Islamische „Radikalisierung“ bei Vorschulkindern in Ronse

Eine Vorschule in Belgien macht derzeit von sich reden. Vier, fünf oder sechs Jahre sind die Kinder hier alt. An Radikalisierung denkt hier keiner, würde man meinen. Doch seit Montag ist das anders. Da wurde bekannt, dass Vorschulkinder in Ronse in den flämischen Ardennen wegen radikal-islamistischem Verhalten aufgefallen waren. Was hat es damit auf sich und wie reagiert das Umfeld?

Kindergarten

Illustrationsbild: Nicolas Lambert/Belga

Die Jungen wollen den Mädchen nicht mehr die Hand geben, zitieren auf dem Pausenhof Verse aus dem Koran, beschimpfen Mitschüler als „Ungläubige“ oder „Ferkel“, machen mit dem Finger ein Zeichen an dem Hals, als ob sie den Hals aufschlitzen wollten, und kommen am Freitag nicht zur Schule. Begründung: Freitag ist der Tag des Gebets. So etwas ist vorgefallen in besagter Schule in Ronse, Renaix auf Französisch, ein Städtchen mit 25.000 Einwohnern. Betreuerinnen hatten dieses Verhalten bemerkt und die Schulleitung darüber informiert.

Direktor Dirk Moulart zeigt sich eher gelassen. Er bestätigt die Vorfälle und zeigt den Reportern von VRT und RTBF auch den Bericht der Betreuerinnen. Doch richtig aufregen kann sich Moulart darüber nicht. Die Schule, zu der auch noch eine Grund- und weiterführende Schule gehört, habe bislang kein Problem mit Radikalisierung gehabt. Die Namen der betroffenen Schüler habe er an die Verantwortlichen gegeben, die sich mit solchen Anzeichen von Radikalisierungen beschäftigen. Aber von radikalisierten Vorschulkindern zu sprechen, das halte er dann doch für etwas übertrieben.

Eltern sind gefragt

Seitens der Gemeinde sagt Bürgermeister Luc Dupont, dass man nach der Meldung aus der Schule mit den Eltern der Kinder gesprochen habe. Es handele sich um sechs Familien, die betroffen seien. Man hat ihnen deutlich gemacht, das solche Sachen nicht toleriert werden können.

Ob man von diesen Vorschulkindern schon als radikalisierte Kinder sprechen kann, ist tatsächlich umstritten – auch deshalb, weil es solche Fälle bislang in Belgien noch nicht gab, bzw. sie nicht in der Öffentlichkeit bekannt wurden. Experten, die jetzt in verschiedenen Medien zu Wort kommen, waren vor zu schnellen Etikettierungen. Die Kinder würden häufig das nachmachen, was sie in ihrem Umfeld erleben. Sie selbst seien sich wahrscheinlich nicht genau bewusst darüber, was ihre Gesten und Verhaltensweisen bedeuten.

Die Eltern seien also gefragt, hier müssen man ansetzen. „Eine Arbeit, die Zeit braucht“, sagte Ahmed Azzouz, selbst Moslem und Inspektor für Islamunterricht. Man müsse den Eltern klarmachen, dass sie hier in Belgien in einer pluralistischen Gesellschaft wohnen, in denen unterschiedliche Werte gelebt werden. Das müssten die Eltern lernen, zu akzeptieren. Und grundsätzlich findet auch Azzouz, dass man das Problem der Vorschulkinder in Ronse jetzt nicht aufblasen sollte. Allerdings solle man schon wachsam sein und festhalten, dass es ein Problem gebe. Dann gelte es daran zu arbeiten, es zu lösen.

