Fall Khashoggi beeinflusst belgische Waffenlieferungen nach Saudi-Arabien

Der Fall des getöteten Journalisten Jamal Khashoggi wirkt sich möglicherweise auch auf Waffenhersteller in der Wallonie aus.

Produktionsstätte des Waffenherstellers FN Herstal (Bild: Michel Krakowski/Belga)

Produktionsstätte des wallonischen Waffenherstellers FN Herstal (Bild: Michel Krakowski/Belga)

Khashoggi war ein saudi-arabischer Regimekritiker, der für die US-Zeitung Washington Post arbeitete. Er wurde im saudi-arabischen Konsulat in Instanbul getötet, als er Papiere für seine geplante Hochzeit abholen wollte. Die genauen Todesumstände sind noch unklar. Möglicherweise haben führende Vertreter des saudischen Regimes die Ermordung angeordnet.

Sollte sich der Vorwurf bestätigen, wäre dies ein Grund, keine wallonischen Waffen mehr nach Saudi-Arabien zu liefern, sagte der wallonische Ministerpräsident Willy Borsus in der RTBF.

Saudi-Arabien gehört zu den wichtigsten Kunden für wallonische Waffenhersteller. Allerdings werde jedes einzelne Geschäft überprüft und sei auch einzeln genehmigt, so Borsus. Außenminister Didiers Reynders spricht sich dafür aus, einen möglichen Stopp der Waffenlieferungen mit den anderen EU-Staaten abzustimmen.

Auch andere EU-Staaten sehen weitere Waffenlieferungen nach Saudi-Arabien jetzt kritisch. Dazu zählen Frankreich und Deutschland. Der deutsche Außenminister Heiko Maas geht sogar noch einen Schritt weiter und sagte, solange unklar sei, was genau geschehen ist, gebe es keine Grundlage für Rüstungsexporte nach Saudi-Arabien.

Fall Khashoggi: Journalist soll nach Würgegriff gestorben sein

rtbf/spiegelonline/okr

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11 Kommentare
  1. MARCEL SCHOLZEN eimerscheid

    Wegen EINES Mannes so ein Tamtam. Pure Heuchlerei. Sonst sterben tausende bei Kriegen, Hungersnöten und anderen Katastrophen und es ist keine Schlagzeile wert.

  2. Dieter Leonard

    @M. Scholzen

    Wieviele systemkritische Journalisten müssen denn von Saudi-Arabien auf offensichtlich hinterhältige Art und Weise in Auslandskonsulaten ermordert werden, damit ein solcher „Tamtam“ gerechtfertigt ist, Herr Scholzen? 3, 5, 10, … ?
    Oder soll die internationale Staatengemeinschaft und die Medien, dieses Verbrechen einfach ignorieren?

  3. Alexander Hezel

    Herr Scholzen, sollte es etwa keine Schlagzeile wert sein, dass ein Journalist der Washington Post in einem Konsulat ermordet wurde, mit einer Knochensäge zersägt wurde, und dabei über ein Dutzend Personen involviert waren, die allem Anschein nach eigens dafür aus Saudi-Arabien eingeflogen wurden und am nächsten Tag wieder dorthin verschwanden?

    Wie schamlos müssen Sie denn sein, wenn sie den Tod einer einzelnen Person gegen den Tod vieler Tausender abwägen? Alles Pustekuchen? Haben Sie denn überhaupt noch einen moralischen Kompass, wenn sie einen offensichtlich staatlich angeordneten Mord an einem Regimekritiker einfach so unter den Teppich kehren und verharmlosen?

  4. Mario Meis

    Richtig soviel Tamtam, dabei gibt es sicher auch bei uns „Leichen im Keller“; aber das ist nicht wichtig, hauptsache man erhebt sich über andere.
    Bisher wissen wir kaum etwas, aber die Herren Leonard und Hezel wissen da wohl mehr!
    Außerdem bekommen die Ihre Waffen, China und Russland warten bestimmt schon drauf! Wir haben das Nachsehen!
    Da sage ich nur Augen auf bei der nächsten Wahl und das richtige Kreuzchen
    machen

    Warten wir erstmal die nächsten Tagen ab und hoffen wir, dass bei uns in Europa kein Anschlag passiert, denn der nächste kommt sowieso…

  5. MARCEL SCHOLZEN eimerscheid

    Den Herren Dieter Leonard und Alexander Hezel bescheinige ich ein Übermaß an politischer Korrektheit. Sie stoßen ins gleiche Horn wie die globale Empörungsmachinerie.

