Der Riese ist enttarnt – und jetzt?

Fast stündlich gibt es neue Entwicklungen in Sachen Killerbande von Brabant. Die mögliche Identifizierung des sogenannten Riesen hat eine Lawine losgetreten. Doch dreißig Jahre lang endete noch jede Spur in einer Sackgasse. Was soll diesmal anders werden? Viele sind skeptisch, ob irgendwann einmal tatsächlich eines der dunkelsten Kapitel der jüngeren belgischen Geschichte geschlossen werden kann.

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Illustrationsbild: creativesignature/pixabay

Viele Zeugen wurden gehört, vielen Spuren wurde nachgegangen. Viel hat es nicht gebracht. Bis jetzt. Denn zum ersten Mal hat sich ein Betroffener selbst als Mitglied der Killerbande von Brabant offenbart: Christiaan B, ehemaliger Gendarm, inzwischen verstorben. Mittlerweile hat sich auch bereits die dritte Zeugin gemeldet, die behauptet, dass er der Riese ist.

Dass ein oder sogar mehrere Gendarmen in die Attentate verwickelt sein könnten, verwundert die ehemaligen Mitglieder der beiden parlamentarischen Untersuchungskomissionen überhaupt nicht. „Die Spur Gendarmerie war damals zwar in Betracht gezogen worden, konnte sich aber nicht durchsetzen“, sagt Claude Eerdeekens, Parlamentarier der ersten Kommission 1986.

„Denn die Attentate mit vielen Opfern und relativ wenig Beute gehörten nicht in die Sparte klassische Bandenkriminalität, sondern ähnelten militärischen oder paramilitärische Operationen mit entsprechenden Waffen. Und dazu waren nur Elitesoldaten oder Elitegendarmen in der Lage“, sagt Eeerdekens.

Der ehemalige Justizminister Tony Van Parys war in beiden Kommissionen dabei. Heute ist er vielleicht Zeuge, wie sich das Geheimnis um die Brabanter Killerbande lüftet. „Es ist das erste Mal, dass bestätigt wird, dass Gendarmen mit dabei waren. Jetzt muss man den Ermittlern signalisieren, dass sie weiter in diese Richtung arbeiten sollen. Jetzt oder nie“, so Van Parys.

„Dossier begraben“

Indizien gab es also mehr als genug. Doch warum hat sich nie etwas in diese Richtung getan?, fragen sich viele. Peter Callebaut ist Anwalt und vertritt Angehörige der Opfer. Seit über dreißig Jahren beschäftigt er sich mit der Killerbande von Brabant. Für ihn gab es einen entscheidenden Moment, der dazu geführt hat, dass die Attentate nie aufgeklärt, ihre Täter und Hintermänner nie gefunden wurden: als man das Dossier aus Kompetenzgründen von Dendermonde nach Charleroi übertrug. Das sei das Todesurteil für die Ermittlungen gewesen. „Dort wurde das Dossier begraben, und dort soll es auch begraben bleiben“, so Callebaut.

Patrick Dewael, Fraktionsführer der Open VLD im Föderalen Parlament, schlägt vor, das Dossier der Föderalen Staatsanwaltschaft zu übertragen. Dort seien die Experten für schwere Kriminalität. Der Meinung ist auch der Kriminologe Cyrill Fijnout. Mitte der 90er Jahre gab es eine solche überhierarchische Föderale Staatsanwaltschaft noch nicht und man konnte das Dossier lediglich an einen anderen Gerichtsbezirk übertragen, in diesem Fall Charleroi.

Und man sollte sich auch mal in den Nachbarländern umschauen: „In den Niederlanden, Großbritannien, Frankreich oder Deutschland gibt es genug Erfahrung mit solchen Dossiers“, so Fijnout. Und noch etwas könne man sich von anderen Ländern abschauen: Eine kohärente und sichere Kronzeugenregelung. Immer wieder wird es Menschen geben, die über sich oder andere aussagen möchten.

Es braucht also Namen. Wer dahinter steckt, das ist auch im Falle der Brabanter Killerbande die alles entscheidende Frage. Erst wenn man das wisse, löse sich das Rätsel. Doch Opferanwalt Peter Callebaut gibt sich nach 32 Jahren keinen Illusionen hin: „Niemals wird man jemanden finden, der zugeben wird, dass er der Kopf hinter dem Ganzen war. Man hat die Sache einfach vermasselt!“

Killerbande von Brabant: Weitere Namen und Erkenntnisse

Volker Krings

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