Donald Trump kommt nach Brüssel

Donald Trump wird Ende Mai nach Brüssel kommen. Der neue US-Präsident hat seine Teilnahme am Nato-Frühjahrs-Gipfel zugesagt. Wann das Treffen genau stattfinden soll, ist noch offen. Premierminister Michel sieht den internationalen Stellenwert Brüssels dadurch in jedem Fall bestätigt. Aber, apropos Brüssel: Hatte Trump die Hauptstadt nicht irgendwann mal als "Höllenloch" bezeichnet?

US-Präsident Trump

„Ich war vor 20 Jahren mal in Brüssel: Schöne Stadt, wunderbar. Und jetzt? Jetzt ist es, als lebe man in einem Höllenloch.“ Donald Trump im US-Fernsehsender Fox, vor etwas mehr als einem Jahr. Damals, Ende Januar 2016, war er nur einer von vielen Präsidentschaftsbewerbern. Brüssel, ein Höllenloch also…

Einige Monate später fühlte sich Trump sogar in zynischer Weise in seinem Urteil bestätigt. Kurz nach den Brüsseler Anschlägen vom 22. März sagte Trump: „Hatte ich nicht gesagt, dass Belgien ein Höllenloch sei“. Dafür sei er heftig kritisiert worden. Nun, jetzt gab’s ein Riesenproblem in Belgien – und die Leute sagen: „Dieser Trump, der hatte Recht.“ Dass er dabei Belgien eine Stadt nennt, naja, kann vorkommen.

Ob nun Brüssel oder gleich ganz Belgien: Jedenfalls wird der Herr Trump in eben dieses Höllenloch zurückkehren müssen. Genau gesagt wird der inzwischen neue US-Präsident Ende Mai zum Nato-Gipfel ins Hauptquartier der Allianz nach Evere kommen. Evere – das ist nämlich auch in Brüssel.

Spätestens da wird dann auch die Stunde der Wahrheit schlagen, zumindest für die Transatlantiker unter den Europäern. Der Kandidat Donald Trump hatte die Nordatlantische Verteidigungsallianz noch „obsolet“ genannt, also: veraltet, unzeitgemäß. In Europa, wo man sich in den letzten Jahrzehnten gerne auf den großen Bruder von der anderen Seite des großen Teichs verlassen hat, hatte das für spürbare Unruhe gesorgt.

„Wir geben verdammt viel Geld aus, um andere Leute zu beschützen“

Entsprechend dürfte der eine oder andere aufgeatmet haben, als es im Anschluss an ein Telefongespräch zwischen Trump und dem Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg hieß, der neue US-Präsident habe sich zu der Allianz bekannt. Im Weißen Haus hieß es, es gebe eine „starke Unterstützung“ des Präsidenten für das Bündnis. Was wohl nicht heißt, dass für Donald Trump damit die Nato-Welt wieder in Ordnung wäre.

Immer noch findet er es nicht normal, dass die meisten der 27 Nato-Verbündeten ihren finanziellen Verpflichtungen nicht nachkommen. Das gilt insbesondere für fast alle Europäer. Ebenfalls noch als Kandidat hatte Trump dieses Problem schon mit scharfen Worten angekartet: Wir verteidigen die Europäer, dafür könnten sie zumindest ihren – vertraglich festgelegten – Beitrag leisten, sagte Trump. Jetzt sei es so, dass die USA alleine fast drei Viertel der Last tragen: „Wir geben verdammt viel Geld aus, um andere Leute zu beschützen“, sagt Trump.

Gemeint ist damit freilich nicht ein klassischer „Mitgliedsbeitrag“. Hier geht es vielmehr um die Militärausgaben der einzelnen Staaten. Laut Vertrag müssen die Länder den Gegenwert von zwei Prozent des Bruttoinlandsproduktes in die Rüstung stecken. Abgesehen von den USA kann man diejenigen, die diese Auflage erfüllen, an den fünf Fingern abzählen. Belgien steht da traditionell besonders schlecht da. In den letzten Jahren wurde hierzulande nicht mal die Hälfte der vorgegebenen Ausgaben getätigt…

Kritik von Trump keine Marotte

Die Europäer sollten diese Kritik von Donald Trump jedenfalls nicht als eine weitere Marotte des neuen US-Präsidenten abtun, warnte schon vor Wochen Alexander Mattelaer, Experte am Institut für Europäische Studien an der VUB. Der Ärger darüber, dass die Europäer ihren Beitrag nicht leisten, der werde in Washington von allen geteilt, sogar parteiübergreifend, sagte Alexander Mattelaer in der VRT.

Über all diese Sorgen wird man also bald in Brüssel sprechen können. Ende Mai werde der Gipfel stattfinden, das genaue Timing stehe aber noch nicht fest, sagte Premierminister Charles Michel in der VRT. In jedem Fall sei es eine gute Neuigkeit, dass Trump nach Brüssel komme. Das zeige dann doch nochmal die wichtige Rolle Brüssels in der Welt. Und eben diese Aussage von Charles Michel beweist noch etwas: nämlich, dass der belgische Premier dem neuen US-Präsidenten die Sache mit dem „Höllenloch“ offensichtlich nicht nachträgt.

