Greenpeace fordert Verbot von Dieselautos in Städten bis 2020

Die Umweltschutzorganisation Greenpeace fordert, dass Diesel-Autos bis zum Jahr 2020 aus den Städten verbannt werden sollten. Das berichtet die Zeitung De Morgen am Montag. Dadurch sollen Mensch und Umwelt vor den Schadstoffen des Dieselmotors geschützt werden.

Illustrationsbild: Oliver Weiken/EPA

Illustrationsbild: Oliver Weiken/EPA

Ganz objektiv muss man erstmal sagen: Die Forderung von Greenpeace steht im Raum – und das ist es aber auch erstmal. Viele Reaktionen gab es dazu am Montag nicht. De Morgen selbst allerdings zitiert in seinem Artikel den Leiter der Belgischen Interregionalen Umweltagentur, immerhin eine staatliche Einrichtung. Und der spendet Applaus für den Vorschlag.

Die Verbannung von Dieselautos aus den Städten wäre eine gute Sache, sagt Frans Fierens. Es sei nämlich wirklich an der Zeit, etwas gegen die Schadstoffe der Dieselautos zu tun. Die Werte von Stickstoffdioxid, die bei den Dieselfahrzeugen in Belgien gemessen würden, würden regelmäßig über den eigentlich vorgeschriebenen Grenzwerten liegen. Stickstoffdioxid ist ja allerdings schädlich für die Gesundheit. Und da das so ist, wäre ein Verbot von Dieselfahrzeugen in Städten eine Möglichkeit, dem Problem zumindest teilweise schnell Herr zu werden.

Der belgische Greenpeace-Aktivist, der übrigens Joeri Thijs heißt, will, dass die Städte und Gemeinden das Thema Diesel in ihrem Wahlkampf für die Gemeinderatswahlen im kommenden Jahr ganz groß fahren. Gemeinden können ja durchaus solche Fahrverbote beschließen. Das ist also der Ansatzpunkt, den Greenpeace sieht. Und gerade für das Dieselfahrverbot gibt es sogar ein ganz großes Beispiel für, denn keine andere Stadt als Paris hat genau das beschlossen.

2020 soll das Fahren mit Dieselfahrzeugen in Paris verboten werden. Die ersten Schritte dazu hat man in Paris schon eingeleitet, zum Beispiel das Verbot vom Fahren mit alten Dieselautos. Und was in so einer riesigen Stadt wie Paris möglich ist, das sollte doch auch bei uns möglich sein – so wird man sich das bei Greenpeace denken.

Mangel an politischem Willen

Gerade in Belgien würde ein Dieselfahrverbot aber eine große Umwälzung bedeuten, denn immerhin ist doch fast jeder zweite Pkw bei uns ein Diesel. Die Position von Greenpeace dazu ist klar: Die Menschen könnten ja auf den öffentlichen Nahverkehr umsteigen oder auf das Fahrrad. Und für lange Strecke gibt es ja den Zug. Das sei alles ein politischer Wille – und daran fehle es ja gerade.

Und das dieser politische Wille ganz entscheidend ist, sieht man ja an dem Beispiel Paris oder – auf ein ganzes Land bezogen – an Norwegen. Norwegen will wahrscheinlich ab 2025 keine neuen Dieselfahrzeuge mehr zulassen. Die norwegische Regierung investiert allerdings auch massig in eine Alternative, nämlich in die Förderung von Elektroautos. Autobesitzer in Norwegen erhalten staatliche Kaufanreize, die E-Autos tatsächlich billiger machen als ein vergleichbares normales Auto. Auch in das Tankstellennetz hat die Regierung in Norwegen massiv investiert. Alles Dinge, die in Belgien quasi fehlen. Solche Maßnahmen müssten halt durch ein Umdenken der Politiker losgetreten werden.

Erste Ansätze

Erste Ansätze gibt es aber bereits – wenn auch vielleicht nicht so radikal wie die Forderungen von Greenpeace. Denn gerade vergangene Woche hatte ja die neue wallonische Regierung von MR und CDH angekündigt, den Diesel-Ausstieg bis 2030 schaffen zu wollen. Das hat vergangene Woche schon mal eine Diskussion losgetreten. Und da die neuen Machthaber in Namur über die MR ja einen guten Draht zur Föderalregierung haben, könnte es durchaus sein, dass all die aktuellen Diskussionen um die Dieselfahrzeuge auch dazu führen, dass bald auch auf föderaler Ebene darüber diskutiert wird.

