Die Presseschau von Mittwoch, dem 20. November 2019

Die erfolgreiche Qualifikation der belgischen Fußballnationalmannschaft für die EM 2020 ist heute auf allen Titelseiten ein Thema. Die Leitartikel beschäftigen sich aber auch mit der belgischen Handelsmission in China und der Entscheidung Donald Trumps, jüdische Siedlungen im Westjordanland nicht mehr als völkerrechtswidrig zu betrachten.

Benteke feiert sein Tor gegen Zypern (Bild: Yorick Jansens/Belga)

Benteke feiert sein Tor gegen Zypern (Bild: Yorick Jansens/Belga)

„30 auf 30 – Klassenbester“, titelt heute La Dernière Heure. „Ein perfekter Abschluss“, so Het Belang van Limburg. Und De Morgen fordert: „Europameister jetzt oder nie“.

Das 6:1 der Roten Teufel gegen Zypern im letzten Qualifikationsspiel für die Europameisterschaft 2020 ist heute der Aufmacher auf vielen Titelseiten. Mit einer makellosen Qualifikationsrunde von zehn Siegen in zehn Spielen sorgt die belgische Nationalmannschaft für viel Begeisterung.

L’Avenir bedauert allerdings, dass diese goldene Generation bei der EM nicht in einem belgischen Nationalstadion spielen wird. Als Gruppenerster hätte Belgien mindestens zwei Heimspiele vor heimischem Publikum in einem funkelnagelneuen Stadion spielen dürfen. Ein 35 Millionen Euro-Projekt, das schlussendlich jämmerlich gescheitert ist, an institutionellem Gezänk und gemeinschaftspolitischem Mief.

Nachdem die UEFA Brüssel von der Liste der Gastgeber gestrichen hat, wird es wahrscheinlich nie ein Nationalstadion geben. Keine Regierung unter der Voraussetzung, dass wir überhaupt eine hätten, scheint dazu bereit zu sein, stellt L’Avenir fest.

Politische Spiele auf niedrigstem Niveau

Auch La Libre Belgique sieht die Roten Teufel als Opfer der Politik. Wir wissen – und Trainer Roberto Martinez hatte es am vergangenen Wochenende nicht versäumt zu bedauern – dass der Bau des Eurostadions unmöglich gemacht wurde. Wegen politischer Spiele auf allerniedrigstem Niveau angeführt von der N-VA, und ohne, dass eine andere Partei der ehemaligen Mehrheit dagegen protestiert hätte.

Nachdem die UEFA sich mehr als geduldig gezeigt hatte, konnte sie nicht anders, als die Kandidatur Belgiens zurückzuziehen, so wie sie es mit jeder anderen Bananenrepublik gemacht hätte, die von einem solchen Ereignis überfordert gewesen wäre, so La Libre Belgique.

Handelsmission wirft Fragen auf

Het Belang van Limburg beschäftigt sich mit der belgischen Handelsmission in China. Mit 632 Teilnehmern, 282 Unternehmen, fünf Ministern und Staatssekretären und Prinzessin Astrid ist es die größte Handelsmission unseres Landes überhaupt. Die Zeitung findet: Während in Hongkong junge Menschen für Freiheit und Autonomie kämpfen, müssen wir uns doch einige Fragen stellen.

China ist in den vergangenen Jahren zu einer brutalen Diktatur geworden, in der Gegner festgenommen werden oder spurlos verschwinden. Mit Hilfe von Technologie-Unternehmen, die bald wahrscheinlich unser 5G-Netzwerk installieren, wurde ein Polizeistaat ausgebaut, der seinesgleichen sucht.

Mehr als eine Millionen Uiguren werden in Konzentrationslagern gefangen gehalten. Kultureller und religiöser Genozid verkleidet als Umerziehung. Kein anderes Land führt so viele Todesstrafen aus und Amnesty International kritisiert Jahr für Jahr das chinesische Rechtssystem.

Mit dieser Gezieltheit, mit der die chinesischen Machthaber ihre „schöne neue Welt“ formen, erobern sie auch den Rest der Welt. Über ihre neue Seidenstraße exportieren sie nicht nur ihre Waren, sondern auch ihr Gesellschaftsmodell.

Wirtschaft und Geopolitik gehen Hand in Hand. Ungeachtet dessen, wollen wir mit diesem Land Geschäfte machen. Auch, wenn diese Liebe nur in eine Richtung geht. Die Wagons fahren leer zurück. Und daran wird auch ein Bittgang unter Führung einer Prinzessin nichts ändern.

Es wird Zeit, dass Europa in seinen Beziehungen mit China seine Macht nutzt. Fast eine halbe Milliarde Konsumenten, da kann auch der chinesische Diktator nicht unsensibel sein. Oder ist Europa schon chinesische Provinz?, fragt sich Het Belang van Limburg.

Nagel im Sarg für Friedensprozess

Le Soir kommentiert die Entscheidung der US-Regierung, die jüdischen Siedlungen im Westjordanland nicht mehr als völkerrechtswidrig zu betrachten. Das x-te Geschenk Donald Trumps an den israelischen Premierminister Benjamin Netanjahu ist der letzte Nagel im Sarg des Friedensprozesses. Dieser sollte in der Schaffung eines palästinensischen Staates enden. Das ist jetzt vorbei.

Das palästinensische Lager ist unendlich schwach und gespalten. Das allmächtige Israel kolonisiert das Territorium und widerspricht damit seinen angeblichen Friedensambitionen.

Kann man den Herren Trump und Netanjahu überhaupt noch glauben, wenn sie behaupten eine friedliche Lösung zu suchen? Von welchem Frieden reden die beiden Männer? Vom Frieden des Stärkeren? Oder vom Frieden der vollendeten Tatsachen?

Sicher ist: Trump denkt weniger an Israel als an sich selbst. Diejenigen, denen er vor allem gefallen will, befinden sich in den USA. Es sind die Millionen evangelikaler Christen, glühende Befürworter Israels und Wählerbasis für den Mieter des Weißen Hauses, analysiert Le Soir.

Die Wirtschaftszeitung L’Echo schreibt dazu: Es ist allerhöchste Zeit, dass in diesem Stück Land der Frieden wieder einkehrt. Dieser kommt allerdings nicht, indem man extremistische Positionen ausländischer Lobbys einnimmt, egal von welcher Seite. Diejenigen, die mit den Wölfen heulen und ihre Wahrheit zur Einzigen erklären, schüren nur den Hass, dort wo sie gar nicht leben.

Eine Lösung kommt nur über den Mittelweg und über einen guten Willen. Zwei Werte, die heute im israelisch-palästinensischen Konflikt vergessen werden. Keine Lösung wird perfekt sein und auf beiden Seiten wird sie Schmerz verursachen. Aber das ist der Preis des Friedens, glaubt L’Echo.

Volker Krings

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