Roger Pint - Bild: Mandel Ngan/AFP

12 Kommentare
  1. Werner Radermacher

    Präsident Trump ist also lernfähig, und das ist gut so. Im Gegensatz zu den uneinsichtigen Politiker und Journalisten, die immer noch behaupten, die unkontrollierte Masseneinwanderung von muslimische Migranten sei richtig gewesen.

  2. Jürgen Margraff

    Bitteschön was hat Masseneinwanderung mit der NATO am Hut? Lernfähig??? Haben sie dessen letzte Tweets gelesen??? Er verdammt einen Richter wohlgemerkt einen von einem republikanischen Präsidenten eingesetzten, der Mann ist ganz einfach eine Katastrophe – nicht nur für die NATO sondern für die Welt – No flight zone in Syrien.?? Wie ? Russland, Syrien, Iran, Hezbollah gegen Rebellen aller Art. Trump vz Iran – heisst im Endeffekt Wladimir muss sich zwischen dem Disney Verschnitt & den Ayatollahs entscheiden, der behält seine alte Allianz & dann sieht POTUS ROT – tweetet gegen Wladimir & schon haben wir die schönste internationale Krise der letzten Jahrzehnte – Trump ist und bleibt das LETZTE

  3. Dieter Leonard

    @Werner Radermacher
    Ich kenne keinen Politiker und auch keinen Journalisten, der behauptet, „die unkontrollierte Einwanderung von Migranten“ sei richtig gewesen. Es waren auch größtenteils keine Migranten sondern überwiegend Kriegsflüchtlinge. Es stellt sich auch gar nicht die Frage, ob es richtig oder falsch war, sondern welches in der Situation die Alternative gewesen wäre. Hätte es eine gesamteuropäische Antwort auf diese Frage gegeben, wäre es zu dieser Situation m.E. erst gar nicht gekommen.
    Zu Trump: gestern abend lief im ZDF der Katastrophenfilm „The day after tommorrow“. Der Film von 2004 thematisiert in Hollywoodmanier gleich 3 aktuelle politische Themen: den Klimawandel, die Flüchtlingsfrage und die Beziehung zwischen Mexiko und den USA.
    Zum Schluss des Filmes und nachdem Nordamerika durch eine akute Klimaveränderung unbewohnbar wurde, nimmt Mexiko die geflüchteten und überlebenden US-Bürger bei sich auf. Der amerikanische Präsident bedankt sich in einer Fernsehansprache für diese selbstlose Gastfreundschaft Mexikos. Ich hoffe Trump hat diesen Film gesehen…

  4. Jean-Pierre DRESCHER

    Interessant zu sehen wie hier die Wortfetzen schon wieder fliegen ohne dass ich was dazu tun muss ….

    Ich warte vernünftigerweise mal ein paar Monate und überlege mir anschließend, wie man Herrn Trump bewerten soll. Im Gegensatz zu Merkels Politikern in der BRD, die zusammen mit hochrangigen EU-Politikern ganz sicher vernatwortlich gemacht werden können dafür, dass

    1. Deutschland unter anderem durch völlig unkontrollierte Zuwandrung von Millionen an jungen muskulös gebauten muslimischen Männern ein failed-state ist wo sich selbst die Polizei in viele Stadtteile garnicht mehr reintraut, und

    2. dieses abschreckende Beispiel Futter ist für den mesnchenverachtenden Nationalismus in allen EU-Nachbarstaaten außerhalb von Deutschland,

    im Gegensatz zu dieser neoliberalistischen afrikafeindlichen EU wo zudem grausame Schlachtviehtransporte durch ganz Europa und Stierkampf in Spanien von unseren Steuergeldern des kleinen Mannes bezahlt werden, wissen wir verdammt wenig über Trump. Vielleicht ist er auch mir zu neoliberal, aber er ist nicht unser Problem im Gegensatz zu den Politikern hierzulande.

  5. Dieter Leonard

    Abgesehen davon, dass sonst in diesem Forum peinlich genau auf die 150 Wörter Obergrenze geachtet wird, hier noch eine Anmerkung zur „Unkontrollierten Einwanderung“. Ein politische Fehlentscheidung oder Unterlassung war es m.E. sowohl den Bürgern als auch den Flüchtlingen nicht unmissverständlich zu verdeutlichen, dass Asyl nicht gleichzusetzen ist mit Einwanderung. Hätte man den Menschen gesagt, dass Kriegsflüchtlinge ein – abhängig von der Entwicklung in ihrer Heimat und anderen Kriterien – zeitlich begrenztes Schutz- bzw. Aufenthaltsrecht haben und hätte es eine gesamteuropäische, solidarische Lösung in dieser Frage gegeben, wären die Ängste der Bürger zu einem großen Teil gar nicht erst entstanden. Wenn man jedoch Asylrecht und Einwanderungsrecht vermischt oder gleichstellt, darf sich keiner über die Konsequenzen wundern.

