15. März 2016: Der Tag, an dem die Terrorwelle in Belgien ihren Lauf nahm

Vor genau einem Jahr geriet Belgien in den Würgegriff des islamistischen Terrors. Im Brüsseler Stadtviertel Forest kam es zu einer Schießerei, nachdem die Polizei eine Wohnung von Terroristen entdeckt hatte. Daraufhin geriet die Terrorzelle in Panik und verübte vier Tage danach die Selbstmordanschläge am Brüsseler Flughafen und in der U-Bahn.

Forest am Morgen nach der Anti-Terror-Aktion

Bild: Bruno Fahy/BELGA

15. März 2016: Vier Monate nach den Pariser Anschlägen ist die Polizei noch immer auf der Suche nach dem flüchtigen Attentäter Salah Abdeslam. Immer wieder kommt es zu Hausdurchsuchungen – auch an diesem Tag im Stadtteil Forest, im Brüsseler Süden.

Die Polizei geht davon aus, dass die Wohnung leer ist, doch als sich die Beamten nähren, schlägt ihnen sofort ein Kugelhagel durch die Tür entgegen. Die Bewohner verschanzen sich in dem Haus in der Rue du Dries und feuern, unter anderem mit einem Sturmgewehr, auf das SEK.

Vier Beamte werden bei dem Einsatz leicht verletzt. Einer der Terroristen, ein Algerier, wird bei dem Schusswechsel getötet. In einer Sondersendung von VRT und RTBF sprechen die Sondereinheiten der Föderalen Polizei zum ersten Mal über ihren Einsatz in Forest. „Als die Schießerei begann, wussten wir sofort, dass wir es mit entschlossenen Fanatikern zu tun haben, die wir unbedingt ausschalten müssen, um die Bevölkerung zu schützen“, sagt Einsatzleiter Jean-Marie Lecomte.

Zwei Islamisten gelingt allerdings die Flucht über das Dach des Gebäudes. Wie sich wenige Tage später anhand von DNA-Spuren herausstellen wird, hatte sich auch der gesuchte Abdeslam in dem Haus in Forest aufgehalten.

Die Polizei hatte also nicht nur eine heiße Spur, sie hatte an diesem 15. März 2016 mitten ins Wespennest gestochen. Genauer gesagt: Sie war der Terrorzelle von Paris und Brüssel auf der Schliche. Durch Abhörungen und Observationen gelingt es der Polizei nur drei Tage später, bei einem Zugriff in Molenbeek, den flüchtigen Paris-Attentäter Salah Abdesalm dingfest zu machen. „Nach der Festnahme Abdeslams herrscht ein doppeltes Gefühl in uns vor“, erklärt einer der Ermittler. Einerseits Erleichterung. Auf der anderen Seite sei jedem bewusst gewesen, dass ein oder mehrere Terrorzellen jetzt zur Tat schreiten könnten.

Und genau das passierte auch. Wie inzwischen aus zahlreichen Verhörprotokollen hervorgeht, gerät das Terrornetzwerk von Paris und Brüssel in Panik. Die Islamisten haben Angst, bald entdeckt zu werden, weil die Schlinge sich immer weiter um sie zuzieht. Und, sie haben Angst, dass Salah Abdeslam reden und der Polizei ihre Verstecke preisgeben könnte.

Eigentlich wollten die Terroristen nicht in Belgien, sondern bei der Fußball-EM im Juni in Frankreich zuschlagen. Doch die Ereignisse bringen sie dazu, überstürzt in Brüssel zu handeln. Nur vier Tage nach der Festnahme Abdeslams sprengen sich drei Selbstmordattentäter in die Luft: am Flughafen Zaventem und in der U-Bahn-Station Maelbeek. Die tragische Bilanz des 22. März 2016 ist bekannt: 32 Tote und mehr als 300 Verletzte.

In der Sondersendung, die VRT und RTBF am Mittwochabend ausstrahlen, rekonstruieren die beiden Sender den genauen Tathergang – dank moderner 3D-Technik auf besonders anschauliche Art und Weise. Einige Fragen sind aber auch ein Jahr danach noch ungeklärt: Wer genau sind Hintermänner der Terrorzelle beim IS in Syrien? Und wo haben die Terroristen ihre restlichen Waffen versteckt, die bislang immer noch nicht aufgespürt werden konnten?

Alain Kniebs - Archivbild: Bruno Fahy/BELGA

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