73 Fälle im vergangenen Schuljahr

An Schulen ist das Phänomen von radikalisierten Schülern übrigens durchaus nicht selten. 73 Fälle wurden im vergangenen Schuljahr in der Französischen Gemeinschaft bekannt. Zehn Jugendliche wurden über einen längeren Zeitraum betreut. Dafür zuständig ist in der Französischen Gemeinschaft eine mobile Beratungsgruppe zur Deradikalisierung. Ihre Leiterin, Anne Hellemans, beschreibt ihre Arbeit wie folgt: „Ziel unserer Arbeit ist es, an den Schulen eine nicht ständig anwesende Gruppe von Experten anzusiedeln, die mit den betroffenen Jugendlichen in regelmäßigem Kontakt stehen. Sie geben dem Schulpersonal das nötige Rüstzeug an die Hand, um besser mit den betroffenen Jugendlichen umgehen können und auch den ständigen Kontakt mit den Familien behalten zu können.“

Dieser ständige Kontakt zwischen Schule, Eltern und betroffenem Jugendlichen sei das einzige Mittel, um eine Radikalisierung noch aufhalten zu können, fügt Hellemans hinzu. Für Kinder im Vorschulalter gibt es so eine Maßnahme noch nicht.

Kay Wagner - Illustrationsbild: Nicolas Lambert/BELGA

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11 Kommentare
  1. Josef Stoffels

    Wenn „das Phänomen von radikalisierten Schülern … durchaus nicht selten“ ist, finde ich es schon bedenklich, dass Schulleiter, Ministerien und vor allem die Eltern der betreffenden Schüler solche Vorkommnisse verharmlosen. Banalisieren und Wegschauen sind kontraproduktiv. Der Ausschluss der Kinder oder Jugendlichen vom Unterricht ist weder gesetzlich möglich noch sinnvoll, denn diese Isolierung würde ihre Radikalisierung vermutlich weiter vorantreiben. Umso wichtiger scheint es mir nicht nur die Schüler, sondern insbesondere auch ihre Eltern zu besonderen Begleit- bzw. Betreuungsmaßnahmen zu verpflichten, und zwar ohne faule Kompromisse.

  2. Irene Reindl

    Herr Stoffels, die Elten der betreffenden Kinder werden wohl die Ursache sein, denn ich kann mir nicht vorstellen, dass Kinder in so jungen Jahren diese Verhaltensweisen von woanders als dem eigenen Elternhaus her haben. Ansonsten gebe ich Ihnen Recht.

  3. Marcel Scholzen eimerscheid

    Sollten die Eltern nicht fähig oder willens sein, einer Radikalisierung entgegen zu wirken, dann sollte man denen die Kinder abnehmen und in die Obhut anderer übergeben. Es darf keine falsche Toleranz geben. Wehret den Anfängen !!!

  4. Kai Zacharias

    Die Eltern gefährden maßlos das Kindeswohl i.S.d. Erlernens des offenen Miteinanders in einer pluralistischen Gesellschaft. Mit Religionsfreiheit hat derart voljsverhetzender Erziehungsstil nichts zu tun. Konsequenz: Entziehung des Sorgerechts, Unterbringung der Kinder auf Kosten der Eltern in Pflegefamilien. Das Instrumentarium ist vorhanden, nur zur Anwendung ist die Politik zu feige.

  5. Dieter Leonard

    Nicht die Kinder sind hier das Problem sondern diejenigen, von denen sie diese Verhaltensweisen gelernt oder übernommen haben.
    Die Eltern stehen sicher als erste in der Verantwortung.
    Aber was ist mit den Schulen selbst? Es trifft wohl nicht für die Vorschule zu, aber was wird den Kindern im Islamunterricht an den Schulen vermittelt? Wenn ich richtig informiert bin, unterliegen die Inhalte des von den Kultusträgern organisierten Islamunterrichtes keiner wirklichen Kontrollen durch die Schulbehörden. Ist dies so?
    Wenn im Islamunterricht Kindern vermittelt wird, Allah habe den Muslimen verboten, Schweinefleisch zu essen (so geschehen an einer Eupener Schule), was zwar nicht stimmt, aber auf den ersten Blick harmlos erscheint, möchte ich gar nicht wissen, welch hanebücherner Unsinn und welche Verhaltensnormen dort sonst vermittelt werden.
    Grundsätzlich gilt es m.E. den Bekenntnisreligionsuntericht an den Schulen durch einen neutral-kritischen Philosophieunterricht zu ersetzen, in dem Kindern und Jugendlichen die Lust am Denken und Hinterfragen vermittelt wird.

