Todesengel in Namur?

Schrecklicher Verdacht gegen einen Krankenpfleger in Namur: Ein 43-jähriger Mann soll mindestens eine ältere Patientin getötet haben. Die Justiz prüft inzwischen aber insgesamt 21 Fälle von mutmaßlich verdächtigen Todesfällen. Der Verdächtige sitzt seit mehr als einem halben Jahr in U-Haft. Inzwischen wurde er in den psychiatrischen Trakt verlegt. Zeitungen sehen schon Parallelen zu Ivo Poppe, den man den "Diakon des Todes" nennt und der erst Anfang des Jahres zu 27 Jahren Haft verurteilt wurde.

Das Altenheim in Meux, in dem der verdächtige Krankenpfleger gearbeitet hat (Foto: Nicolas Maeterlinck, Belga)

September 2017: Eine 87-jährige Frau muss plötzlich ins Krankenhaus in Bouge bei Namur eingeliefert werden. Kurze Zeit später stirbt die alte Dame. Irgendwie muss ihr Tod in der Clinic Saint-Luc Fragen aufgeworfen haben – Jedenfalls wird die Leiche obduziert. Das Ergebnis scheint das erste ungute Gefühl zu bestätigen: Im Blut der Frau wird eine ungewöhnlich hohe Konzentration an Insulin festgestellt. Das muss nicht per se suspekt sein: Insulin reguliert den Blutzuckerspiegel im Körper. Diabetiker müssen sich Insulin spritzen, weil ihr Körper das Hormon nicht oder nicht in ausreichendem Maße produziert. Nur: Die Frau ist keine Diabetikerin. Das wirft natürlich Fragen auf, findet Vincent Macq, Prokurator des Königs von Namur.

Die Staatsanwaltschaft wird eingeschaltet, denn es steht ein unheimlicher Verdacht im Raum: Die Frau ist wohl keines natürlichen Todes gestorben. Schnell fällt der Verdacht auf den diensthabenden Krankenpfleger, gegen den dann auch wenig später Haftbefehl erlassen wird.

Der Mann arbeitete in einem Alten- und Pflegeheim in Meux, einer kleinen Ortschaft nördlich von Namur. Wie sich herausstellte, gab es da noch kurz zuvor einen ähnlichen Vorfall, der Patient hatte aber überlebt. Beschuldigt wird der 43-jährige Pfleger im Moment also des Mordes und des Mordversuchs. Seit September letzten Jahres sitzt er in U-Haft.

Nur: Der Mann war seit 20 Jahren in seinem Beruf tätig. 20 Jahre, in denen sich der Pfleger um Senioren gekümmert hat. Es sei also legitim, sich zumindest die Frage zu stellen, ob es da in der Vergangenheit nicht auch schon verdächtige Todesfälle gegeben hat, so Prokurator Vincent Macq in der RTBF. Auf der einen Seite müsse man da vorsichtig sein, auf der anderen Seite dürfe man aber auch nicht riskieren, dass man einen Fall übersieht.

Das ist allerdings schwierig, weil der Mann nicht nur in dem Alten- und Pflegeheim arbeitete, sondern auch noch in der Heimpflege tätig war, also die Menschen zuhause betreute… „Wir haben also einen Zeitraum von 20 Jahren zu untersuchen“, sagt Vincent Macq. Die meisten der Patienten, die in der Obhut des Mannes waren, sind wohl eines natürlichen Todes gestorben – aber wehrscheinlich eben nicht alle.

Mit der Aufarbeitung der Vergangenheit wurde längst begonnen. Im Moment gebe es 19 weitere Fälle, die zumindest nochmal untersucht werden.

Verdacht: Krankenpfleger aus Namur Serienmörder?

RoP

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