Veviba-Skandal: „System CDH“ oder „Omerta“?

Im Zuge des Veviba-Skandals werden viele Fragen aufgeworfen. Eine kommt von der wallonischen Ecolo-Abgeordneten Hélène Ryckmans: Wurden die Machenschaften der Verbist-Gruppe von der Politik bewusst nicht aufgedeckt? Sie spricht von einem System zwischen der Stadt Bastogne, dem wallonischen Landwirtschaftsministerium und der Verbist-Gruppe - einem System, aufrechterhalten durch die Seilschaften innerhalb der christdemokratischen CDH.

Landwirtschaftsminister René Collin in der Kammerkommission (Bild: Bruno Fahy/Belga)

Landwirtschaftsminister René Collin in der Kammerkommission (Bild: Bruno Fahy/Belga)

Starke Vorwürfe von der Ecolo-Abgeordneten Hélène Ryckmans. Seit 2004 sei die CDH zuständig für die Landwirtschaft in der Wallonie. Solche mafiösen Strukturen hätten ohne das Wegschauen oder die Unterstützung der CDH und der Wallonie gar nicht entstehen können, sagt Ryckmans.

Und wenn der wallonische Landwirtschaftsminister René Collin jetzt behauptet, er hätte von dem Betrug, auf den die Landwirte schon seit Jahren hingewiesen hätten, nichts gewusst, sei sie doch sehr erstaunt, so Ryckmans in der RTBF.

Die Antwort von Collin kam dann auch postwendend. Das sei Populismus der untersten Schublade, da werde ohne Sachkenntnis egal was behauptet. „Das ist intellektuelle Unehrlichkeit“, so der CDH-Politiker.

Doch wie kam die Ecolo-Abgeordnete Ryckmans darauf, so etwas zu behaupten? Es gibt da nämlich einen Brief vom Mai 2017, in dem CDH-Präsident Benoît Lutgen, seines Zeichens ebenfalls Bürgermeister von Bastogne, seinen Parteikollegen und Minister René Collin um 50.000 Euro bittet. Das Geld sei für eine Machbarkeitsstudie zur Einrichtung eines Exzellenzzentrums in Bastogne zum Thema Fleisch.

Pikantes Detail: Das Projekt entstand nach einem Gespräch zwischen Lutgen, Collin und … der Verbist-Gruppe. René Collin bezog dazu in der RTBF Stellung: „Der gesamte wallonische Fleischsektor hat ein Imageproblem. Da braucht man einen Ort, an dem das Thema Fleisch erklärt werden kann.“ Der Antrag aber wurde nicht weiterverfolgt, kein einziger Euro sei ausgegeben worden.

Außerdem sei der Schlachthof in Bastogne öffentliches Eigentum, Veviba dessen Konzessionär und immerhin ein Unternehmen, das für 30 Prozent der belgischen Fleischproduktion verantwortlich ist und 200 Mitarbeiter beschäftige. Da komme es zwangsläufig zu Kontakten. Thema beendet. Jedenfalls für René Collin.

Der wiederum sieht vielmehr ein Schweigekartell, eine „Omerta“, wie es passenderweise in Mafiakreisen heißt. Im Zentrum: die Afsca. Wenn die von dem Betrug gewusst habe, warum hat sie dann weder die Wallonische Region, noch die Interkommunale oder den Gemeinderat von Bastogne informiert?

Collin wirft der Afsca vor, dass sie im September 2016, nachdem die Gammelfleischcontainer im Kosovo aufgetaucht waren, zwar die Justiz, aber nicht den Aufsichtsminister davon in Kenntnis gesetzt habe. Normal sei das wohl nicht, so Collin. Die Afsca habe einfach ihre Arbeit nicht gemacht.

Jetzt gelte es, ganz von vorne anzufangen und wieder Vertrauen aufzubauen – bei den Landwirten und beim Verbraucher. Auch der Kontrolleur müsse kontrolliert werden.

Volker Krings

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