Die Presseschau von Mittwoch, dem 25. März 2020

Das Coronavirus hat ein weiteres "Opfer" gefordert: Die Olympischen Spiele in Tokio werden dieses Jahr nicht stattfinden. Dieser sportliche Tiefschlag beschäftigt auch die Leitartikler. Daneben sind es aber vor allem die wirtschaftlichen Folgen und Maßnahmen, auch mit Blick auf die Zukunft, die im Fokus stehen.

Game over für die Olympischen Spiele in Tokio

Game over für die Olympischen Spiele in Tokio (Bild: Behrouz Mehri/AFP)

„Game over für die Olympischen Spiele in Tokio im Jahr 2020“, titelt L’Echo. „Nach der EM wird es auch keine Olympischen Spiele geben“, schreibt La Dernière Heure auf Seite eins. „Das Coronavirus hat jetzt auch den Olympischen Spielen den Todesstoß versetzt“, so die Schlagzeile von L’Avenir.

Nach der Fußball-EM sind jetzt also auch die Olympischen Spiele auf das kommende Jahr verschoben worden. Das Großereignis sollte ja ab dem 24. Juli in Tokio stattfinden. Viele Athleten sind erleichtert, zugleich aber auch enttäuscht: „Wir haben uns so auf die Spiele gefreut“, schreibt auch Het Nieuwsblad auf Seite eins. Und jetzt müssen sich die Sportler wieder neu motivieren. Auf Seite eins von Het Laatste Nieuws geben sich die Athleten aber trotzig und kämpferisch: „Im nächsten Jahr sind wir noch stärker!“

„Was wird das für ein öder Sportsommer“, beklagt De Morgen. Die Entscheidung, nun auch die Olympischen Spiele zu verschieben, ist wohl die richtige. Wobei: Die Japaner sehen das nicht so. Sie hatten versprochen, dass ihre Insel der sicherste Ort auf Erden sein würde – für die Sportler und die Besucher. Frage ist jetzt, wer für den Schaden aufkommen wird. Dem Sportliebhaber bleibt jetzt nur noch die Tour de France. Aber glaubt noch irgendwer, dass die Grande Boucle in diesem Jahr stattfinden wird? In einem Land, das besonders hart von der Covid-19-Epidemie getroffen wurde? Das kann man wohl vergessen. Es wird ein leerer Sportsommer werden.

L’Avenir bläst in das gleiche Horn. Es hätte ein so schöner Sportsommer werden können. Die belgischen Augen wären erstmal auf die EM gerichtet gewesen. Und natürlich hätten wir auch mit unseren Sportlern in Tokio mitgefiebert, mit der Siebenkämpferin Nafi Thiam, der Radsport-Hoffnung Remco Evenepoel, mit der Turnerin Nina Derwael. Jetzt hat ein Virus Sand in das Getriebe gestreut. Wenn wir die Krise einmal hinter uns haben, dann sollten wir den ganzen Sport-Zirkus aber auch mal hinterfragen. Muss alles wirklich immer größer, immer teurer werden? Bevor wir durchstarten, sollten wir erstmal durchatmen.

Wir brauchen ein klares Bild der Infektionslage

Auch viele andere Zeitungen denken an den Neustart, dies aber vor allem in wirtschaftlicher Hinsicht. Das ist die zweite Front, an der die Regierung kämpfen muss, meint Le Soir. Priorität hat natürlich der Kampf gegen das Virus, der Schutz der Bevölkerung. Doch auch die Wirtschaft hat einen schweren Schlag erlitten. Vielerorts stehen die Maschinen still, viele Unternehmen sind ernsthaft bedroht. Die Regierung ist hier schon sehr aktiv. Die erste Phase läuft schon: Man muss massiv Geld in die Wirtschaft pumpen, um das System über Wasser zu halten. Die zweite Phase ist komplizierter: Man wird den Menschen ihre Angst nehmen müssen – die Angst, sich am Arbeitsplatz anzustecken. Und da gibt es nur eins: Es muss konsequente Tests geben.

L’Echo sieht das genauso. Wir werden nur Licht am Ende des Tunnels sehen können, wenn wir genau wissen, auf welchem Terrain wir uns bewegen. Konkret: Wir brauchen ein klares Bild der Infektionslage. Und da gibt es nur eins: Wir müssen in der Breite testen.

Mit jedem Tag wird die Rechnung länger

De Standaard fragt sich seinerseits, welchen Neustart wir denn gerne hätten. Wollen wir wirklich die Welt zurück, die so viele Menschen in den Burnout getrieben hat? Wollen wir wirklich die Welt zurück, in der es so lange Lieferketten gibt, dass die bei der kleinsten Erschütterung abreißen, als Preis für billige Produkte? Können wir uns nicht mal die Frage stellen, ob weniger nicht mehr ist? Was wäre, wenn die Wirtschaft nach dem Neustart zehn Prozent niedriger dreht? Würden wir da wirklich in allen Belangen verarmen? Nach der Corona-Krise haben wir die Wahl.

Für den Moment geht es aber erstmal darum, dafür zu sorgen, dass das ganze System nicht sang- und klanglos absäuft. Dafür gibt es auch in Belgien unter anderem das Kurzarbeitergeld. Im Moment sind laut Schätzungen rund eine Million Arbeitnehmer technisch arbeitslos. Sie bekommen eine staatliche Ausgleichszahlung in Höhe von 1.000 bis 1.500 Euro.

„Das sind Steuergelder“, gibt Gazet van Antwerpen zu bedenken. Geld, das wir alle also auf den Tisch legen, um die Unternehmen über Wasser zu halten. Das kann aber auch kontraproduktiv wirken: Immer mehr Unternehmen machen dicht. Kann die Regierung nicht auch Anreize schaffen, um die Menschen zum Arbeiten zu ermuntern? Man muss ja nicht gleich so fahrlässig wie Donald Trump handeln. Die Frage muss man sich jedenfalls stellen, mit jedem Tag wird nämlich die Rechnung länger.

„Solidarität“

„Wir können alle unser Quäntchen beisteuern“, glaubt De Tijd. Wir müssen nicht alles dem Staat überlassen wollen. Wie sagte der amerikanische Präsident John F. Kennedy so schön: „Frage nicht, was dein Land für Dich tun kann, sondern was du für dein Land tun kannst!“. Diesen Appell muss man heute erneuern. Klar: Wir sind nicht alle Ärzte, Virologen oder Krankenpfleger. Es gibt aber auch noch die zweite Reihe. Konkret: Es kann nicht sein, dass ein Gartenbau-Betrieb keine helfenden Hände findet, wenn doch eine Million Belgier zuhause sitzen.

Het Laatste Nieuws kann solchen Überlegungen wenig abgewinnen. Der Unternehmerverband FEB wirft der Regierung vor, zu großzügig zu sein. Ist das so? Viele Menschen müssen erhebliche Einbußen hinnehmen. Und selbst, wenn das nicht so wäre: Ist das wirklich so schlimm? Es sind eben dieselben Unternehmer, die von der Regierung erwarten, dass sie die Betriebe über Wasser hält, „koste es, was es wolle“. Gilt das gleiche nicht auch für die Menschen, die die Firmen drehen lassen? Denn es werden auch und vor allem die „kleinen“ Leute sein, die am Ende die Rechnung bezahlen. Die FEB hat hier eine Gelegenheit verpasst, einfach nur zu schweigen. Jeder Euro, der ins Kurzarbeitergeld fließt … dafür gibt es einen Namen: Solidarität.

Roger Pint

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