Kontrolle, Transparenz, Vertrauen: Wohin steuert die wallonische Landwirtschaft?

Seit Tagen ist der Fleisch-Skandal das beherrschende Thema, vor allem in der Wallonie. Nicht nur, weil der Veviba-Schlachtbetrieb in Bastogne liegt, sondern weil in der Provinz Luxemburg das Herz der wallonischen Landwirtschaft schlägt. Dort macht man sich nun durchaus berechtigte Sorgen, welche Folgen der Skandal haben wird. Und diskutiert, wie solche Vorkommnisse in Zukunft vermieden werden können.

Junglandwirte machen in Namur auf ihre Sache aufmerksam

Junglandwirte machen in Namur auf ihre Sache aufmerksam (Bild: Eric Lalmand/Belga)

Für Benoît Lutgen, Präsident der christdemokratischen CDH und Bürgermeister von Bastogne, ist die Zeit für einen Wandel gekommen. Er will, dass die Landwirte in Zukunft mehr Kontrolle haben über das, was in den Schlachtbetrieben mit ihrem Fleisch passiert.

„Die Lösung heißt: Kooperative. So können die Landwirte als Teilhaber mitentscheiden. Der Vorteil ist mehr Transparenz. Sowohl in puncto Hygiene, als auch was das Finanzielle angeht. Nicht nur für die Landwirte, sondern auch für die Verbraucher“, erklärt Lutgen.

Beispiel Fairebel

Die Idee ist nicht ganz neu. Genauso ist es im nämlich im Milchsektor gelaufen. „Damals haben alle Erwin Schöpges für einen Spinner gehalten. Heute tut das keiner mehr.“ Schöpges sei damals auf ihn zugekommen, erklärt Lutgen.

Die Milchbauern standen finanziell mit dem Rücken zur Wand. Lutgen habe ihnen ermöglicht, sich zu einer Kooperative zusammen zu schließen. Heute sei Fairebel ein Erfolg. Die Landwirte bestimmen über die Produktion und den Vertrieb ihrer Milch. Genau das will Lutgen auch für den Fleischsektor.

Der ist derzeit jedenfalls ziemlich besorgt. Am Mittwoch versammelten sich die Landwirte vor dem Wallonischen Parlament in Namur. Keine lautstarke Demo wie sonst, sondern nachdenkliche Töne. „Noch sind die Auswirkungen des Skandals nicht so groß, doch das Schlimmste steht uns noch bevor“, sagt Pierre André, Präsident des Verbandes der Junglandwirte.

Die Rentabilität sei in der Branche sowieso schon nicht gut. „Ein solcher Skandal bei einem Schlachtbetrieb, der 30 Prozent des Marktes beherrscht, das ist wirklich beunruhigend“, erklärt Pierre André.

Schärfere Kontrollen

Die Landwirte wollen, dass die Schlachtbetriebe von der Afsca stärker kontrolliert werden. Und zwar die Großen genauso wie die Kleinen. Denn mit den Kontrollen bei den Kleinen, da habe es die Afsca scheinbar einfacher als bei den Big Playern des Agrarbusiness, so Pierre André.

Der Schlachthof von Bastogne müsse aber erhalten bleiben, sagt Yvan Hayez, Generalsekretär des Wallonischen Landwirtschaftsverbandes: „Der Schlachthof ist nicht das Problem, sondern das Management“. Das müsse ausgetauscht werden, alleine um das Vertrauen der Kunden wieder zu erlangen. „Hier muss schnellstens eine Lösung gefunden werden. Die Landwirte brauchen die Schlachtbetriebe“, so Hayez.

Das sieht Benoît Lutgen auch so. Und am besten gleich dort, wo die Landwirte ihre Höfe haben. Ein Nahrungsmittelsektor der kurzen Wege. „Den Schlachthof in der Nähe der Landwirte abzuschaffen und dann die Tiere durch die Gegend zu transportieren, das wäre ein Fehler. Für die Tiere und die Umwelt“, so Lutgen.

Volker Krings

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