Und für einen Anfang wäre die Idee von Greenpeace dann gar nicht mal so schlecht. In den Städten könnte man beginnen. Denn das ist ein überschaubarer Raum, Alternativen können da relativ einfach gefunden werden. Die Lkw haben das ja vorgemacht. Denn auch Lkw werden ja fast ausschließlich mit Diesel betrieben. Einige Städte haben Diesel-Lkw in ihren Innenstädten allerdings schon verboten. Und da haben diese Städte durchaus Systeme gefunden, wie sie die Warenauslieferung trotzdem schaffen, zum Beispiel durch Hybrid- oder E-Lkw oder aber mit Lastenfahrrädern.

Also, alles nicht ausgeschlossen – aber nochmal: Ohne politischen Willen, wird der Umschwung so schnell nicht kommen. Denn man darf nicht vergessen: Die Autoindustrie verdient an der Diesel-Technologie gutes Geld. Bei der E-Technik dagegen würden die Gewinnmargen für die Autohersteller – so haben es zumindest Experten aus dem Lkw-Bereich gesagt – viel niedriger ausfallen.

Kay Wagner - Illustrationsbild: Oliver Weiken/EPA

13 Kommentare
  1. Jochen Decker

    Auf einmal herrscht allerhöchste Alarmstufe und absolute Lebensgefahr. Erinnert an die gleiche Hysterie wie seinerzeit mit dem Waldsterben.

    Greenpeace sagt aber nicht, mit welchen Beträgen Dieselfahrer entschädigt werden sollen. Denn es kann ja wohl nicht sein, dass für den Verkehr zugelassene Autos von heute auf morgen stillgelegt werden.

    Keinem Dieselkäufer ist noch bis vor ein paar Wochen gesagt worden, dass sein Auto einen Monat später als lebensgefährlich eingestuft wird.

    Wer zahlt ist egal, aber der Käufer eines modernen und umweltfreundlichen Diesels kann es nicht sein. Sobald klar ist, wie der Dieselbesitzer entschädigt wird, kann man gerne den nächsten Schritt planen, aber erst dann.

  2. Wotschke Anja

    ja aber zeitgleich und mit sofortiger Wirkung beim Inkrafttreten bitteschön alle Busse, LKW´s, Kleintransporter und Taxen welche Dieselbetrieben sind auch verbieten, denn es sind ja wohl nicht alle Otto-Normal-Bürger welche ein Dieselauto haben an diesen Umständen schuld sondern ALLE und ALLES was ein Dieselfahrzeug besitzt.
    Und wer redet von den Schadstoffen welche in die Luft gepustet werden von der ganzen Industrie – den Fabriken usw ?
    Aso und nicht vergessen, wenn man schon Autos verbieten will, dann bitteschön auch Schiffe und Dieselloks….ok fahren zwar nicht zwingend in den Innenstädten aber nichts desto trotz auch die stossen ja die giftigen Abgase in die Luft.

  3. Joachim Wahl

    Nein, was können wir froh sein, dass Greenpeace und andere vollkommen geistig Verwahrloste und öko-religiös Verblendete dem Bürger vorschreiben, was gut und was schlecht für ihn ist. Und was können wir froh sein, dass hochdotierte Politiker in den EU-Staaten diesen „Empfehlungen“ aus Mangel an Fachkompetenz folgen. Es scheint eine wahre Olympiade der „Verbote und bürgerlichen Bevormundung“ auf uns hereinzubrechen. Über Nacht wird aus einem „Sparwunder“ ein menschheitskillendes Ungetüm. Was kommt als nächstes? Die beiden obigen Kommentare beschreiben eindrücklich den ganzen Wahnsinn dieser Aktion. Wenn Frankreich den Diesel verbietet, die Norweger einen Tesla von der Regierung geschenkt bekommen, ist mir das scheissegal. Ich aber bestimme immer noch selbst, welches Auto ich fahre!

  4. Dieter Leonard

    @J.Wahl
    Bestimmen sie auch, wie schnell sie mit ihrem Auto fahren?
    Fahren sie auch schonmal gerne in Gegenrichtung auf der Autobahn?
    Wie ist es mit ihren Lebensmitteln? Ist ihnen egal, was die Produzenten auf die Äcker sprühen, wieviel sie an Schadstoffen in Obst, Gemüse oder Fleisch sie zu sich nehmen? Was ist mit ihrem Trinkwasser? Nitrathaltig, bleihaltig, aluminiumhaltig, … alles egal?
    Wahrscheinlich leben sie nicht in einem Ballungsraum oder der Innenstadt einer Großstadt. Dann haben sie natürlich recht. Dann muss sie das mit den Schadstoffen von Verbrennungsmotoren gar nicht interessieren.

  5. Guido Scholzen

    Anscheinend liebt Herr Leonard es, beliebig vom Staat herumkommandiert zu werden. Anscheinend wird nach dem Sinn von Entscheidungen nicht mehr gefragt. Anscheinend ist es egal, was die da oben kommandieren, Hauptsache die kommandieren. Anscheinend haben viele noch nicht verstanden, was denn gemacht wird, wenn die da oben was kommandieren, was keinen Sinn hat und alle ärmer macht. Anscheinend geht es vielen Menschen hierzulande noch viel zu gut.

