Die Presseschau von Freitag, dem 8. April 2022

Viele Zeitungen beschäftigen sich heute, nach einer umstrittenen Aussage von Energieministerin Van der Straeten, mit möglichen Antworten auf die Energiekrise und den Ukraine-Krieg. Weitere Themen sind die Entscheidung der ING-Bank, nicht für die WM in Katar zu werben, sowie die Wahlen in Frankreich und Corona.

Energieministerin Tinne van der Straeten am Donnerstag bei der Vorstellung der föderalen Kampagne "Ik heb impact – J’ai un impact" (Bild: Jonas Roosens/Belga)

Energieministerin Tinne van der Straeten am Donnerstag bei der Vorstellung der föderalen Kampagne "Ik heb impact – J’ai un impact" (Bild: Jonas Roosens/Belga)

„Den Gefrierschrank ein Grad wärmer, die Heizung ein Grad kälter einstellen – das spürt Putin nicht“, titelt Het Laatste Nieuws und zitiert damit eine Energie-Expertin vom Forschungsinstitut Vito. Gestern hatte Energieministerin Tinne Van der Straeten das Gegenteil behauptet, nämlich dass Millionen Mini-Einsparungen in der Summe doch etwas bringen. Was laut der zitierten Energie-Expertin wirklich hilft, ist, das Auto stehen zu lassen und weniger Benzin zu verbrauchen.

Natürlich sind auch Tipps um im Kleinen Energie zu sparen, alles andere als dumm, kommentiert Het Laatste Nieuws. All das hilft, die Rechnung zu senken. Nur dafür braucht es keine Kampagne der Regierung. Auf diese Ideen kommen die Bürger auch selbst, meint das Blatt. Het Laatste Nieuws stört sich an der inkonsequenten Argumentation. Wenn Kleines schon hilft, warum hat Tinne Van der Straeten dann Atomkraftwerke einmal als Pixel der Energiegeschichte diskreditiert? Wenn Kleines schon hilft, warum kommt dann keine Mehrwertsteuersenkung auf Fahrräder oder warum gibt es dann immer noch Steuererleichterungen für Spitzensportler?

Zwei Welt-Krisen, eine Lösung

Het Nieuwsblad beklagt, dass es offenbar eines Schocks wie dem Ukraine-Krieg oder genauer eines Preis-Schocks bedarf, damit wir Bürger unser Verhalten ändern. Ein Krieg und steigende Energierechnungen sind sichtbarer als der Klimawandel. Klimaaktivisten fordern schon seit Jahren das, was jetzt wegen der Energiekrise auf den Tisch kommt. Für L’Echo ist es eine Ironie der Geschichte, dass die beiden großen Welt-Krisen die gleichen Antworten erfordern. Wir müssen unseren Verbrauch an fossilen Brennstoffen massiv reduzieren.

Gleichzeitig kritisiert L’Echo, dass es viel mehr braucht als kleine Energieeinsparungen, um der Ukraine zu helfen. Das Blatt pflichtet dem italienischen Ministerpräsidenten Draghi bei, wenn er sagt, wir müssten uns fragen, ob wir die Klimaanlage oder den Frieden bevorzugen. In diesem Sinne drängt L’Echo auf schärfere Sanktionen gegen Russland, auch wenn es für uns sehr teuer wird, den Gashahn zuzudrehen.

Genauso argumentiert L’Avenir und verweist auf das EU-Parlament. Es hat mit übergroßer Mehrheit eine Resolution für ein vollständiges Energieembargo über Russland verabschiedet. Das Blatt glaubt, dass Putin nur dann den Krieg verliert, wenn Europa in Russland kein Gas mehr kauft.

De Morgen erinnert daran, dass Europa sich – nicht nur bei der Energieversorgung – nicht von autokratischen Regimen abhängig machen darf. Das gleiche gilt bei der Technologie. Hier droht Europa, sich China auszuliefern. Wenn Experten davor warnen, mit chinesischen Staatsunternehmen und digitalen Giganten wie Huawei zusammenzuarbeiten, dann sollen wir das ernst nehmen. Die Gefahr ausspioniert und verwundbar zu werden, ist real. Chinesische Konzerne sind dazu verpflichtet, mit dem Staat zusammenzuarbeiten. Die EU darf in dieser Frage nicht naiv sein, auch wenn es uns Komfort und Geld kosten wird.

ING setzt ein Zeichen gegen die WM in Katar

Wie man mit Regimen umgeht, die die Menschenwürde mit Füßen treten, macht die niederländische Bank ING deutlich. Le Soir begrüßt, dass die Bank nicht für die Fußball-WM in Katar werben will. Dabei ist sie der Hauptsponsor der niederländischen Nationalmannschaft. Die Entscheidung ist umso mutiger, weil es in der Sponsoringbranche bisher kaum jemanden gab, der diese Weltmeisterschaft kritisiert hat, lobt Le Soir. Jetzt müssten noch die nationalen Fußballverbände folgen. Denn Fußballstars haben mit ihren Millionen junger Fans die Macht, etwas zu bewegen. Die Zeitung erinnert an Ronaldo, der seine Botschaft gesendet hat, als er eine Coca-Cola-Flasche aus dem Kamerabild entfernte. Trotzdem gibt sich Le Soir realistisch: Wenn der Ball erst einmal rollt, wird das Elend der Welt in ein angenehmes Schweigen getaucht.

De Standaard schaut auf die französische Präsidentschaftswahl und glaubt nicht, dass sie ein Selbstläufer für Amtsinhaber Emmanuel Macron wird. In der Vergangenheit waren zu oft zu viele zu siegessicher. Hillary Clinton sah sich als US-Präsidentin und auch der Brexit würde nie kommen, glaubten viele. Zwar führt Macron weiter in den Umfragen, aber Marine Le Pen hat in letzter Zeit deutlich aufgeholt. Wie stark ist die Solidarität mit der Ukraine gegenüber der Angst vor Verarmung?, fragt De Standaard und mahnt, dass sich Victor Orban in Ungarn mit genau dieser Frage seinen Erdrutschsieg gesichert hat.

Doch bald wieder Code Orange?

La Dernière Heure erinnert uns heute an einen alten Bekannten: das Coronavirus. Der Krieg in der Ukraine hat es von den Titelseiten verdrängt. Und so geht fast unter, dass Experten wie Marc Van Ranst dazu raten, wieder auf Code Orange zu wechseln. Das wäre das Comeback diverser Einschränkungen wie Mundschutz in geschlossenen Räumen.

La Dernière Heure schlägt vor, steigende Corona-Zahlen gelassen zu sehen. Denn die Covid-Fälle führen seltener zu einem Krankenhausaufenthalt. Überhaupt: Befinden wir uns nicht in der angestrebten Zeit, in der wir schlicht mit dem Virus leben? Verordnete Einschränkungen sind da unerwünscht. Aber wer eine Mundschutzmaske tragen will, der kann es ja tun.

Olivier Krickel