  6. Norbert Schleck

    Sehr richtig, Herr Leonard!
    Zur Illustration der Unterscheidung von Immigranten und Kriegsflüchtlingen kann ich das Schicksal der Bewohner meiner Heimatgemeinde Rocherath-Krinkelt anführen.

    Ende ’44 wurden die Bewohner von den Amerikanern evakuiert, als die Front sich dort stabilisierte, manche nach Malmedy (wo sie Opfer der irrtümlichen Bombenangriffe durch dieselben Amerikaner wurden), andere ins Landesinnere (wo sie mehr oder weniger gastlich aufgenommen wurden).
    Nach dem Scheitern der Rundstedt-Offensive kehrten alle so schnell wie möglich in ihre Heimat zurück. Keiner hat sich im Exil niedergelassen.

  7. dieter leonard

    @ Norbert Schleck
    Hätte Frau Merkel statt „Wir schaffen das“ gesagt: „Wir Europäer müssen es schaffen, einem Teil der Syrischen Kriegsflüchtling in Europa Schutz zu bieten, bis sie eine neue Zukunftsperspektive in ihrer Heimat haben und das Land befriedet ist“ und hätte sie angefügt, „Wir Deutsche können angesichts unserer geschichtlichen Verantwortung und unserer wirtschaftlichen Stärke, die Hauptlast dafür tragen“ läge die Afd jetzt auch nicht bei 10-15 %.
    Leider hat Europa jedoch, lange vor dem deutschen Alleingang jegliche solidarische Handlungsfähigkeit vermissen lassen.
    Die geringste „Schuld“ an der gerne zitierten „Flüchtlingskrise“, die in Wirklichkeit eine Krise der europäischen oder meinetwegen abendländisch-christlich geprägten „Wertegemeinschaft“ ist, haben jedoch die Flüchtlinge.

  8. Jean-Pierre DRESCHER

    „Wir Deutsche können angesichts unserer geschichtlichen Verantwortung und unserer wirtschaftlichen Stärke, die Hauptlast dafür tragen“

    Was soll das? Haben unsere Landsleute hier etwa keine geschichtliche Verantwortung ggü. dem Kongo bzw. den Bombenangriffen in jüngster Zeit in Afrika? Genausogut hätte ein geschichtsbewußtes Belgien nicht die europäischen Verpflichtungen der gerechten Aufteilung verweigert sondern als eines der allerreichsten Länder Europas mit einem gesunden Geschichtsbewußtsein die Hauptlast getragen. Tut es aber bis heute einfach nicht. Bitte den Ball flach halten!

  9. Dieter Leonard

    Werter Herr Drescher. Ich habe mich zum Thema „unkontrollierte Einwanderung“ geäußert. Dies betraf ja wohl in erster Linie Deutschland.
    Sorry, aber Deutschland als „Failed State“ zu bezeichnen ist einfach nur großer Schwachsinn.
    Ich weiß ja nicht, woher sie ihre Informationen beziehen, aber in Belgien gab es 2015 rund 45.000 Asylbewerber und 2016 rund 19.000. Für ein kleines Land wie Belgien im Vergleich zu anderen europäischen Ländern keinesfalls so unsolidarisch, wie sie es darstellen. Aber mit Fakten nehmen sie es offenbar nicht so genau. Ist ja auch nicht IN.

  10. Jean-Pierre DRESCHER

    2015: Belgien 45.000 Asylzugänge, Deutschland 1.600.000 Schätzwert der Behörden

    2016: Belgien 19.000 , Deutschland 400.000

    Belgien hat 10.8 Millionen Einwohner, Deutschland 82 Millionen.

    DE ist nur 8 mal so groß wie BE. Jetzte rechnen Sie bitte mir vor, wenn Sie eh alles so viel besser wissen wie ich!

  11. Dieter Leonard

    Ich sprach von europäischem Vergleich und europäischer Solidarität Herr Drescher. Da Europa sich zu keiner solidarischen Verteilung von Flüchtlingskontingenten durchringen konnte und der Großteil der Flüchtlinge auf der Balkanroute zunächst in Österreich und dann in Deutschland gestrandet sind – wo die meisten auch hinwollten – ist der Vergleich zwischen Belgien und Deutschland völlig abwegig. Aber lassen wir das. Jemandem, der Deutschland als „Failed State“ bezeichnet, Merkel und Schulz als Kriegsverbrecher verleumdet, … geht es wohl auch um etwas anderes. PS. Die Zahl der Asylsuchenden 2015 in Deutschland lag übrigens bei etwa 890.000 und nicht 1.600.000.

  12. BRF-Redaktion

    Anmerkung der Redaktion: Herr Drescher hat seine Anschuldigung, Merkel und Schulz seien Kriegsverbrecher, inzwischen zurückgenommen.
    Da nicht mehr zum Artikel kommentiert wird, schließen wir die Kommentarfunktion.