Krisenstimmung: Zwei Fälle von Schweinepest in der Provinz Luxemburg

In der Provinz Luxemburg sind zwei Fälle von afrikanischer Schweinepest festgestellt worden. Die Krankheit sei bei zwei Wildschweinen nachgewiesen worden. Die Afrikanische Schweinepest ist ungefährlich für den Menschen, aber bei Schweinen hochansteckend.

Wildschweine

Illustrationsbild: Pixabay

Erst war es nur ein unheimlicher Verdacht. Am Mittwoch waren auf dem Gebiet der Gemeinde Etalle, zwischen Arlon und Virton, zwei tote Wildschweine aufgefunden worden. Da habe schon die Vermutung im Raum gestanden, dass die Tiere an einer Krankheit verendet sein könnten, sagte der wallonische Landwirtschaftsminister René Collin in der RTBF. Am Donnerstagnachmittag kam die Bestätigung: Die Tiere waren mit der Afrikanischen Schweinepest infiziert.

Spätestens da schrillten alle Alarmglocken. Für den Menschen ist die Afrikanische Schweinepest zwar nicht gefährlich. Für die Züchter ist die Krankheit aber im wahrsten Sinne des Wortes eine Landplage. Die Tierseuche ist hoch ansteckend, kann sich rasend schnell verbreiten. „Wir müssen also mit allen Mitteln verhindern, dass sich die Krankheit von den Wildschweinen auf Tiere in den Betrieben überträgt“, sagte Collin. Erste Dringlichkeitsmaßnahmen seien schon ergriffen worden, wobei für diesen Bereich die Afsca, die Föderale Agentur für Nahrungsmittelsicherheit zuständig sei.

Die Afsca ist umgehend aktiv geworden. Die im Moment einzige Möglichkeit der Prävention, das seien aber neben einem möglichen Transportverbot leider nur Maßnahmen zur Desinfizierung, sagte Sprecher Philippe Houdart in der VRT. Das Problem sei nämlich, dass es keinerlei Impfung gegen die Afrikanische Schweinepest gebe. „Greift die Krankheit auf Schweinezuchtbetriebe über, dann haben wir ein ausgewachsenes Problem.“

Informationskampagne

Und auch der Landwirtschaftsverband Boerenbond ruft die Schweinezüchter auf, alles zu tun, um eine Kontamination zu verhindern. Angefangen damit, dass man Stiefel desinfiziert. Generell sollten alle Leute, die mit dem Hof in Kontakt kommen, Vorsichtsmaßnahmen ergreifen, sagt Guy Vandepoel vom Boerenbond.

Der Boerenbond hat aber auch eine Informationskampagne gestartet, die sich an das breite Publikum richtet. Die Wildschweinpopulation in Belgien sei besonders groß, sagt Vandepoel. Deswegen müsse auch die Bevölkerung ihren Beitrag dazu leisten, dass sich die Krankheit nicht weiterverbreitet. Absolut zu vermeiden sei etwa, Essensreste in der Natur zurückzulassen, denn auch darüber könne sich die Seuche von einem infizierten Tier auf ein anderes übertragen:

Im Fokus sind jetzt aber auch die Jäger. Zunächst sind sie natürlich aufgerufen, alle Funde von toten Wildschweinen zu melden. Darüber hinaus müsse aber auch über ein Jagdverbot nachgedacht werden, sagt der wallonische Regionalminister René Collin. Man werde jetzt ein Gebiet definieren, in dem dann voraussichtlich die Jagd sogar vollends untersagt werden müsse. Man müsse vermeiden, dass sich die Krankheit ausbreitet. Heißt: Man muss dafür sorgen, dass infizierte Wildschweine den Bereich, in dem sie sich bislang befinden, nicht verlassen. Das könne auch bedeuten, dass man in letzter Konsequenz ein größeres Gebiet einzäunen müsse.

Klingt also alles ziemlich dramatisch, fast panisch. Doch dafür gibt es einen guten Grund. Eben, weil die Krankheit so ansteckend ist, reicht es, dass ein Betrieb kontaminiert ist, damit alle belgischen Schweine quasi auf dem „Index“ landen, sprich, dass Exportbeschränkungen erlassen werden. Wenn man weiß, dass in Belgien rund 6,5 Millionen Schweine gehalten werden, dann kann man sich die potentiellen wirtschaftlichen Auswirkungen ausmalen.

Doch ist genau das anscheinend de facto schon eingetreten. Wie die VRT berichtet, wollen etwa Deutschland und die Niederlande schon keine belgischen Schweine mehr abnehmen. Präventiv, aus Angst vor der Schweinepest.

Schutzzone: 67 Züchter unter Beobachtung – EU schickt Expertenteam

Vertreter der zuständigen Behörden und des Sektors sind am Freitagvormittag zu diversen Krisensitzungen zusammengekommen. Eine ganze Branche hält den Atem an. Beim letzten Auftreten der Schweinepest in Belgien mussten mehr als 30.000 Tiere gekeult werden.

Landwirtschaftsminister Denis Ducarme hat erste Maßnahmen angekündigt. In Absprache mit der wallonischen Region und der föderalen Nahrungsmittelagentur Afsca ist eine Schutzzone festgelegt worden. Die Schweinezüchter in dieser Schutzzone stehen unter besonderer Beobachtung. Betroffen sind 67 Betriebe. Außerdem wird die Jagd in dem Gebiet verboten und Wanderer müssen auf den Wegen bleiben.

Die Europäische Union will Belgien bei der Eindämmung der Schweinepest unterstützen. Am Wochenende soll ein EU-Tierarztteam in die betroffene Gegend geschickt werden. Am Montag wird die zuständige EU-Kommissarin Vytenis Andriukaitis mit den zuständigen Ministern zusammentreffen.

Gesundheitsministerin Maggie De Block (OpenVLD)  hat indessen darauf hingewiesen, dass für Menschen keine Gesundheitsgefahr besteht. De Block zufolge handelt es sich um ein Problem, das immer mal wieder auftreten könne. Sie versicherte, dass die Regierung die Lage im Griff habe. (rtbf/vrt/est/jp/rop)

Roger Pint

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