Die Presseschau von Montag, dem 10. Januar 2022

Heute ist der erste Schultag des neuen Jahres – im Präsenzmodus wohlgemerkt, trotz der rasant steigenden Ansteckungszahlen. Das ist auch das Thema für diverse Leitartikel. Daneben geht es aber auch um die jüngsten Demonstrationen gegen die Corona-Politik und um eine Impfplicht beziehungsweise den 2G-Impfpass.

Covid-Selbsttest - Illustrationsbild

Illustrationsbild: Ben Stansall/AFP

„Die Schulen öffnen wieder, aber für wie lange?“, so die große Überschrift bei Het Nieuwsblad. „Erster Schulbeginn für den Omikron-Schüler“, titelt La Dernière Heure. „Ein Schulbeginn mit Selbsttest“, schreibt Le Soir auf Seite eins.

Der erste Schultag des Jahres sorgt für ein willkommenes bisschen Positivität, findet De Morgen. Nach extra-langen Ferien sehnen sich die Kinder nach ihren Freunden, freuen sich die Eltern, wieder etwas Atem holen zu können, und beginnen die Lehrkräfte wieder mit frischem Mut. Endlich wieder etwas Normalität. Die wird allerdings von kurzer Dauer sein, das ist leider sehr deutlich. Die Omikronvariante rückt so schnell vor, dass wir bald bei 125.000 Ansteckungen pro Tag stehen könnten.

Viele Sektoren bereiten Notfallpläne vor, um durch das Virus nicht komplett lahmgelegt zu werden. Derweil sind die Regeln rund um Quarantänen und Tests gelockert worden. Der flämische Unterrichtsminister sieht aber keinen Grund zur Panik und glaubt, dass Schulschließungen die Ausnahme bleiben werden. Dafür zählt er auf die gelockerten Regeln bei Ansteckungen in den Schulen, auf den Verantwortungssinn der Eltern, die wöchentliche Selbsttests bei ihren Kindern durchführen sollen, und auf die Selbstaufopferung der Lehrkräfte. Aber die wissenschaftlichen Erkenntnisse und Warnungen lassen wenig Raum für Zweifel: Die Frage ist nicht, ob, sondern wann das gründlich schief gehen wird, ist De Morgen überzeugt.

Ist die Schulöffnung unzureichend vorbereitet?

Die Lockerung der Quarantäneregeln ist eine Wette, kommentiert Le Soir. Im Falle der Schulen soll so nach zwei sehr holprigen Jahren das Recht auf Bildung garantiert werden. Aber man kann schlecht ignorieren, dass etwa Frankreich und Großbritannien viel mehr getan haben, um sich auf ein Aufflammen der Epidemie in den Schulen sowohl bei den Kindern als auch beim Lehrpersonal vorzubereiten. In Belgien herrscht in dieser Hinsicht Funkstille, kritisiert Le Soir.

Zum ersten Mal sehen sich die Schulen mit einer Situation konfrontiert, in der sie öffnen müssen, während die Coronazahlen enorm schnell steigen, hält Het Nieuwsblad fest. Es ist nachvollziehbar, dass sie sich Sorgen machen, was da auf sie zukommen mag. Und dass sie sich im Stich gelassen fühlen. Die Direktoren, die Lehrer und Lehrerinnen, die Kinder und auch die Eltern – sie alle werden jetzt an die vorderste Front geschickt, und zwar mit ungenügenden Waffen, um sich gegen das Virus zu verteidigen. Wenn aus der erneuten Öffnung der Schulen deshalb eine noch schnellere erneute Schließung wird, dann wissen wir, von wem sie Rechenschaft fordern werden, warnt Het Nieuwsblad.

Eine Entscheidung, die sich aufdrängt

La Dernière Heure greift die Diskussion um die Selbsttests insbesondere für Kinder auf: Es ist ein lobenswertes Ziel, dass die Bildungs- und Gesundheitsminister des Landes haben: Sie wollen die Ausbreitung des Virus in den Schulklassen bremsen und erneute Unterrichts-Zwangspausen wegen Quarantänen verhindern. Aber der Preis für die Selbsttests schwankt noch immer stark, in den Apotheken kosten sie zwischen fünf und acht Euro pro Stück. Die Kosten, die die Familien selbst übernehmen müssen, können also schnell nicht unerheblich werden, gerade für kinderreiche. Deshalb scheint es nur logisch, Selbsttests im schulischen Rahmen kostenlos zu machen. Diese Entscheidung drängt sich auf angesichts der hohen Infektiosität der Omikronvariante und um Schließungen von Klassen und Sektoren zu begrenzen, appelliert La Dernière Heure.

