Die Presseschau von Donnerstag, dem 18. November 2021

Gestern hat der Konzertierungsausschuss getagt. Die dabei getroffenen Entscheidungen stehen ganz im Fokus des Interesses. Die Zeitungen werfen einen düsteren Blick in die Zukunft: Sie prangern halbherzige Beschlüsse und mangelnde Perspektiven an. Und die Geduld der Bevölkerung scheint erschöpft.

Premier De Croo beim Konzertierungsausschuss am Mittwoch (Bild: Benoit Doppagne/Belga)

Premier De Croo nach dem letzten Konzertierungsausschuss am 17. November (Bild: Benoit Doppagne/Belga)

Alle Zeitungen befassen sich heute mit den Beschlüssen des Konzertierungsausschusses und gehen zum Teil hart mit den Entscheidungsträgern ins Gericht. „Maske Maske Maske“ – mit dieser Schlagzeile macht Le Soir auf und fasst eine der Maßnahmen zusammen. Die Zeitungen machen alle deutlich, dass wenn die Maßnahmen nicht greifen, erneut ein Lockdown kommen wird.

Wie sind wir bloß so weit gekommen, fragt sich De Morgen. Ein großer Teil des Landes scheint sich auf einen düsteren Herbst mit reduzierten Kontakten vorzubereiten. Ganz abgesehen von den verpassten Chancen der letzten Monate, können wir uns jetzt auf einen Plan verlassen, an dem jede Lobbygruppe erst einmal herumgeschraubt hat? Das Covid-Safe-Ticket wurde erst eingeführt, als es zu spät war. Erst jetzt nimmt man die Belüftung in Innenräumen ernst und erst jetzt bemüht man sich um eine Boosterimpfung, die in anderen Ländern bereits angelaufen ist. Eine gute Corona-Politik erfordert geistige Flexibilität.

Ein Maßnahmen-Tuttifrutti mit viel Ungereimtheiten

De Standard meint, die Maßnahmen sind halbherzig getroffen worden. Werden sie ausreichen, um die Infektionskurve zu ändern? Wenn nicht, ist der Plan gescheitert. Das Risiko ist groß, dass sich die Situation des letzten Jahres zur Weihnachtszeit wiederholt, meint die Zeitung. Das Elf-Millionen-Team hat sich aufgelöst, die Bereitschaft, Solidarität zu zeigen wurde durch die mangelnde Impfbereitschaft geschwächt.

Le Soir meint: Die Zahlen schießen in die Höhe, aber wir halten alles offen. Es sind eine Reihe Maßnahmen ohne wirkliche Perspektive, ohne Garantie, dass sie auch ihre Wirkung zeigen, sie sind das Ergebnis eines politischen Kuhhandels. Es entsteht der unangenehme Eindruck, dass niemand genau weiß, was zu tun ist und was wirklich funktioniert. Ein Tuttifrutti an Maßnahmen mit viel Ungereimtheiten.

Ein wichtiger Aspekt bei allen erneut erforderlichen Anstrengungen ist der Verzicht auf die Zwangsimpfung, selbst für bestimmte Berufsgruppen, kommentiert das GrenzEcho. Diese Entscheidung sollte aber keinesfalls so verstanden werden, dass der Druck, sich impfen zu lassen, abgeschwächt wird. Im Gegenteil: Mehr denn je gilt es, sich impfen zu lassen.

„Maximale“ Maßnahmen für ein Minimum bei der Virusbekämpfung

La Libre Belgique plädiert dafür, dass die Arbeitgeber vorausschauend handeln und das Homeworking besser und strukturierter planen, indem weniger konventionelle Arbeitsformen zum Einsatz kommen.

„Werden die Maßnahmen ausreichen?“, fragt sich De Tijd. Die Antwort darauf wird das Virus geben. Jede Interessengruppe mag die Maßnahmen als ein Maximum betrachten, aber für die Virenbekämpfung sind sie wahrscheinlich ein Minimum.

Het Laatste Nieuws schreibt: Bei dem gut gemeinten Versuch, alle Sektoren offen zu halten, werden Maßnahmen ergriffen, die Belgien dennoch als das Land von René Magritte in den Mittelpunkt stellen. Alors on danse mit einem Mundschutz? Hoffentlich reicht das alles für den Winter.

Het Nieuwsblad fragt sich, wieso man sich erst jetzt mit dem Herbst einer Verpflichtung von CO2-Messgeräten für die Belüftung in Schulen nähert. Ein wirklicher Plan dafür ist offenbar erst für die siebzehnte Welle vorgesehen. Und auch die dritte Impfkampagne läuft noch nicht richtig an. Es ist unvermeidlich, dass Fehlentscheidungen getroffen werden. Aber es wäre gut, wenn Experten und Politiker dies offen zugeben würden. Jetzt zeigen die Leute mit dem Finger aufeinander und tanzen um das Thema herum. Corona ist noch lange nicht weg. Die Politik sollte langfristige strukturelle Maßnahmen ergreifen. Aber wir sind immer noch in der Phase, in der wir darüber nachdenken, wo der Mundschutz sinnvoll ist oder nicht. In der stillen und verzweifelten Hoffnung, dass es reichen wird.

Alles scheint wieder von vorne anzufangen

La Dernière Heure meint: Bei den zwei vorherigen Lockdowns hat sich die belgische Bevölkerung vorbildlich verhalten. Sie akzeptierte alle von der Regierung auferlegten Einschränkungen. Manchmal konnte man den Sinn der einen oder anderen Maßnahme in Frage stellen, aber alle wollten gemeinsam gegen das Virus vorgehen. Trotz des Impfstoffs hat sich die Lage wieder verschlechtert und die Geduld der Menschen stößt an ihre Grenzen. Alle sehnen sich nach dem wahren Leben wie es früher war, so die Zeitung, doch niemand kann uns versprechen, dass es jetzt die letzte Anstrengung sein wird. Und das gerade vor den Jahresendfesten.

L’Avenir schlägt in die gleiche Kerbe: Wir haben das Gefühl, das alles wieder von vorn anfängt.

Chantal Delhez

Ein Kommentar
  1. Manz Hannelore

    Genau,so hatte ich es erwartet.Unser Land wird nie zu einem Nenner kommen.DieFlamen hierhin die Walonen dorthin,die DG immer noch etwas anderes . Wie sollen wir dieses Virus endlich in den Griff bekommen wenn unsere Politiker immer schlafen bis die Karre im Dreck steckt. Dann Maskenpflicht und Home-Office?und am Abend tanzt der Bär..?hab nie viel von unseren Politikern gehalten, aber jetzt gar nichts mehr.Hoffe das die Menschen jetzt so schlau sind sich impfen zu lassen, Abstand halten und Masken tragen, vielleicht schaffen wir dann das was die Politik nicht schafft.