Die Presseschau von Dienstag, dem 24. Oktober 2017

Viele Zeitungen beschäftigen sich wieder mit den neuen Erkenntnissen im Fall der Brabanter Killerbande. Außerdem ein Streik der FGTB beim Waffenhersteller FN Herstal und fünf Minister auf Reisen mit Prinzessin Astrid.

Fahndungsplakat aus dem Jahr 1998 - die Nummer 19 ist der "Riese"

Fahndungsplakat aus dem Jahr 1998 - die Nummer 19 ist der "Riese" (Bild: Belga)

Auch heute sind die Entwicklungen im Fall der Brabanter Killerbande Thema vieler Tageszeitungen. 32 Jahre nach dem letzten Überfall scheint es einen Durchbruch gegeben zu haben, schreibt Het Belang van Limburg. Dieser ist aber nicht der Arbeit der x-ten Generation von Ermittlern zu verdanken, sondern den Gewissensbissen eines ehemaligen Gendarmen. Wir wollen nicht schon wieder über Vertuschung reden, aber hoffentlich können die Ermittler dieses Mal der Spur bis zum Ende folgen. Nicht nur für die Opfer, sondern für das ganze Land, so dass wir endlich das Kapitel zuschlagen können, hofft Het Belang van Limburg.

La Libre Belgique fühlt mit den Angehörigen der 28 Opfer. Drei Jahrzehnte lang mussten sie durch Phasen großer Hoffnung und tiefer Niederschläge gehen. Sie mussten viel hören, lesen und ertragen: Unzählige Albernheiten, unsichere Zeugenaussagen, Spuren, die in einer Sackgasse endeten und Enthüllungen, die keine waren. Verständlich, dass die mögliche Identifizierung des „Riesen“ mit Vorsicht und Distanz aufgenommen wird. Sicherlich, die Aussage des Bruders des ehemaligen Gendarmen scheint seriös. Doch es gab zu viel Desillusion, falsche Hoffnungen und Anschuldigungen ohne Folgen, dass man jetzt schon jubeln könnte, meint La Libre Belgique.

Der Schleier der 80er lüftet sich

Gazet van Antwerpen analysiert: Es hat sich seit den 1980er Jahren viel verändert in diesem Land. Es ist jetzt der Moment gekommen, zu beweisen, dass die Reform von Polizei und Justiz richtig gewesen ist. Jetzt kommen alle Geschichten über die Killerbande von Brabant wieder hoch: die grausamen Anschläge, die unbegreiflichen Kehrtwendungen in den Ermittlungen, die plötzliche Verlagerung des Dossiers, die zahllosen Komplott-Theorien und die zwei Untersuchungskommissionen, die es auch nicht geschafft haben, etwas Konkretes herauszufinden. Man ist verdutzt, wie die Behörden damals funktionierten. Wir leben nun in anderen Zeiten. Die Gendarmerie besteht nicht mehr, es gibt ein Komitee P und die Polizei ist integriert. Aber das alles bietet keine Garantie. Es kann immer noch schiefgehen. Es braucht mehr Geständnisse oder eindeutige Hinweise, um die Ermittlungen erneut in Angriff zu nehmen, meint Gazet van Antwerpen.

Allmählich lüftet sich der Schleier der bleiernen 80er Jahre, schreibt De Morgen. Wenn sich das alles bestätigt, was jetzt über die Brabanter Killerbande herauskommt, dann war das vor drei Jahrzehnten keine Verbrechenswelle, sondern Terrorismus im wahrsten Sinne des Wortes. Der hartnäckigste Terrorismus, den dieses Land jenseits von Kriegszeiten gekannt hat. Es scheint tatsächlich das Ziel gewesen zu sein, das Zusammenleben zu zersetzen und den Rechtsstaat umzustürzen. Politiker der heutigen Generation stehen dann auch vor der zwingenden Aufgabe dahin zu gehen, wo ihre Vorgänger es nicht wagten oder durften. Nur dann kann die völlige Wahrheit ans Licht kommen, mahnt De Morgen.

Wer ist schuld am Fiasko?

L’Avenir kommentiert: Angesichts des Versagens kann sich der Bürger schon fragen, ob es tatsächlich einen Willen gab, die Schuldigen zu finden. Oder Schlimmer: Ob es Mitte der 80er Jahre vielleicht den Willen gab, die Ereignisse zu nutzen, um gewisse politische Strömungen zu stärken. Zehn Jahre vor dem Dutroux-Skandal, der die Gendarmerie am Ende abschaffte, war der Polizeikrieg schon längst im Gange. Sollte sich herausstellen, dass die Dysfunktionen, die Hindernisse oder das Protegieren der Grund für das Ermittlungsfiasko waren, dann hat der belgische Staat gegenüber seiner Bevölkerung und vor allem gegenüber den Familien der 28 Todesopfer eine beträchtliche Schuld, stellt L’Avenir fest.

Streik bei FN

Die Wirtschaftszeitung L’Echo kritisiert den Streik der Sozialistischen Gewerkschaft FGTB beim Waffenhersteller FN Herstal. Die blockiert die Fabrik, weil sich die Direktion weigert, den Arbeitern eine Lohnerhöhung von 2,2 Prozent zu gewähren. Die FGTB führt einen Kampf aus dem letzten Jahrhundert und schießt sich dabei ins eigene Knie. Ihre Haltung ist umso unverständlicher, als dass sie das Weiterbestehen des Unternehmens gefährdet. Wegen der Debatte über die Exportlizenzen geraten die Waffenhersteller unter Druck. Die Pazifisten des GRIP, der Forschungsgruppe für Frieden und Sicherheit, haben es nicht geschafft, FN Herstal zu schließen, um dort Golfbälle herzustellen. Man könnte meinen, die FGTB bekommt das besser hin, spottet L’Echo.

Ab in die Walachei mit Steuergeldern

Die Reise der Wirtschaftsdelegation unter Prinzessin Astrid zur Elfenbeinküste ist Thema eines Kommentars in Het Laatste Nieuws. Die Zeitung stört sich daran, dass insgesamt fünf Minister mit dabei sind und fragt sich: Haben die wirklich nichts Besseres zu tun? Fällt ihnen trotz ihrer Intelligenz und Macht nicht auf, dass unser Zusammenleben hier wichtiger ist, als eine ganze Arbeitswoche in der Walachei von Afrika? Können sie mit ihrer kostbaren Zeit und unserem Steuergeld nicht etwas machen, wovon wir mehr haben, als von einer Hand voll Verträge, die belgische Unternehmen auch ohne ministerielle Unterstützung abschließen würden?, so die rhetorische Frage von Het Laatste Nieuws.

Volker Krings

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