  6. Dieter Leonard

    @M. Scholzen + Kay Zacharias
    Aha! Warum nicht gleich das Kind mit dem Bad ausschütten?
    Bevor man Eltern ihre Kinder „abnimmt“ müssen schon andere, schwerwiegendere Gründe vorliegen, als die hier beschriebenen.
    Wenn dies so wie von Ihnen verlangt gehandhabt würde, würden auch Kinder „christlicher“ Familie zuhauf in Kinderheimen oder Pflegefamilien landen.
    Vielleicht reden sie mal mit den Verantwortlichen von Jugendgericht und Pflegefamiliendiensten, bevor sie solche Keulen schwingen.

  7. Marcel Scholzen eimerscheid

    Werter Herr Leonard.

    Für mich käme der Kindesentzug nur dann in Frage, wenn sonst alle Möglichkeiten ausgeschöpft wären. Es geht hier um die Vermeidung von Straftaten. Die Radikalisierung ist da nur der erste Schritt. Und dieses Phänomen betrifft ausnahmlos moslemische Personen. Leider. Daraus kann man aber keine Bevorzugung christlicher Familien ableiten. Christen wären dann betroffen, wenn der Papst zu einem Kreuzzug zwecks Errichtung des Reichs Gottes auf Erden aufrufen würde. Aber von so ein Vorhaben ist mir nicht bekannt.

  8. Manfred Layer

    Willkommen im Mittelalter!!

    Leider haben viele Politiker die Hosen voll,wenn es um den Islam und die Sharia geht. Aus diesem Grund wird jeder Schwachsinn von den hochbezahlten Damen
    und Herren abgesegnet.

  9. Dieter Leonard

    Werter Herr Scholzen,
    Danke für ihre Präzisierung. Aber hier ist Rede von Vorschulkindern, nicht von der Vermeidung von Straftaten.
    Ich habe nichts von Bevorzugung christlicher Familien behauptet.
    Es ging um die Feststellung, dass die Schwelle, um Eltern ihre Kinder „abzunehmen“ wohl weitaus höher als von ihnen gefordert angesiedelt werden muss.
    Die hier beschriebenen Verhaltensweisen haben m.E. auch nichts mit Radikalisierung zu tun sondern sind Ausdruck einer unzeitgemäßen orthodoxen Religionsauslegung und Zeichen einer misslungenen Integration und mangelndem Respekt den Menschen in seinem Gastland gegenüber.
    So sollte m.E. das Bleiberecht (je nach Statut) von Flüchtlingen auch nach deren Fähigkeit und Bereitschaft zur Integration beurteilt werden.
    Die Forderung des FDP-Spitzenkandidaten Lindner in Deutschland, ein gesondertes Flüchtlingsstatut mit (prinzipiell) zeitlich begrenztem Aufenthaltsrecht zu schaffen, ist vor diesem Hintergrund nicht einmal so abwegig.
    Eine Unterscheidung zwischen Einwanderung und Asyl- bzw. Flüchtlingsstatut hat in der Flüchtlingsdebatte lange gefehlt.

  10. Beat Schaller

    Schon eine eigenartige Sicht“weise, das Vorgehen der Behörden! Woher haben denn die kleinen Kinder ihr Verhalten her? Vielleicht von den Eltern? Sind diese eventuell schon ausgewachsen? – und damit wohl noch gefährlicher als die Kinder?
    Wieso schaut die Politik immer am wirklichen Problem vorbei? Religion dar nicht „Gesetz “ werden, so einfach ist das!
    b.schaller

  11. Thomas Raffelsieper

    Wären diese Kinder aus anti-(a)sozialen belgischen Familien entsprungen und würden das Leben mit Halsabschneidergesten an derer Kinder bedrohen, wäre das Jugendamt sofort zur Stelle, diesen (a)sozialen Müttern, meißt alleierziehend, wohl schnellstmöglicj Ihr Kind wegzu nehmen. Bei christlichen belgischen Familien geht das ganz schnell.

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