Die Presseschau von Mittwoch, dem 8. Dezember 2021

In den Zeitungen werden heute verschiedene Aspekte der Corona-Pandemie beleuchtet. Die gestrige Demonstration des Pflegepersonals wird scharf kritisiert und auch bei der Diskussion um die Impfpflicht sind sie sich im Allgemeinen einig. Thematisiert wird ebenfalls der geplante Atomausstieg Belgiens.

Demonstration des Pflegepersonals gegen die Impfpflicht am Dienstag in Brüssel (Bild: John Thys/AFP)

Demonstration des Pflegepersonals gegen die Impfpflicht am Dienstag in Brüssel (Bild: John Thys/AFP)

Viele Zeitungen befassen sich heute mit den unterschiedlichsten Aspekten der Corona-Pandemie und deren Auswirkungen auf die Gesellschaft. Dabei geht es sowohl um die Demo gegen die Impfpflicht als auch um die wirtschaftlichen Folgen der Krise. Die Demonstration der Pflegekräfte gestern in Brüssel ist so manchem Kommentator ein Dorn im Auge.

De Morgen geht hart ins Gericht mit den Gewerkschaften, die das Pflegepersonal unterstützen. Es gibt keine stichhaltigen Argumente gegen die Impfung von medizinischem Personal, schreibt die Zeitung. Die Gewerkschaften betrachten die Rechte und Freiheiten einiger weniger Mitglieder in ihren Reihen, die sich weigern, der Impfpflicht anzuschließen, in einem sehr engen Rahmen. Der Gedanke der Solidarität ist durch einen extremen Individualismus ersetzt worden. Die Gewerkschaften hätten eine wichtige und lobenswerte Rolle dabei spielen können, Menschen, die zögern oder unsicher sind, zu überzeugen und zu motivieren. Jetzt haben sie den „Widerstandshelden“ eine Plattform geliefert. Das ist eine große Verantwortung, meint die Zeitung.

In die gleiche Kerbe schlägt Het Laatste Nieuws. Es ist nur eine Minderheit im Pflegesektor, die sich gegen die Impfpflicht auflehnt, aber eine starke Minderheit, die den Rückhalt der mächtigen Gewerkschaften hat, zumindest im frankophonen Landesteil. Anstatt die Menschen davon zu überzeugen, sich impfen zu lassen, heizen sie die Stimmung an und unterstützen die Bewegung der Impfgegner.

Weitere emotionalen Diskussionen vorprogrammiert

Auch De Standaard geht mit den Impfgegnern hart ins Gericht. Die emotionalen Diskussionen über eine Maskenpflicht für Kinder ab 6 sind nur die Vorstufe zur Diskussion über eine bevorstehende Impfkampagne für Kinder. Die ersten Erfahrungen aus den Schulen zeigen, dass sich viele Kinder schneller an Masken gewöhnen als Erwachsene. Pädagogisch gesehen ist das alles andere als ideal. Aber Klassen schließen zu müssen, ist auch nicht die beste Lösung. Die Frage, ob in Zukunft alle Kinder geimpft werden sollten, verdient eine ebenso nüchterne Analyse, meint die Zeitung.

Der eigentliche Test ist die Boosterimpfung. Wenn dieser Impfstoff in den kommenden Wochen hält, was er verspricht und vor allem gegen die Omikron-Variante schützt, dann liegen die Vorteile einer Impfung für Kinder auf der Hand. Die Impfung führt, zumindest vorübergehend, zu einem sicheren, gesunden, offenen, sozialen und sorgenfreien Umfeld. Dies ist für Kinder von unschätzbarem Wert. Dagegen kann kein Impfgegner-Argument mehr halten.

Auseinandersetzung mit den Vorschlägen von Wissenschaftlern

Auch Le Soir bricht eine Lanze für die Impfung. Vor einem Jahr, kommentiert die Zeitung, kam der lang ersehnte Impfstoff. Was hätten wir ohne ihn getan? Wir sind privilegiert und sollten darüber nachdenken, dass der Impfstoff in vielen Ländern gar nicht vorhanden ist. Wenn die Politik eines versäumt hat, dann ist es die Akzeptanz des Impfstoffs zu verbessern und den Weg zur Akzeptanz einer Impfpflicht zu ebnen. Denn die Impfpflicht muss lange vorbereitet werden und nicht in der Not entstehen. Die Impfpflicht, das ist mehr als die Diskussion über pro oder kontra, es ist auch eine Auseinandersetzung mit den Vorschlägen der Wissenschaftler, die an die Vernunft appellieren.

La Dernière Heure kommt zu dem Schluss, dass die Demos der vergangenen Tage und Wochen einen gemeinsamen Nenner haben, nämlich die mangelnde Kaufkraft. Alles wird teurer: Wasser, Gas, Strom, Benzin und auch Bier. Verständlich, dass die Menschen mehr Gehalt fordern. Keine Unsummen, aber genug, um menschenwürdig zu leben.

Warten, bis die Steckdose alleine von der Wand fällt?

Het Nieuwsblad widmet sich dem Vorstoß von Premier De Croo, mit dem Energiekonzern Engie zu diskutieren, ob die zwei jüngsten Atomreaktoren länger als 2025 am Netz bleiben könnten. Premier De Croo leugnet die Realität, meint die Zeitung. Die Regierung hat den Stecker immer noch nicht gezogen, kritisiert die Zeitung. Will sie etwa warten, dass die Steckdose alleine aus der Wand fällt?

Im Land der zurücktretenden Regierungen und der wechselnden Koalitionen ist der Atomausstieg immer wieder verschoben worden. Angesichts der umfangreichen Vorbereitungen, die Engie getroffen hat, scheint das Gespräch mit Premier De Croo überflüssig. In einem Unternehmen werden Entscheidungen auf der Grundlage rationaler Fakten getroffen. In der Politik ist dies bei weitem nicht immer der Fall.

Chantal Delhez