Die Presseschau von Dienstag, dem 31. März

Trotz der immer noch kritischen Situation in den belgischen Krankenhäusern, gibt es kleine Hoffnungsschimmer in Bezug auf die Bekämpfung der Corona-Epidemie. Der lang ersehnte Peak könnte bald anstehen und vielleicht gibt es auch in naher Zukunft einen Impfstoff gegen das Virus.

Brüssel in Zeiten von Corona (Bild: Dirk Waem/Belga)

Illustrationsbild: Dirk Waem/Belga

„Die Krankenhäuser stoßen an ihre Grenzen“, so Le Soir auf Seite 1. „Peak in Sicht“ titelt heute Het Nieuwsblad. „Hoffnung auf Impfstoff für Anfang 2021“, so die Schlagzeile bei De Morgen. Auch heute beherrscht das Coronavirus die Titelseiten und Leitartikel. Beispielsweise die Situation in den Krankenhäusern. Vor allem in den Provinzen Hennegau und Limburg, aber auch in Brüssel fängt es an kritisch zu werden. In den limburgischen Krankenhäusern von Hasselt und Sint-Truiden, sind derzeit rund 80 Prozent der Intensivbetten belegt. Die Föderalregierung empfiehlt eine Belegungsquote von maximal 75 Prozent, um auch kurzfristig kritische Patienten behandeln zu können. Deshalb werden Patienten aus der Provinz Limburg unter anderem nach Antwerpen gebracht, wie Het belang van Limburg berichtet.

Moralisches Dilemma

Le Soir greift das Ganze in seinem Leitartikel auf. Jemanden auf Intensivstation legen oder nicht, Beatmung ja oder nein, die kritischsten Patienten auf andere Krankenhäuser des Landes verlegen, alles um zu vermeiden, dass man selektieren muss, zwischen denjenigen, die man rettet, und denen, die auf der Strecke bleiben. Bisher dachte man, dass dieses moralische Dilemma den Ärzten in Kriegsgebieten, in Syrien, im Irak oder anderswo vorbehalten ist. Jetzt liegt es auf den Schultern der belgischen Mediziner, die so wie ihre chinesischen und italienischen Kollegen minütlich zusammen kämpfen wie noch nie, um diese Krankheit zu besiegen, deren Tücken sie in dem Moment entdecken, in dem ihre Patienten ersticken. Es braucht ein unglaublich feines und hochentwickeltes Management um gegen die Krankheit zu gewinnen. Man erwischt sich dabei, wie man das Spiel um Leben und Tod verfolgt. Auf der einen Seite die Belegung in den Krankenhäusern und die Verfügbarkeit von Beatmungsgeräten und auf der anderen Seite die täglichen Zahlen der neu hinzugekommenen Krankenhausaufenthalte. Durchhalten, und nicht locker lassen ist immer noch die momentane Anweisung.

Medizinisches Personal zuerst

La Libre Belgique fragt auf Seite Eins: „Wer soll als erstes auf Covid-19 getestet werden.“ Elf Millionen Belgier können nicht getestet werden, das hatte am Montag bereits der Virologe Emmanuel André auf der täglichen Pressekonferenz gesagt. Man arbeite aber daran, die Zahl der Tests zu erhöhen, auf mindestens 10.000 pro Tag. Zuerst soll das Medizinische Personal getestet werden, das ja am meisten mit Corona-Patienten in Kontakt kommt. Erst später dann werden die getestet, die außerhalb des medizinischen Bereichs viel mit Menschen in Kontakt kommen, zum Beispiel Polizisten, Feuerwehrleute oder Supermarktmitarbeiter. Wenn dann der Peak erreicht ist, und die Zahl der Corona-Fälle beginnt zu sinken, beginnen die Antikörpertests. Dabei kann man relativ schnell durch eine Blutabnahme feststellen, ob jemand eine Immunität entwickelt hat. Das könnte dann die Bedingung sein, um wieder arbeiten gehen zu können.

N-VA blamiert Belgien

De Morgen kommentiert die Haltung der flämischen N-VA bei der Abstimmung im Europaparlament über den milliardenschweren EU-Hilfsfond zur Bekämpfung der Corona Krise. Die drei N-VA Abgeordneten hatten sich als einzige, zusammen mit zwei rechtsextremen Abgeordneten, enthalten. Die Begründung: ein großer Teil der für Belgien bestimmten Mittel geht in die Wallonie. Bei der Abstimmung im Europäischen Rat musste Belgien sich gestern enthalten, als einziges Land. Grund ein Veto der N-VA geführten Flämischen Regierung. Dazu schreibt die Zeitung. Die N-VA blamiert Belgien vor dem Rest von Europa. Die Begründung stimmt vorne und hinten nicht. Der Hilfsfonds ist eine Umwandlung bereits bestehender Gelder, die nach einem bestimmten Schlüssel verteilt werden. Die Alternative wäre eine Neuverhandlung. Das würde Jahre dauern. Während die EU, das sagt auch die N-VA, jetzt handeln muss. Was für eine engstirnige Reaktion in einem solchen Moment absoluter Dringlichkeit. Wie kann man Wichtiges und Nebensächlichkeiten nur so durcheinanderwerfen? Das Coronavirus steckt die ganze Welt in Brand, und die N-VA zählt die Euros, die in die Wallonie gehen.

Noch kein Platz für Euphorie

Het Nieuwsblad beschäftigt sich mit der Aussicht auf den Peak. Die Experten sind vorsichtig optimistisch und erwarten, dass in den nächsten Tagen, die Zahl der Krankenhausaufnahmen ihren Höhepunkt erreicht. Anschließend dann auch die Zahl der Corona-Patienten auf Intensivstation und schließlich auch die Zahl der Sterbefälle. Die Zeitung kommentiert. Am kommenden Wochenende wissen wir, ob wir das Virus gezähmt bekommen haben. Die Berechnungen der Experten bieten Anlass zum vorsichtigen Optimismus. Für Euphorie ist aber noch lange kein Platz. Den ganzen April durch wird es Wochen der Wahrheit geben. Selbst wenn wir für unseren Lockdown light belohnt werden sollten, nichts ist hundertprozentig sicher. Im besten Fall können wir in ein paar Wochen ein paar Schritte in Richtung Normalität gehen. Mit aller Vorsicht, denn mit jedem Zentimeter, den wir die Zügel schleifen lassen, kann ein neuer Peak kommen.

Het Laatste Nieuws berichtet auch über einen möglichen Impfstoff gegen das Coronavirus. Der US-Pharmariese Johnson & Johnson arbeite daran. Erste Tests an Mäusen seien schon ermutigend gewesen. Im September will Johnson & Johnson dann an Menschen testen. Die Produktion soll aber schon vorher anlaufen. Wenn alles gut verläuft, dann könnte es Anfang kommenden Jahres einen Impfstoff geben.

Volker Krings

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