Die Presseschau von Dienstag, dem 6. August 2019

Belgien ist geschockt vom Tod des 22-jährigen Radsport-Talents Bjorg Lambrecht. Aber es sind auch internationale Themen, auf die die Presse mit Sorge blickt: die Massaker in El Paso und Dayton beziehungsweise die Reaktion von Donald Trump darauf und der eskalierende Handelskrieg zwischen den USA und China.

Radprofi Bjorg Lambrecht ist am Montag nach einem Sturz bei der Polen-Rundfahrt ums Leben gekommen (Archivbild: Yorick Jansens/Belga)

Radprofi Bjorg Lambrecht ist am Montag nach einem Sturz bei der Polen-Rundfahrt ums Leben gekommen (Archivbild: Yorick Jansens/Belga)

„Bjorg Lambrecht: 1997 – 2019“, titelt nüchtern Het Belang van Limburg. „Abschied von unserem größten Kletter-Talent“, so die Schlagzeile von Gazet van Antwerpen. „Er war eines der ganz großen belgischen Radsport-Talente“, schreiben L’Avenir und Le Soir auf Seite eins.

Mit nur 22 Jahren ist die belgische Radsport-Hoffnung Bjorg Lambrecht am Montag bei der Polen-Rundfahrt gestorben. Er war bei der dritten Etappe schwer gestürzt, konnte zwar noch wiederbelebt und ins Krankenhaus gebracht werden, wo er dann aber seinen schweren Verletzungen erlag. Die belgische Radsport-Welt steht unter Schock. „Bjorg Lambrecht wird immer das weiße Trikot bleiben“, schreibt emotional Het Laatste Nieuws. Lambrecht war im Juni beim renommierten „Dauphiné libéré“ der beste Jung-Profi, was mit dem weißen Trikot belohnt wird. „Er war ein kleiner Kletterer mit einer großen Zukunft“, schreibt Het Nieuwsblad. „Beim Aufstieg aus dem Leben gerissen“, titelt La Dernière Heure.

Der Tod von Bjorg Lambrecht ist der letzte in einer regelrechten schwarzen Serie. In den vergangenen zehn Jahren hat der belgische Radsport zehn Profis verloren. Sie starben allesamt entweder an den Folgen eines schweren Sturzes oder an Herzproblemen.

„Aus dem Leben gerissen“

„Die Gladiatoren der Straße“, würdigt Gazet van Antwerpen die Radsportler. Die Spitzensportler, denen wir so gerne zujubeln, setzen buchstäblich ihr Leben aufs Spiel. Die Liste der schweren Stürze ist lang. Es gibt wohl keinen Profi, der nicht mindestens einmal eine schwere Verletzung davongetragen hat. Im Moment ist sogar die Formel 1 sicherer. Diese Feststellung ist eigentlich aberwitzig. Das Schicksal entscheidet.

„Aus dem Leben gerissen“, trauert auch Het Laatste Nieuws. Bjorg Lambrecht, 22 Jahre, ist tot. Er war ein Riesentalent. Ein angehender Bergspezialist, prädestiniert, um schon bald im Rhythmus des Toursiegers Egan Bernal im Hochgebirge zu folgen. In dieser Saison hatte er schon seine Klasse durchscheinen lassen – und das Land hatte ihn ins Herz geschlossen. Das Drama am Montag war streng genommen ein Arbeitsunfall: „Berufsrisiko“, heißt es da zuweilen. Aber bei einem Radrennen ums Leben zu kommen, das darf doch nicht Teil des Jobs sein. Oder?

Weißen Rassismus verurteilt – aber nicht die Waffen

Viele Zeitungen blicken aber auch wieder in die USA. „El Paso und Dayton bewegen Trump nicht zu großen Taten“, so etwa die Aufmachergeschichte von De Standaard. US-Präsident Donald Trump hat sich am Montag in einer Rede an die Nation gewandt. Er reagierte damit auf die beiden Anschläge von El Paso und Dayton. Zwei Schützen hatten insgesamt 29 Menschen getötet und Dutzende weitere verletzt. Mindestens der Täter von El Paso handelte offensichtlich aus Fremdenhass. Zwar hat Trump den weißen Rassismus vergleichsweise klar verurteilt. Neue, restriktivere Waffengesetze werden aber wohl nicht kommen. „Trump bleibt vage in Sachen Feuerwaffen“, bemerkt auch Le Soir.

Donald Trump hat es tatsächlich geschafft, diesmal ausdrücklich den weißen Rassismus beim Namen zu nennen, stellt L’Echo in seinem Leitartikel fest. Vollkommen zu Recht natürlich. Zynisch ist dabei allerdings, dass er mit eben dieser hasserfüllten Ideologie seit Jahren selbst flirtet. Außerdem macht er Computerspiele, das Internet und die angeblichen „Fake News“-Medien für die Massaker verantwortlich, nicht die Waffen. 29 Menschen wurden aus dem Leben gerissen. Hoffen wir, dass die Amerikaner den Ernst der Lage erkennen und ihre Konsequenzen daraus ziehen.

Der Handelskrieg wird heiß

„China deklariert den Währungskrieg und die Märkte stürzen ab“, so derweil die Schlagzeile der Wirtschaftszeitung L’Echo. „Die chinesische Vergeltung versetzt die Märkte in Panik“, so auch die bedrohliche Schlagzeile auf Seite eins von De Tijd. „Die Börsen müssen erneut schwer einstecken“, titelt Het Nieuwsblad.

Der Handelskrieg zwischen den USA und China eskaliert. Peking hat die Landeswährung Yuan abgewertet. Das führt insbesondere dazu, dass chinesische Exporte günstiger werden, wodurch die von den USA verhängten Zölle kompensiert werden. Außerdem hat China entschieden, keine landwirtschaftlichen Produkte mehr aus den Vereinigten Staaten zu importieren.

Der Handelskrieg mit China ist aus dem Ruder gelaufen, glaubt das GrenzEcho. Der Nebeneffekt ließ nicht lange auf sich warten: Investoren schickten die Börsen Richtung Tiefrot. Die negativen Folgen stellen sich schneller ein, als manche erwartet hatten. Und in Europa fehlt der EZB eigentlich der Handlungsspielraum, um im Fall einer drohenden Rezession gegensteuern zu können. Euros gibt es ja schon länger zum Nulltarif.

Der Handelskrieg wird jetzt definitiv heiß, analysiert auch De Tijd in ihrem Leitartikel. Jede Hoffnung, dass es vielleicht doch noch kurz vor knapp zu einer Einigung kommen könnte, ist erstmal verdampft. Die Auswirkungen werden weltweit zu spüren sein, auch bei uns in Europa. Die Geldabwertung ist eine gefährliche Waffe. Dadurch kann China den internationalen Wettbewerb gründlich verzerren. Hinzu kommt: China wird sich nach neuen Absatzmärkten umsehen – und dazu gehört natürlich auch die EU. Europa kann sich schwerlich dagegen wappnen. Natürlich kann man Maßnahmen ergreifen, etwa, um sich gegen Dumping zu wehren. Allerdings: Wenn Brüssel sich an der Zollspirale beteiligt, dann werden die negativen Folgen nur noch größer. Für die USA kann die Lage auch gefährlich werden: Donald Trump hat sich derartig isoliert, hat sowohl Europa als auch Japan derartig brüskiert, dass da von Blockbildung keine Rede mehr sein kann. Und das stärkt nur die chinesische Position.

Roger Pint

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