"O schaurig ist's über's Moor zu gehn" – Die berühmten Worte von Annette von Droste-Hülshoff stammen zwar nicht aus dem Hohen Venn. Und doch scheinen sie in diesen Tagen eine besondere Aktualität zu bekommen. Wo sonst Nebel über der Heide liegt, Wasserläufe durch das Moor ziehen und der Wind über die Hochflächen streicht, bestimmen Rauch, Flammen und Asche das Bild.
Seit letztem Freitag wütet im Hohen Venn ein Großbrand. Inzwischen sind rund 3.000 bis 3.200 Hektar betroffen. Menschen mussten vorsorglich ihre Häuser verlassen, konnten aber wieder zurückkehren. Zahlreiche internationale Einsatzkräfte unterstützen die belgischen Feuerwehren bei der Bekämpfung des Brandes. Der Einsatz der Landwirte, Lohnarbeiter und vielen anderer anderer im Hintergrund war und ist noch herzerwärmend und zeigt, dass in der größten Not, die Menschlichkeit wieder in den Vordergrund rückt und das tut gut zu beobachten.
Regen hat die Lage zuletzt etwas entspannt. Doch Entwarnung gibt es nicht. Gerade im Moor ist Feuer besonders schwer zu bekämpfen. Flammen können an der Oberfläche verschwinden und im trockenen Torfboden weiterglimmen. Brandherde können dadurch lange verborgen bleiben und später erneut aufflammen.
Was heute geschieht, erinnert unweigerlich an den Sommer 1911. Damals herrschten ebenfalls außergewöhnliche Hitze und Trockenheit. Am 1. August brach ein Feuer aus, das sich über große Teile des Hohen Venns ausbreitete und über Wochen immer wieder aufflammte.
Mehr als 2.000 Menschen – darunter belgische und preußische Soldaten sowie zahlreiche Zivilisten – kämpften gegen die Flammen. Ihre Mittel waren einfach: Schaufeln, Besen und von Hand angelegte Brandschneisen. Doch der Wind trieb das Feuer immer wieder weiter. Auch damals brannte das Venn nicht nur an der Oberfläche. Trockene Torfschichten konnten unterirdisch weiterglimmen.
Die damaligen Berichte vermitteln ein erschütterndes Bild. Das brennende Venn wurde mit einem Vulkanausbruch und sogar mit Dantes "Hölle" verglichen. Die Katastrophe war so gewaltig, dass sie zu einem Ereignis wurde, das weit über die Region hinaus Aufmerksamkeit erregte. Rund 4.000 Hektar Heide- und Waldfläche wurden damals zerstört.
Vielleicht ist es gerade diese Erinnerung, die den heutigen Brand so bedrückend macht. Das Hohe Venn ist keine gewöhnliche Waldfläche. Es ist eine einzigartige Moor- und Heidelandschaft, ein Lebensraum für seltene Pflanzen und Tiere und zugleich ein Stück Heimat – auf beiden Seiten der Grenze.
1911 zeigte die Katastrophe, wie verletzlich dieses Naturgebiet ist. Sie trug auch dazu bei, dass der Gedanke an den Schutz des Hohen Venns stärker ins Bewusstsein rückte. Heute, 115 Jahre später, erleben wir erneut, wie schnell sich dieses scheinbar unberührbare Landschaftsbild verändern kann.
Noch ist nicht abzusehen, welche Spuren der Brand von 2026 hinterlassen wird. Sicher ist nur: Das Venn wird nach diesem Feuer anders aussehen.
Doch Landschaften können sich erholen. Moor, Heide und ihre Pflanzenwelt haben eigene Kräfte der Regeneration. Was verbrannt ist, kommt nicht einfach zurück – und manche Schäden werden Jahrzehnte sichtbar bleiben. Aber aus der Asche wird neues Leben entstehen.
Vielleicht liegt darin auch die wichtigste Erinnerung an 1911: Eine Katastrophe kann ein Ende bedeuten, aber sie kann zugleich ein Anfang sein. Damals führte der Brand zu einem neuen Bewusstsein für den Schutz des Venns.
Heute stehen wir erneut vor der Frage, wie wir mit dieser einzigartigen Landschaft umgehen wollen. Das Feuer macht sichtbar, was sonst leicht vergessen wird: Das Hohe Venn ist nicht selbstverständlich. Es ist kostbar, verletzlich – und es gehört zu einer gemeinsamen Heimat auf beiden Seiten der Grenze.
Christophe Ramjoie
1911 brannten 4000 Hektar. Jetzt sollns 3000 gewesen sein.
Und wir wissen garnicht, obs wirklich 3000 Hektar diesmal wirklich waren. Weil kaum Wald verloren ging, sondern, eher noch relativ reversibel, meist Torf-Busch und Wiese am brennen waren.
