Die Presseschau von Samstag, dem 21. Mai 2022

Die Zeitungen beschäftigen sich mit den Affenpocken, die bislang bei drei Personen in Belgien festgestellt worden sind. Außerdem kommentieren sie verschiedene Aspekte des Kriegs zwischen Russland und der Ukraine, Belgiens Investitionen in Rüstungsgüter und den Beginn der Bau- und Wohnmesse Batibouw.

Fieber gehört zu den Symptomen von Affenpocken (Illustrationsbild: Patrick Daxenbichler/PantherMedia)

Fieber gehört zu den Symptomen von Affenpocken (Illustrationsbild: Patrick Daxenbichler/PantherMedia)

„Affenpocken: Die Sorge“, titelt Le Soir. „Drei Infektionen mit Affenpocken auf Fetisch-Festival in Antwerpen“, heißt es im Aufmacher von Gazet van Antwerpen. „Drei Wochen Isolation nach Infizierung mit Affenpocken“, schreibt Het Nieuwsblad auf Seite eins. In Belgien sind drei Fälle von Affenpocken bekannt geworden. Infektionsherd ist sehr wahrscheinlich ein Festival in Antwerpen, das Anfang des Monats stattgefunden hat.

La Dernière Heure kommentiert: Bitte keine Panik. Das Affenpockenvirus hat fast nichts mit dem Coronavirus zu tun. Das Affenpockenvirus ist längst bekannt, kaum tödlich, wird anders als das Coronavirus nicht durch die Luft übertragen, es gibt bereits Mittel, um Erkrankte zu behandeln. Was beunruhigt, ist vielmehr, dass das Virus plötzlich wieder in Europa auftaucht. Das könnte ein Zeichen dafür sein, dass die Experten recht haben, die schon länger vor einer Ära warnen, in der eine Pandemie auf die andere folgt. Einfach weil sich durch unser enges Zusammenleben Viren von Tieren sich einfacher auf Menschen übertragen, und die Menschen dank der modernen Mobilität diese Viren überallhin transportieren, erklärt La Dernière Heure.

Keine Angst vor Affenpocken

Entwarnung auch im Leitartikel von Het Laatste Nieuws: Angst braucht man vor den Affenpocken nicht zu haben, es gibt kaum Gemeinsamkeiten mit dem Coronavirus. Wären die Affenpocken vor etwas mehr als zwei Jahren in Belgien festgestellt worden, hätte die Öffentlichkeit das sehr wahrscheinlich auch gar nicht mitbekommen. Lediglich unsere Erfahrung mit Covid macht daraus jetzt eine große Sache. Dabei breiten sich Viren täglich an verschiedenen Orten der Welt aus. Ein Blick in wissenschaftlichen Zeitschriften und Internetportale macht das deutlich, weiß Het Laatste Nieuws. Die Frage zurzeit ist vielmehr, wie wir langfristig gegen eventuell auch gefährliche Viren vorgehen wollen. Die Corona-Pandemie hat darauf keine wirklichen Antworten gegeben. Weshalb die besten Waffen gegen neue Viren weiterhin bleiben: die Entwicklungen genau beobachten und ein Ausbreiten möglichst vermeiden, hält Het Laatste Nieuws fest.

De Morgen meint zu den Sanktionen, die der Westen gegen Russland wegen des Kriegs in der Ukraine verhängt hat: Die Sanktionen beginnen zu wirken. In ein bis zwei Monaten werden viele russische Unternehmen nicht mehr in der Lage sein, ihre Produkte herzustellen. Einfach deshalb, weil Teile für die Produktion nicht mehr aus dem Westen geliefert werden. Im Normalfall müsste Putin darauf reagieren, doch er macht einfach weiter mit seinem Krieg und nimmt deshalb den Niedergang der Wirtschaft in Kauf. Der Westen könnte und sollte aber noch viel härter gegen Russland vorgehen. Nicht nur durch Öl und Gas fließen täglich Milliarden nach Russland. Auch die Einnahmen über Firmen in Steueroasen verschaffen dem Kreml-Chef Spielraum. Der Westen sollte auch diese Einnahmequelle trockenlegen, rät De Morgen.

Putins Spiel mit dem Getreide

La Libre Belgique macht sich Sorgen: 28 Prozent der weltweiten Getreide-Exporte stammen aus Russland und der Ukraine. Beide Länder exportieren zurzeit nicht: die Ukraine, weil Russland das nicht zulässt, und Russland selbst, weil Putin das so will. Dabei sollte der Kreml-Chef verstehen, dass Getreide keine Waffe ist. Vielen Menschen droht großer Hunger, wenn Getreide-Exporte nicht bald wieder aufgenommen werden. Putin darf seine Kriegslogik nicht dem Rest der Welt aufzwingen, fordert La Libre Belgique.

Ebenfalls zu den Folgen des russischen Kriegs gegen die Ukraine notiert das GrenzEcho: Ausgerechnet der türkische Präsident Erdogan widersetzt sich dem Nato-Beitritt Schwedens und Finnlands. Dabei führt Erdogan an, dass in beiden Ländern „Terroristen“ Unterschlupf fänden. Dazu muss man wissen, dass es in der Türkei ausreicht, sich der Politik der Erdogan-Partei AKP zu widersetzen, um als Terrorist zu gelten. Wissen muss man außerdem, dass Erdogan völkerrechtswidrig, mit stillschweigender Duldung der übrigen Nato-Partner, den Norden Syriens besetzt und dort die kurdische Bevölkerung mithilfe teils islamistischer arabischer Milizen terrorisiert. Kurden weltweit hoffen, dass die Nato-Staaten nicht vor Erdogan einknicken. Für die Nato selbst wäre es ein Beweis der Erpressbarkeit durch einen ihren unsichersten Partner, unterstreicht das GrenzEcho.

Wieder Anschluss an Europa finden

Die Wirtschaftszeitung L’Echo beschäftigt sich mit Belgiens Ausgaben für das Militär und führt aus: Alles deutet darauf hin, dass künftig wieder mehr Geld in Rüstungsgüter fließen wird. Das ist gut, aber dann sollte auch darauf geachtet werden, dass belgische Unternehmen mehr davon profitieren als in der Vergangenheit. Vom Investitionsprogramm, das unter der Regierung Michel beschlossen wurde und 6,7 Milliarden Euro Investitionen vorsah, sind nur 1,3 Milliarden in Belgien geblieben. Da lässt sich noch viel verbessern. Und durch mehr Investitionen könnte Belgiens Industrie auch wieder Anschluss finden an Konzerne aus anderen europäischen Ländern, hofft L’Echo.

Aus Anlass der heute in Brüssel beginnenden Bau- und Wohnmesse Batibouw stellt L’Avenir fest: Wer heute bauen will, braucht schon eine gehörige Portion Mut. Die Preise sind stark gestiegen, viele Haushalte müssen jonglieren und überlegen, wie sie das Geld für ihr eigenes Zuhause zusammenkratzen können. Seitens der Bauunternehmer, Architekten und anderer Berufe, die mit dem Bau zu tun haben, ist ebenfalls nicht alles rosig. Die aktuellen Krisen machen auch ihnen zu schaffen. Der Bausektor gleicht zurzeit einem Abenteuerspielplatz, für den Angst ein schlechter Ratgeber ist, behauptet L’Avenir.

Kay Wagner