Die Enttäuschung bei Spielern, Familien und Fans war nach dem Spiel in Los Angeles und im ganzen Land riesig. Dennoch hinterlässt das Turnier bei den Roten Teufeln einen Eindruck, der über das reine Ergebnis hinausgeht. Nach einer Phase großer Skepsis im eigenen Land entwickelte sich die Mannschaft während der Weltmeisterschaft wieder zu einem Team, das die Unterstützung der Fans zurückgewonnen hat.
Es wirkte fast wie eine Rückkehr zu den klassischen belgischen Tugenden: Kampfgeist, Zusammenhalt und eine starke Mentalität standen stärker im Mittelpunkt als die spielerische Brillanz vergangener Generationen. Die Mannschaft überzeugte nicht immer durch technisch herausragenden Fußball, zeigte aber eine enorme Geschlossenheit und den Willen, füreinander zu kämpfen.
Zu Beginn des Turniers war die Stimmung rund um die Nationalmannschaft noch zurückhaltend. Viele Beobachter zweifelten daran, ob diese belgische Generation für große Momente sorgen könnte. Doch mit jedem Spiel wuchs die Begeisterung. Die Leistungen der Mannschaft sorgten dafür, dass die Unterstützung im ganzen Land immer größer wurde.
Einen besonderen Schub erhielt Belgien im Umfeld des Spiels gegen die USA. Eine ungewöhnliche Geschichte rund um den gesperrten Balogun und ein öffentlich bekannt gewordenes Telefonat zwischen US-Präsident Donald Trump und FIFA-Präsident Gianni Infantino sorgte international für zusätzliche Aufmerksamkeit. Die Diskussionen rund um die Entscheidung und die anschließenden Reaktionen brachten den Roten Teufeln weltweit neue Sympathien ein.
Nach dem überzeugenden 4:1-Erfolg gegen die USA wuchs die Begeisterung weiter. Der Auftritt der Mannschaft brachte Belgien nicht nur sportliche Anerkennung, sondern auch viele Sympathiepunkte bei internationalen Fans ein.
Gegen Spanien zeigte Belgien anschließend eine beeindruckende kämpferische Leistung. Zwar hatte der Europameister über weite Strecken mehr Ballbesitz und die größere spielerische Qualität, doch die Roten Teufel hielten dagegen und hielten die Partie lange offen. Gerade deshalb bleibt nach dem Ausscheiden ein bitterer Nachgeschmack.
Nach dem Turnier beginnt nun die Analyse. Im Mittelpunkt stehen die Zukunft von Nationaltrainer Rudi Garcia sowie die Gespräche mit den erfahrenen Führungsspielern Thibaut Courtois, Kevin De Bruyne und Romelu Lukaku.
Taktische Entscheidungen und die Entwicklung der Mannschaft werden bewertet. Gleichzeitig muss der Verband berücksichtigen, dass die nächste Herausforderung bereits im September mit der Nations League wartet.
Trotz des enttäuschenden Endes hat Belgien bei dieser Weltmeisterschaft wichtige Zeichen gesetzt. Die Mannschaft hat gezeigt, dass sie auch ohne die große spielerische Dominanz früherer Jahre über andere Stärken verfügt.
Der Kampfgeist, der Zusammenhalt und die wiedergewonnene Verbindung zu den Fans könnten die Grundlage für die nächste Phase der Roten Teufel bilden. Der Traum vom WM-Titel ist geplatzt - aber Belgien hat sich mit einer Mannschaft verabschiedet, die wieder Stolz und Begeisterung im eigenen Land entfacht hat.
Nach dem WM-Aus: Hinter den Kulissen beginnt die Zukunftsplanung der Roten Teufel
Christophe Ramjoie