    Selbstverständlich ist der Tod des saudischen Journalisten durch nichts zu entschuldigen und muss aufgeklärt werden.

    Nur mich regt es auf, dass aus dieser Geschichte so ein medialer Wirbel gemacht wird. Anscheinend will man ablenken von moralischen Versagen des Westens im Jemen, wo tausende starben und nichts unternommen wurde. Fleißig wurden weiterhin Geschäfte mit den Saudis getätigt.

    Salman, der starke Mann in Riad, wird dann eben seine Waffen anderswo kaufen als in Belgien oder Deutschland. Die Saudis haben genug Geld und sind deswegen überall gern gesehene Kunden. Und ob sich die saudische Bevölkerung für diesen Fall interessiert, steht auf einem anderen Blatt geschrieben.

  6. Dieter Leonard

    @M. Scholzen
    Sie sollten nicht erneut die Tatsachen verdrehen Herr Scholzen.
    Empörend ist allenfalls ihre systematische Infragestellung von Medienarbeit. Dass es sich bei dem Ermordeten um einen systemkritischen Journalisten handelt, passt zu ihrer relativierenden Sichtweise.
    Die Berichterstattung soll „von dem moralischen Versagen des Westens im Jemen“ ablenken? Das Gegenteil ist der Fall. Im Rahmen der Medienaufarbeitung dieses Falls werden immer wieder die Waffenlieferungen an ein kriegsführendes Land kritisiert.
    Und weil die saudische Bevölkerung sich möglicherweise nicht für den Fall interessiert, sollte auch der Westen nur zuschauen?
    Man kann ihnen viel bescheinigen Herr Herr Scholzen, Augenmaß und Objektivität mit Sicherheit nicht.

  7. Alexander Hezel

    Herr Scholzen, sind sie etwa das Zünglein an der Waage, das bestimmt, wieviel „Medienaufmerksamkeit“ denn nun angemessen ist?

    Zum moralischen Versagen des Westens im Jemen gebe ich ihnen Recht.

    Sollte denn der Westen auch noch bei den Waffenlieferungen moralisch versagen, nur weil andere Staaten Schlange stehen, um Saudi-Arabien mit Waffen zu beliefern? Der Westen hat eine Gelegenheit, seine so oft angepriesenen „Werte“ zu verteidigen und moralisches Rückgrat zu zeigen, indem er Waffenlieferungen an Saudi-Arabien stoppt – wo Menschen noch für falsche Worte mit dem Schwert der Kopf abgehackt wird. So kann der „Westen“ tatsächlichen Einfluss ausüben, was man nur begrüßen und unterstützen kann.

  8. MARCEL SCHOLZEN eimerscheid

    Angenommen Kagoshoggi wäre ein palästinensischer Blogger, der im Internet anti-israelische Propaganda betrieben hätte und deswegen vom Mossad getötet wurde. Dann wäre die Reaktion anders. Die Berichterstattung wäre mehr zurückhaltend aus Rücksicht auf den Staat Israel (der darf ja alles). Und die Reaktionen der westlichen Regierungen auch. Es hätte höchstens ein Aufruf zur Mäßigung und Zurückhaltung gegeben. Niemals irgendwelche Sanktionen. Wie gesagt, ein fiktives Beispiel.

    Der Fall Kashoggi zeigt, das die Berichterstattung immer aus einem bestimmten Blickwinkel erfolgt und das dahinter Absichten stecken. Wäre mal interessant zu erfahren, wer dahinter steckt und welche politischen Absichten verfolgt werden.

    Auch Belgien sollte den Mund nicht zu weit aufmachen. Lumumba wurde auch mit Wissen des Königs und der damaligen belgischen Regierung ermordet, weil er den belgischen Interessen im Wege war.

  9. Alexander Hezel

    Herr Scholzen, die Ablenkungstaktik des „Whataboutism“ können Sie sich sparen.
    Was hat das alles mit „angenommen“ und „Lumumba“ zu tun? Wenn man keine Argumente mehr hat springt man einfach zu einem anderen Thema um und betreibt rhetorische Vernebelung?
    Dass sie der journalistischen Berichterstattung prinzipiell „politische Absichten“ unterstellen, zeigt, dass sie keine Ahnung haben, was Journalismus überhaupt bedeutet. Das exakte Gegenteil.

  10. Marcel Scholzen Eimerscheid

    Herr Hezel. Haben Sie denn Ahnung ?

  11. Alexander Hezel

    Wie gesagt, „Whataoutism“ wenn die Argumente ausgehen.

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