14. August 2026. Das Venn brennt - schon in der ersten Nacht gehen hunderte Hektar in Flammen auf. Man könnte jetzt Dinge schreiben wie: historisch, Weckruf, für immer ins Gedächtnis gebrannt. Obwohl gebrannt als Wort hier wohl schlecht gewählt ist. Aber ehrlich gesagt fühlt sich der 14. August mit etwas Abstand nicht so einzigartig an - auch nicht wie ein Wendepunkt oder ein Weckruf, sondern nur wie ein "schon wieder". Schon wieder eine neue Eskalationsstufe, schon wieder eine Katastrophe. Eine weitere Tragödie, ein weiterer Tropfen in ein Fass, das schon lange überläuft.
Wie viele Katastrophen braucht es noch, damit wir endlich handeln? Damit wir aus "jetzt oder nie" endlich "jetzt" machen? Wir können nicht immer erwarten, dass Einsatzkräfte ihr Leben einsetzen, um unseren Mangel an Voraussicht aufzuwiegen. In einer Zeit, in der sich bald Katastrophen-Gedenktage aneinanderreihen werden wie Sonntage auf dem Feiertagskalender, ist das überfällig. Die Warnungen sind da, die Lösungen liegen schon lange auf dem Tisch.
Nicht falsch verstehen: Dieses Feuer war eine unglaubliche Katastrophe. Torfschichten brannten wie Bücher im Krieg. Tausende Jahre Geschichte, die Wurzeln unserer Region, einfach weg. Für immer - oder zumindest für sehr lange Zeit. Ich hoffe, dass wir diesen Schmerz nutzen. Wir dürfen die Flammen nicht vergessen, sobald das Gras die verbrannten Torfschichten wieder grün färbt, denn das Pfeifengras im Venn ist nur Zunder für das nächste Feuer. Es ist kein Zeichen von Reparatur, kein Zeichen von Hoffnung, keins von einer widerstandsfähigen Zukunft.
Deshalb: Bloß kein Gras über die Sache wachsen lassen! Wenn Belgien bei knappen Kassen Milliarden "finden" kann, um Flugzeuge und Armee zu stärken, dann muss sich auch irgendwo Geld für eine bessere Zukunft des Venns verstecken. Schließlich geht es bei beiden Themen um die Widerstandsfähigkeit unserer Gesellschaft.
Ich bin überzeugt, jetzt hilft nur noch die Flucht nach vorne. Wir könnten unsere Ideen von den Funken tragen lassen. Stellt euch vor: In hundert Jahren steht unterm Strich mehr, statt weniger Venn. Ein grenzübergreifendes, riesiges Moor-Schutzgebiet, mit Raum für alle Lebewesen, um sich zu entfalten und Platz für Wohlstand und Wachstum. Ein Projekt, von Feuer geschmiedet, von Wasser erhalten. Dann könnten wir endlich, endlich ein gutes Gewissen haben, wenn wir auf eine Katastrophe zurückblicken. Ein Gedenktag wie ein Sonntag, an dem wir sagen können: "Wir haben es geschafft. Wir haben nicht nur daraus gelernt, wir haben es besser gemacht."
Anne Kelleter