    Wenn es uns mal so schlecht gehen sollte wie in Nord-Korea, dann werden die blöden da unten merken, das die da oben anscheinend machen können was die wollen –> das heisst, dass die sich ancheinend an gar keine Regeln halten müssen.

    Verstanden, Herr Leonard? Macht funktioniert überall gleich. Wissen ist Macht. Viele Leute wissen zu wenig, und das ist gewollt.

  6. Dieter Leonard

    Werter Herr Scholzen,
    Greenpeace ist der Staat? Das hatte ich anders in Erinnerung.
    Laut Herrn Wahl sind das doch nur geistig verwahrloste und öko-religiös Verblendete. Dem stimmen sie doch sicher zu?
    Wer so differenziert argumentiert sollte anderen keine Unwissenheit vorhalten.
    Sie bekämpfen jeden Fortschritt und so ungefähr jede Maßnahme für den Schutz unseres Planeten und unserer Gesundheit und stellen sich auf die Seite einer Industrie, für die Gewinnmaximierung auf Kosten der Gesundheit der Menschen oberste Maxime zu sein scheint.
    Nordkorea ? Geht es nicht noch ein wenig deftiger ? Sie verlieren offensichtlich in Ermangelung von Sachargumenten jeglichen Maßstab und Bezug zur Realität.

  7. Marcel Scholzen eimerscheid

    Man sollte sich fragen, was denn umweltfreundlicher ist, die Stromproduktion mittels fossiller Brennstoffe, um Elektroautos zu betreiben oder Autos mit Verbrennungsmotor.

  8. Guido Scholzen

    greenpeace: Diesel raus aus Großstaedten.
    Wie waers mit Greenpeace raus aus Großstaedten.
    Ich bin mir sicher, dass in Zentralheizungen in deutschen Staedten mehr Diesel (auch Heizoel ist Diesel) verfeuert wird als in PKWs.

    Sollen wir das heizen unserer Haeuser im Winter auch abschaffen?

  9. Ernst Mathieu

    Schon die Herstellung eines Elektroautos hat eine schlechtere Ökobilanz als ein Diesel PKW, ( Co2 Wert).

  10. Marcel Scholzen Eimerscheid

    Selbst wenn man wöllte, könnte sich nicht jeder ein Elektrofahrzeug kaufen. Es werden einfach zu wenige hergestellt. Die Produktionszahlen müssten kräftig gesteigert werden.

  11. Joachim Wahl

    Werter Herr Leonard, auch wenn es wahrscheinlich nichts hilft: Ich fahre ein Dieselauto der neuesten Generation, AdBlue, Euro 6. Dieses Fahrzeug ist in der EU durch eine Konformitätsbescheingung zugelassen. Diese Zulassung ist durch den belgischen Staat erfolgt. Sie ist nicht zeitlich limitiert. Im Straßenverkehr halte ich mich an die geltenden Gesetze des Staates und habe kein Problem damit. Jetzt kommt ein Verein, der keine demokratische Legitimation hat, und will dem Autofahrer verbieten, sein Dieselfahrzeug zu benutzen. Im übrigen regelt auch der Staat die Unbedenklichkeit der von Ihnen angesprochenen Lebensmittel. Dafür braucht kein Mensch die Ökophantasten. Hören Sie endlich auf, zu missionieren!

  12. Guido Scholzen

    @Leonard
    Sie schreiben mir „Sie bekämpfen jeden Fortschritt“
    Herr Leonard, ich werde WIRKLICH NICHTS dagegen haben und machen, wenn Sie sich ein Elektro-Auto wollen (sollen).
    Sie sollten mit gutem Beispiel vorangehen. Zeigen Sie bitte, dass Elektromobilität schon jetzt sinnvoll, bezahlbar und alltagstauglich ist. Sagen Sie dem BRF oder dem Grenzecho schleunigst bescheid, dass eine Jahresreportage angelegt wird, um diese sensationnelle Verkehrsrevolution zu schildern und zu huldigen.
    Ich danke Ihnen hiermit herzlichst für ihr ungetrübtes Fortschrittsdenken. Solche Prakmatiker braucht die Welt.
    Ein Hoch(mut) auf Greenpeace, die nur mit Realität um sich schmeissen.

    +++ Satire ausschalten +++
    +++ Realität einschalten +++

    Danke!

  13. BRF-Redaktion

    Da die Diskussion sich inhaltlich vom eigentlichen Thema entfernt hat, beenden wir an dieser Stelle die Kommentare.