Die Presseschau von Montag, dem 12. August 2019

Viele Zeitungen machen mit einem Brand bei Beringen auf, bei dem zwei Feuerwehrleute gestorben sind. In diesem Kontext und auch bezüglich der Klimaaktivistin Greta Thunberg sind Hasskommentare im Internet Thema der Leitartikel. Aber auch die Regierungssuche in Flandern und auf föderaler Ebene bleibt im Fokus.

Blumen am Unglücksort: Zwei Feuerwehrleute bei Brand in Beringen ums Leben gekommen (Bild: Pino Misuraca/Belga)

„Schwarzer Tag für Heusden-Zolder“, titelt Het Belang van Limburg. „Trauer nach Tod zweier Feuerwehrleute“, so die Schlagzeile beim GrenzEcho. „Zwei junge Väter verlieren ihr Leben in den Flammen“, schreibt Het Laatste Nieuws auf Seite eins.

In der Nacht von Samstag auf Sonntag sind in der Gemeinde Heusden-Zolder bei Beringen in der Provinz Limburg zwei Feuerwehrmänner bei einem Brand ums Leben gekommen. Sie wurden von einem sogenannten Feuersprung überrascht, bei dem sich explosionsartig große Mengen Rauchgas entwickeln.

Der Zusatz „Sozial“ ist längst verwirkt

La Dernière Heure kommentiert: In den Sozialen Medien ist es fast schon zur Mode geworden, die Feuerwehr zu beschimpfen. Wenn das Löschfahrzeug bei einem Auto- oder Wohnungsbrand nicht sofort erscheint, wird die Feuerwehr für den Schaden verantwortlich gemacht. Bei all diesen Hassreden, die da manchmal zu lesen sind, wird vergessen, wie gefährlich dieser Job ist. Die Tragödie vom Wochenende hat das jetzt noch einmal gezeigt. Zwei Väter sind plötzlich aus ihren Familien gerissen worden, haben ihr Leben verloren, weil sie anderen geholfen haben. 23 Mal in den vergangenen 20 Jahren sind Feuerwehrleute bei einem Einsatz gestorben. Daran sollten all die Kommentatoren im Internet denken, wenn sie mal wieder über die Feuerwehr schimpfen wollen, mahnt La Dernière Heure.

Mit Hasskommentaren beschäftigt sich auch das GrenzEcho. Die 16-jährige schwedische Umweltaktivistin Greta Thunberg hatte am Wochenende den Hambacher Forst besucht. In Ostbelgien hatte es zu diesem Besuch viele böse Kommentare in den Sozialen Medien gegeben. Das GrenzEcho schreibt: Kotzende Emojis zählten noch zu den harmloseren Reaktionen. Das sorgt unweigerlich für Kopfschütteln. Man ist geneigt zu fragen: Was ist bloß los? Wo ist euer Problem?

„Was du nicht willst, was man dir tu, das füg auch keinem anderen zu.“ Ein Gesetz ist diese Goldene Regel nicht, aber sie ist der kleinstmögliche Nenner für einen vernünftigen Umgang miteinander. Dieser ethische Grundsatz gilt für viele nicht mehr. In den neuen Kommunikationsmedien, die ihren Zusatz „sozial“ längst verwirkt haben, schlägt die Stimmung oft schon beim kleinsten Missfallen in Wut und Zorn um. Das Gegenmittel kann nur heißen: Haltung zeigen, gegensteuern, nicht wegducken, Farbe bekennen, glaubt das GrenzEcho.

Kommt die neue alte Koalition in Flandern?

Zur Regierungsbildung in Flandern notiert Het Laatste Nieuws: Höchstwahrscheinlich wird es jetzt eine Regierung aus N-VA, CD&V und OpenVLD. Die alte Koalition würde also wieder die neue, obwohl alle drei Parteien bei der Wahl Stimmen verloren haben. Aber diese Koalition macht Sinn. Sie bedeutet mit 70 von 124 Sitzen eine solide Mehrheit im Parlament. Mit der SP.A statt der CD&V in der Koalition wäre es hingegen nur eine sehr knappe Mehrheit von einem einzigen Abgeordneten gewesen. Die Wiederauflage der Schwedischen Koalition macht deshalb Sinn, schlussfolgert Het Laatste Nieuws.

Auch Het Nieuwsblad findet: Diese Koalition ist wohl die realistischste Wahl, die Informator Bart De Wever treffen konnte. Allerdings ist zu hoffen, dass dieser neuen alten Koalition frisches Leben eingehaucht wird – und zwar mit neuen Köpfen. Gerade OpenVLD und CD&V müssen daran ein Interesse haben. Sonst drohen beiden Parteien bei den nächsten Wahlen noch weitere Verluste. Die Verjüngungskur muss jetzt geschehen. Und zwar noch, bevor die neuen Posten in der Regierung vergeben werden, rät Het Nieuwsblad.

Gazet van Antwerpen bemerkt: Im Grunde ist es egal, welche Parteien in der neuen flämischen Regierung sitzen werden. Wichtig ist den Bürgern, dass endlich mal etwas getan wird. In den vergangenen fünf Jahren wurde nur gestritten und kaum gehandelt. Das muss die neue Regierung anders machen. Unbedingt!, fordert Gazet van Antwerpen.

Theo? Oder doch Bart? Und was ist mit der PS?

De Morgen macht sich Gedanken zu den Personalien, über die zurzeit spekuliert wird: Jetzt soll also Jan Jambon neuer Ministerpräsident in Flandern werden. Und nicht De Wever, wie es vor den Wahlen geheißen hatte. Natürlich ist das in gewisser Weise Wahlbetrug. Aber in Belgien hat man sich an so etwas ja längst gewöhnt. Logisch wäre jetzt, wenn Theo Francken dann auf föderaler Ebene der starke Mann der N-VA wird. Für die frankophonen Parteien wäre das sicher schwer zu ertragen. Er gilt ihnen ja als Reizfigur. Oder will doch Bart De Wever selbst jetzt auf die föderale Ebene? Ganz unwahrscheinlich ist das nicht, hält De Morgen fest.

De Standaard analysiert: Jetzt macht Bart De Wever also Nägel mit Köpfen und stellt damit die anderen Parteien auf föderaler Ebene vor vollendete Tatsachen: Eine neue Föderalregierung ohne N-VA wird es nicht geben. Diese Bedingung wird De Wever seinen flämischen Koalitionspartnern CD&V und OpenVLD mit Sicherheit abgerungen haben. Das macht die Situation auf föderaler Ebene natürlich nicht einfacher: Die PS müsste es akzeptieren, einer solchen rechten Regierung beizutreten. Bart De Wever könnte die Sozialisten mit folgender Formel locken: Mehr Geld für die Wallonie, dafür aber auch Gespräche über mehr Konföderalismus, orakelt De Standaard.

Kay Wagner

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Ein Kommentar
  1. Marcel scholzen Eimerscheid

    Greta Thunberg hat eindeutig den Bogen ueberspannt. Der Besuch des Hambacher Forstes ist nicht so sehr das Problem, sondern ihr offenes Sympathiesieren mit so fragwuerdigen linksextremen Gruppen wie „Ende Gelaende“, die bei ihren Aktionen fremdes Eigentum nicht respektieren. Als Jugendidol ist sie deswegen nicht geeignet. Und mit der Pressefreiheit scheint sie es auch nicht so genau zu nehmen. Die hat naehmlich Journalisten des Saales verwiesen auf dem Kinder-Klimagipfel in Lausanne.

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