Viel schlimmer scheints schon wieder in Deutschland zu sein.
Neben den immer schlimmeren Wildfires dort gegen die letzten noch nicht weggerissennen Wälder sterben scheinbar jährlich 100.000 Hektar letzter Wald einfach weg durch den toxischen Mix aus [osteuropäischem] LKW-Ruß, Sturmriss und Extremsthitze wie nie zuvor und dem Borkenkäfer.
Ernsthaft Probleme hat der Vennbrand der physischen Sicherheit den umliegenden Dorgemeinden bereitet. Dieses Risiko [Leykaul und Küchelscheid mussten evakuiert werden] ist wirklich als Naturkatastrophe zu bezeichnen und wird "Euregio-"Katastrophenschutz" verlangen.
Zzgl. der Gift-Dunst-Wolken.
Es ist doch mal erfrischend einen Kommentar zu hören der nicht gleich vom menschengemachten Klimawandel als Grund für den oder die Brände spricht. Ja, bereits 1911 gab es aussergewöhnlich warme und trockene Perioden, auch ohne dass man dies gleich mit einem CO2 Ausstoss in Verbindung brachte. 99% der Wald- und Wiesenbrände sind wohl von Menschen verursacht, direkt oder indirekt, jedenfalls aber nicht von CO2 Ausstössen und auch nicht vom Klimawandel.
Sehr gute Anstösse in diesem Kommentar, da es um die Frage geht wie der Mensch sich positionniert zu den Natürlichen Einheiten, in diesem Fall zum Hohen Venn.
Wenn das Hohe Venn eine Stimme hätte, was würde es uns jetzt im Nachhinein sagen? Welche Bilanz würde das Hohe Venn ziehen?
Es wäre wünschenswert unsere
anthropozentrischen Haltung zu hinterfragen und die Zukunft zu gestalten wo Mensch und Landschaft gleichberechtigt behandelt werden und jeder zu seinem Recht kommt.
Nochmal einen grossen Dank für den Einsatz aller Menschen in der letzten Woche (und vorher).
Diese Brandkatastrophe muss auch ein politisches Nachspiel haben. Es muss darüber diskutiert werden, ob Zivilschutz, Feuerwehr, etc gut ausgerüstet und gut ausgebildet sind. Anscheinend nicht, denn sonst wäre fremde Hilfe nicht notwendig gewesen. Es ist wie immer. Es muss zu erst was schlimmes passieren bevor was unternommen wird. Das Schaffen "schöner Pöstchen" war eben wichtiger.
Wenn die einzige Lehre dieser Katastrophe die Frage sein sollte, wie wir in Zukunft mit dem Hohen Venn umgehen sollen, ist diese für für viele Menschen in unserer Gegend identitätsstiftende Landschaft wohl umsonst verbrannt.
Selbstverständlich hat der Klimawandel nicht das Venn entzündet -dies war wohl eher ein fahrlässig oder kriminell handelndes Exemplar der Gattung Homo Sapiens- aber die Folgen des durch den Menschen und die Verbrennung fossiler Brennstoffe verursachten Klimawandels, begünstigen solche und andere Naturkatastrophen.
Da können die Ewiggestrigen noch so reaktionär gestikulieren, früher habe es auch Hitzeperioden gegeben. Geschenkt.
Die Prognosen der Wissenschaft zu den Folgen des Temperaturenanstiegs sind seit Jahrzehnten eindeutig und treffen zu:
- Gletscherschwund,
- erhöhtes Risiko für Sturzfluten, häufigere Überschwemmungen, verstärkte Erosion,
- Verringerung der Schneedecke und des Wintertourismus,
- erheblicher Artenverlust,
- hohe Temperaturen und Dürre ,
- reduzierte Wasserverfügbarkeit, reduziertes Wasserkraftpotenzial, reduzierte Ernteerträge,
- wachsende Gesundheitsrisiken aufgrund von Hitzewellen,
- Erhöhte Häufigkeit von Waldbränden und Naturkatstrophen.
(Quelle: IPPC 2007)
Noch Fragen?
Nach vielen Jahren der Abwesenheit habe ich das Hohe Venn im letzten Jahr wieder entdeckt. Die Landschaft ist einzigartig ! In diesem Jahr war ich wieder da. Was mir auffiel: Das Moor wirkte völlig ausgetrocknet. Vieles wirkte ausgetrocknet.
Eine erschreckende Beobachtung musste ich während einer Radtour auf der Vennbahn zwischen Monschau und Waimes machen: Ich sah, wenn Menschen auf offenem Feuer Speisen erwärmten.
Diese Ignoranz ist für den Brand des Venns verantwortlich.