKW-Verkehrs werden wir an der riesigen Bedarfsunterdeckung zugrunde gehen, entweder finanziell, durch noch viel mehr osteuropäischen LKW-Ruß weil der Bahnstrom unbezahlbar sein wird oder durch „Der Letzte macht das Licht aus“.

    Das werden angenehme Winternächte in Ostbelgien sein und sicher ein Fest für Gesindel jeder Art so ganz ohne Straßenbeleuchtung, ohne Heizung, Trinkwasser, geschlossene Lebensmittelläden und leere Tankstellen.

  10. Guido Scholzen

    @RUDI NIKKLAS
    Ich habe nix gegen neue Energiequellen, wie Sie das bezeichnen, ich habe was gegen eine verlogenen subventionierte Energiewende, die aus Sonne+Wind-Strom bestehen soll, denn Fotovoltaik und WKAs sind nicht grundlastfähig. nutzen Sie ihre Fotovoltaik privat, aber im Netz hat der Sonnenstrom nix verloren, denn der ist unzuverlässig und schädigt die Netzstabilität.
    @Schleck
    CO2 ist kein Giftstoff. Sie atmen permanent CO2 aus, es verteilt sich in der Luft, und es wenig davon atmen Sie ja auch wieder ein. Sterben Sie davon?

  11. Alexander Kerres

    Ich zitiere zwar nicht gerne aus der „Welt“, aber das hier fasst es ganz gut zusammen:
    Kohlenstoffdioxid (CO2) wird als „Klimagift“ bezeichnet, weil es im übertragenen Sinne Gift für das Klima ist: Es absorbiert die Wärmeabstrahlung von der Erde und heizt so die Atmosphäre auf. Für den Menschen ist CO2 in geringer Konzentration nicht giftig, es behindert aber die Sauerstoffaufnahme. Eine erhöhte Konzentration von CO2 in der Umgebungsluft kann bei Menschen zu Kopfschmerzen führen und letztlich Bewusstlosigkeit auslösen. Eine Konzentration von acht Prozent oder mehr kann nach 30 bis 60 Minuten zum Tode führen.“

  12. Norbert Schleck

    „@Schleck
    CO2 ist kein Giftstoff. Sie atmen permanent CO2 aus, es verteilt sich in der Luft, und es wenig davon atmen Sie ja auch wieder ein. Sterben Sie davon?“

    Herr Scholzen, ob CO2 giftig sei oder nicht, darum ging es hier nicht, sondern darum, dass Herr Drescher eine unwahre Behauptung in Bezug auf das niederländische Kohlekraftwerk Eemshaven aufgestellt hat.

    Aber zu Ihrer Information, CO2 kann durchaus ein Gift sein, es kommt auf die Dosierung an:
    „Für den Menschen ist CO2 in geringer Konzentration nicht giftig, es behindert aber die Sauerstoffaufnahme. Eine erhöhte Konzentration von CO2 in der Umgebungsluft kann bei Menschen zu Kopfschmerzen führen und letztlich Bewusstlosigkeit auslösen. Eine Konzentration von acht Prozent oder mehr kann nach 30 bis 60 Minuten zum Tode führen.
    Da CO2 schwerer als Luft ist und sich in Bodensenken sammelt, gab es Erstickungs-Unfälle in landwirtschaftlichen Silos und Mechaniker-Gruben in Autowerkstätten.“

    Auch für Sie gilt also: erst recherchieren, dann redigieren.

  13. Guido Scholzen

    eine Konzentration von 0,04% Volumenanteil von CO2 in der Luft ist vollkommen ungefährlich (darum geht’s!) und hat auf die Temperaturen der Erdoberfläche keinen großen Einfluss.
    Im 19.Jahrhundert gab es einen rapiden Temperaturanstieg (wie zu Beginn des Mittealters). Und menschliche Aktivitäten waren geringer als heutzutage.
    Die Menschheit hat in den letzten 20 Jahren mehr CO2 in die Atmosphäre geblasen als im gesamten 19.Jahrhundert. Trotzdem gab es keine merklichen t°-Anstiege. der Weltklimarat IPCC musste eingestehen, dass es 1998-2013 gar eine Stagnation gab. dann kam eine (kleine) Erwärmung, das wärmste gemessene Jahr war 2016, die darauf folgenden Jahre stagnierten wieder, die T° ging leicht runter. Datenquelle: WMO.
    Der Treibhaus-Hypothese nach hat CO2 aber einen DIREKTEN messbaren Einfluss auf die Temperaturen durch die ‚atmosphärische Gegenstrahlung‘. Diese Gegenstrahlung ist ein Märchen (widerspricht dem 2.Hauptgesetz der Thermodynamik) und damit ist auch die Treibhaus-Hypothese ein Märchen. Es gibt keine Relation zwischen anthropogenem CO2 und Globaltemperaturen.
    Schluss mit Pseudo-Physik, Klimaschutz ist Quatsch.

  14. rudi nikklas

    Guido Scholzen20.August201915:19@RUDINIKKLAS

    trotzdem Thema KOMPLETT verfehlt !!
    nochmal zu Langsamlesen:

    NUR: darum geht es heute an dieser Stelle überhaupt nicht, sondern um das Thema, wie weit ich Abmachungen/ Verträge mit öffentlichen Anstalten, Regierungen, Institutionen noch trauen darf.
    Beispiel Fotovoltaik: ein bestimmter Personenkreis hat in seinen ursprünglichen FV-Unterlagen eine Laufzeit von 15 Jahren bestätigt, von Netzgebühr ist nirgendwo zu lesen. JETZT soll die Laufzeit um 5 Jahre verkürzt werden und eine Netzgebühr erhoben werden. DAS sind Vertragsbrüche, man kann auch von kriminellen Machenschaften seitens der entsprechenden Politiker mit ihren Lobbyisten sprechen.
    . .wenn ich mir ein Auto kaufe, will ich auch nicht nach 2 Jahren das Autohaus vor der Haustür stehen haben:ich habe damals falsch kalkuliert und brauche jetzt nochmal 3000 €.

    Hierum geht´s und um nichts anderes im o.a. Artikel !!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!
    ich werde mit Sicherheit KEINE Diskussion über Alternativenergien mit Ihnen starten.
    (nach dem Motto:voller Aschenbecher diskutiert mit trockenem Heuballen)
    wer jetzt was ist,entscheiden Sie bitte selbst …

  15. Guido Scholzen

    In dieser Hinsicht gebe ich Ihnen völlig recht, Herr Nikklas.
    Natürlich ist das ein Vertragsbruch. Und ich rate jedem, der eine Fotovotaik hat, sich vom Netz loszusagen, und diesen Sonnenstrom irgendwie privat zu nutzen. Bei der Energiewende zahlen alle drauf.
    Der Markt für Fotovoltaik-Module ist ohnehin überall eingebrochen, richtig so, weil von anfang an nirgendwo ein sinnvolle Kalkulation aufgestellt wurde. Dass die Energiewende irgendwann zusammenbricht, ist keine Frage des politischen Willens, sondern nur eine Frage de Zeit.
    Die von Ihnen genannten Vertragsbrüche sind nur der Anfang vom Ende.

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