Die Presseschau von Dienstag, dem 23. April 2019

Die Zeitungen beschäftigen sich am Dienstag mit den Anschlägen auf Kirchen und Hotels in Sri Lanka. Einige Leitartikler unterstreichen in diesem Zusammenhang die Bedeutung der demokratischen Werte oder deuten auf die gefährliche Rolle der sozialen Netzwerke. Zum Schluss geht es auch um einen neuen Hockey-Erfolg.

Sri Lanka

Trauer in Sri Lanka: Rund 300 Menschen kamen bei den Anschlägen am Ostersonntag ums Leben (Bild: Jewel Samad/AFP)

„Immense Trauer um mindestens 290 Tote“, titelt Gazet van Antwerpen. „Die Menschen auf Sri Lanka sind nahe der Verzweiflung“, so die Schlagzeile von Het Belang van Limburg. „Eine neue, klaffende Wunde für Sri Lanka“, schreibt De Standaard auf Seite eins.

Die Insel Sri Lanka im Indischen Ozean ist am Ostertag von einer spektakulären Anschlagserie erschüttert worden. Bei nahezu zeitgleichen Explosionen in christlichen Kirchen und in Touristenhotels kamen insgesamt mindestens 290 Menschen ums Leben. „Islamisten werden für die schrecklichen Anschläge in Sri Lanka verantwortlich gemacht“, notiert La Libre Belgique auf ihrer Titelseite. „Islamisten unter Verdacht“, schreibt auch das GrenzEcho.

Für L’Echo scheint es indes keinen Zweifel zu geben: „Sri Lanka wurde vom islamistischen Terror getroffen“, so die Schlagzeile. Het Laatste Nieuws wird konkreter: „Alles deutet auf die Terrororganisation IS hin“, schreibt das Blatt. Denn es ist so: Viele Beobachter trauen der örtlichen Islamisten-Gruppe einen Anschlag dieser Größenordnung nicht zu. Man geht also davon aus, dass IS technische und logistische Hilfe geleistet hat.

Anscheinend waren die Behörden aber gewarnt. In der örtlichen Presse wurde ein Schreiben veröffentlicht, aus dem hervorgeht, dass man von möglicherweise bevorstehenden Attentaten wusste. „Vor zehn Tagen gab’s eine Warnung und doch sind jetzt 290 Menschen tot“, so die anklagende Schlagzeile von Het Nieuwsblad.

Anschlag auf die zivilisierte Gesellschaft in ihrer Gesamtheit

Immer wieder Terror zu Ostern, beklagt La Dernière Heure in ihrem Leitartikel. Christen und insbesondere Katholiken werden in der Welt immer wieder das Ziel von Anschlägen. 2016 gab es zu Ostern eine Attacke auf Christen in Pakistan. Zwölf Monate später gab es in Ägypten Blutvergießen in zwei Kirchen. Sich zuhause einzuschließen und aufzuhören zu leben, ist zwar keine Lösung, man kann aber verstehen, dass Leute kein Risiko mehr eingehen wollen.

In jedem Fall wollte hier jemand eine Lunte entzünden, glaubt De Standaard. Sri Lanka ist ein multikulturelles Land, das sich eben deswegen zum Pulverfass entwickeln kann. Eigentlich wird die Insel von Buddhisten dominiert. Moslem und Christen sind gleichermaßen Minderheiten. Deswegen kann man sich die Frage stellen, warum eine Minderheit es wohl auf die andere abgesehen haben könnte. Genau diese Feststellung mag darauf hindeuten, dass hier tatsächlich der IS die Strippen gezogen hat.

Die Anschläge von Sri Lanka sind wohl die blutigsten seit dem 11. September, stellt Het Laatste Nieuws fest. Wenn die Terrororganisation IS beweisen wollte, dass sie noch über Schlagkraft verfügt, dann ist das wohl auf zynische Weise gelungen. Diese Gräueltaten sind ein Anschlag auf die zivilisierte Welt in ihre Gesamtheit. Es ist ein Anschlag auf die kulturelle Vielfalt. Wer so etwas tut, der stellt sich außerhalb der Menschlichkeit. Jetzt liegt es an uns allen, zu demonstrieren, was ein tolerantes Zusammenleben ist.

Das Lagerdenken dürfen wir uns nicht aneignen

Und das passiert ausgerechnet auf Sri Lanka, in einem sehr fragilen Land, in einer sehr fragilen Region, konstatiert Gazet van Antwerpen. Jahrzehntelang wütete auf der Insel ein blutiger Bürgerkrieg, der erst vor zehn Jahren endete. Das Trauma sitzt tief. Und doch lebten Menschen verschiedener Religionen in den letzten Jahren friedlich zusammen. Diese Anschläge bringen nun alles wieder in Gefahr. Jetzt wird es von den politisch Verantwortlichen abhängen: Wenn sie wirklich den Terrorismus bekämpfen wollen, müssen sie Einheit und Toleranz predigen. Ansonsten war das nicht der letzte Anschlag.

L’Avenir schlägt in dieselbe Kerbe. Ziel der Terroristen ist es, die Spannungen zwischen den verschiedenen Volksgruppen und Religionen anzuheizen. Sie wollen Hass säen, das Land destabilisieren, die verschiedenen Gemeinschaften gegeneinander aufhetzen. Die Regierung in Sri Lanka darf diese Spiel nicht mitspielen, muss die Spirale durchbrechen. Man braucht Jahre, um eine tolerante und friedliche Gesellschaft aufzubauen. Es reichen allerdings nur wenige Minuten, um mit blindem Hass und einigen Bomben alles wieder zu zerstören.

Das Muster ist immer das gleiche, meint auch Het Belang van Limburg. Wie auch schon bei den Anschlägen in Europa und auch in Belgien, geht es immer darum, die Polarisierung auf die Spitze zu treiben: ein Lagerdenken, nach dem Motto „Wir gegen die“, Moslems gegen Buddhisten beziehungsweise Christen. Das ist das Ziel der Terroristen. Aber es darf nie das unsrige werden.

Aus den sozialen Netzwerken tropft Blut

Für Het Nieuwsblad spielen in alledem soziale Netzwerke eine gefährliche Rolle. Nicht umsonst haben die Behörden in Sri Lanka unmittelbar nach den Anschlägen Facebook und WhatsApp abgeschaltet. Sie wollten verhindern, dass Fake News in die Welt gesetzt werden, die zu neuen Gewaltexzessen hätten führen können. In Indien ist so etwas schon passiert. Und in Myanmar wurden soziale Medien benutzt, um den Völkermord an den muslimischen Rohingyas anzurichten. Für die Herren Zuckerberg und Co. ist Asien der letzte Wachstumsmarkt. Von wem und wofür Facebook und andere genutzt werden, das ist ihren Bossen egal. Aus den sozialen Netzwerken tropft Blut.

„Waterloo auf dem Dach von Europa“, titelt schließlich überschwänglich La Dernière Heure. Gemeint ist die örtliche Hockeymannschaft. Die „Waterloo Ducks“ haben die Vereinseuropameisterschaft gewonnen, das ist das Pendant zur Championsleague. Die Schlagzeile von La Libre Belgique „Die Watducks sind Europameister“.

Roger Pint

Kommentar hinterlassen
Keine Kommentare
Kommentar hinterlassen

Ihre Email-Adresse wird niemals veröffentlicht!
Pflichtfelder sind mit * gekennzeichnet.
Bitte beachten Sie unsere Richtlinien zu Kommentaren.

Restl. Anzahl Wörter: 150