Kaum noch Argumente gegen 2G-Pass

Gazet van Antwerpen kommt auf die Demonstrationen gegen die Corona-Maßnahmen vom Wochenende zurück: In Frankreich sind insgesamt 100.000 Menschen auf die Straße gegangen, 0,14 Prozent der Gesamtbevölkerung. In den Niederlanden waren es einige tausend. In Antwerpen und Brüssel waren es zusammen keine 6.000, das entspricht 0,05 oder einem Zwanzigstel Prozent der belgischen Bevölkerung. Diese Demonstranten sind im besten Fall beunruhigt oder frustriert. Andere sind vor allem schlecht informiert oder, noch schlimmer, rechtsextreme Infiltranten und stinknormale Randalierer. Premierminister De Croo hat Recht: Es darf protestiert werden, aber in den Reihen der Demonstranten wird viel Unsinn verzapft. Außerdem stellen sie in der Tat eine sehr kleine Minderheit dar.

Millionen Menschen machen derweil das, was sie tun müssen: sich impfen lassen und sich so gut wie möglich an die Regeln halten. Über die Wirksamkeit der Impfstoffe muss wirklich nicht mehr diskutiert werden. Dass die Boosterimpfung einen zusätzlichen Schutz bietet, ist ebenfalls bewiesen. Wir wissen zwar nicht alles über die Omikronvariante, aber doch genug: „Impfen!“, ist deshalb die Botschaft, gerne mit Booster. Es bleiben kaum noch Argumente, um einen 2G-Impfpass abzulehnen, also dass man nach französischem Vorbild nicht mehr am öffentlichen Leben teilnehmen darf, wenn man nicht zwei Mal geimpft oder genesen ist. Menschen, die die Impfung verweigern, bringen nicht nur ihr eigenes Leben in Gefahr, sondern auch das anderer. Sie mögen behaupten, dass ihre Freiheiten durch einen 2G-Pass eingeschränkt würden. Aber darüber vergessen sie bequemlichkeitshalber, dass sie in der Zwischenzeit auch die Freiheit der anderen einschränken und das Gesundheitssystem belasten, wettert Gazet van Antwerpen.

Am 3. Februar 2020 wurde in Belgien die erste Corona-Ansteckung festgestellt, erinnert Het Belang van Limburg. Zwei Jahre später sind 28.500 Tote und enorme menschliche und wirtschaftliche Schäden zu beklagen. Ohne die Impfstoffe wäre der Preis noch viel höher gewesen. 8,8 Millionen Belgier oder 88 Prozent haben sich mittlerweile vollständig impfen lassen; 4,8 Millionen oder 53 Prozent haben sich bereits die Boosterimpfung geholt. Sie haben sich dafür entschieden, ihre Verantwortung zu übernehmen, dafür, sich selbst und andere zu beschützen. Denn das tun die Impfstoffe gründlich: Heute sterben pro Woche in Belgien im Schnitt 22 Menschen an den Folgen von Covid. Mitte April 2020, während des schlimmsten Peaks der Krise, als es noch keine Vakzine gab, waren es 15-mal mehr.

Dennoch stehen wir vor einem möglichen Omikron-Tsunami und bereiten Regierung und Sektoren Notfallpläne vor, damit zumindest die kritische Infrastruktur weiter funktionieren kann – notfalls mithilfe der Armee. Wieder einmal heißt es: Pumpen oder Absaufen. Ist es da nicht besonders zynisch, wenn ausgerechnet in so einem Moment 5.000 Menschen demonstrieren, weil sie die Corona-Maßregeln unverhältnismäßig finden und eine Pflichtimpfung für Teufelswerk halten?, giftet Het Belang van Limburg.

Boris Schmidt