Caterpillar: So soll es weitergehen

Der wallonische Ministerpräsident und Bürgermeister von Charleroi, Paul Magnette, will Caterpillar nicht so einfach davon ziehen lassen - vor allem, weil der Konzern jahrelang von Subventionen und Steuererleichterungen profitiert hat. Für die Übernahme des Standorts in Gosselies gibt es seinen Angaben zufolge bereits Interessenten.

"Solidarität mit den Caterpillar-Mitarbeitern": Paul Magnette am Freitag in Charleroi

"Solidarität mit den Caterpillar-Mitarbeitern": Paul Magnette am Freitag in Charleroi

Für die Entscheidung aus den USA, das Werk in Gosselies zu schließen, hat Magnette keinerlei Verständnis. Er will Einsicht in alle Zahlen und ist überzeugt: Nur finanzielle Gründe haben eine Rolle gespielt. „Das Unternehmen macht Gewinn und hat seine Dividendenauszahlungen in den letzten Jahren verdreifacht. Wirtschaftlich gesehen ist die Schließung Unsinn“, sagt Magnette.

Die Mitarbeiter hätten alle möglichen Anstrengungen unternommen, das Werk zu retten, so Magnette. „Sie waren bereit, den Arbeitsplatz zu wechseln, die Arbeitsordnung und Stundenpläne anzupassen, haben Überstunden am Samstag akzeptiert – und haben es geschafft, die Kosten mancher Produkte um 20 bis 35 Prozent zu senken. Die Caterpillar-Mitarbeiter haben bewiesen, dass man auch in der Wallonie fähig ist, sich anzupassen und zu kämpfen.“

Auch Jean-François Tamellini, Generalsekretär der sozialistischen Gewerkschaft FGTB, sieht den Fehler nicht bei den Mitarbeitern. Diese wurden am Montag darüber informiert, wie es mit der Renault-Prozedur weitergeht. Und dann wollen die Gewerkschaften ebenfalls Einblick in die Konten haben. Sie müssen ihren Mitgliedern erklären, wie es dazu kommen konnte. „Denn eins ist deutlich: Die Mitarbeiter wurden schlicht und einfach belogen und betrogen“, sagt Tamellini.

Für das ganze Debakel könnten die Mitarbeiter am wenigsten. Sie baden nur die strategischen Fehler der Caterpillar-Führung aus. Die hätten weiter die gleichen Maschinen hergestellt, obwohl sie wussten, dass der europäische Markt derzeit lahmt, sagt Paul Magnette.

„Industriepark 4.0“ – bereits Interesse von Unternehmen

Jetzt muss eine ordentliche Lösung her. Wallonische Regierung, Föderalregierung, Arbeitsminister, Gewerkschaften und Anwälte haben sich schon am Wochenende mehrfach getroffen. Die Mitarbeiter hätten sich trotz der brutalen und grausamen Nachricht würdig verhalten, sagt Magnette. „Die Antwort der Politik muss dieser außergewöhnlichen Haltung gerecht werden.“

Jean-François Tamellini betont ebenfalls das vorbildliche Verhalten der Mitarbeiter. Jetzt dürfe die Direktion kein Öl aufs Feuer gießen, und versuchen, die Maschinen herauszuschaffen. Tamellini ist der Meinung: „Das alles gehört uns allen. Mit Steuergeld sind schließlich die ganzen Subventionen und damit die Maschinen und Anlagen bezahlt worden. Das darf nicht einfach so außer Landes geschafft werden.“

Im Gegenteil: Das knapp Hundert Hektar große Betriebsgelände in Gosselies soll übernommen werden. „Ein Juwel, mit guter Autobahnanbindung, einem Flughafen in unmittelbarer Nähe, guter Infrastruktur und einem modernen Maschinen Park“, sagt Magnette.

Interessenten gebe es auch schon. Nach Vorstellung von Magnette soll dort „eine Art Industriepark 4.0“ entstehen – mit weltweit operierenden Unternehmen, aber vor allem mit kleinen und mittleren Unternehmen. Denn das ist die bessere Strategie, wie der vergangene Freitag gezeigt hat, so Magnette. „Keine multinationalen Konzerne, die von einem Tag auf den anderen weg sind. Kleine und mittlere Unternehmen, die untereinander verbunden sind – das ist die Zukunft.“

Caterpillar habe nie auch nur einen Euro in Forschung und Entwicklung gesteckt, so Magnette rückblickend. Und das ist nicht das, was er sich für die Wallonie in Zukunft vorstellt.

Volker Krings - Bild: Nicolas Maeterlinck/Belga

Ein Kommentar
  1. Carl Schumacher

    In welchem Land leben wir eigentlich? Da droht (!!) ein wallonischer Ministerpresident einer privaten Firma, will sich gar dessen Grundstück unter den Nagel reissen und behauptet auch noch diese Firma könne nicht rechnen und nicht wirtschaften. Der Witz des Jahrhunderts ! Was wirtschaften und rechnen angeht sollte dieser wallonische Politiker besser den Mund halten. Soviel ich weiss leben wir in einem Rechtsstaat wo privates (und firmeneigenes) Eigentum geschützt ist und wo man sich nicht so einfach, wie z.B. in der Türkei, Firmeneigentum unter den Nagel reissen kann. Magnette, der Erdogan von Namur. Das gleiche gilt für die Gewerkschaften, die behaupten die Maschinen gehörten ihnen, da von Subsidien und Steuervorteilen bezahlt, nur leider kann man weder das eine noch das andere als Beweis aufführen. Beschämend, einfach beschämend. Würden Sie in einem solchen Land oder in einer solchen Region investieren?