"Ein glücklicher Vasall zu sein, das ist eine Sache. Ein elender Sklave zu sein, das ist etwas anderes". Dieser Satz von Premierminister Bart De Wever hallt bis heute nach. Ausgesprochen hat er ihn Mitte Januar beim Weltwirtschaftsforum in Davos. Knapp drei Monate später nähert sich Europa allerdings dem Zustand "elender Sklave". Denn es wird immer deutlicher, was US-Präsident Donald Trump von der Nato und den "Partnern" erwartet: absoluten Gehorsam. In seiner Welt ist die Allianz nicht mehr als ein Werkzeug zur Umsetzung seiner America First-Agenda.
Das Ganze ist an Unverschämtheit kaum zu überbieten. Erst bricht Donald Trump zusammen mit seinem israelischen Freund Benjamin Netanjahu einen Krieg vom Zaun. Ohne UN-Mandat, ohne die Nato-Partner zu konsultieren, nicht mal zu informieren. Und, wenn die Dinge dann nicht so laufen wie "geplant", wobei man sich fragen darf, was denn eigentlich der Plan war, dann jedenfalls müsste die Nato wohl plötzlich "Gewehr bei Fuß" stehen. Um die Scherben aufzukehren, die die Amerikaner mit beispielloser strategischer Kurzsichtigkeit verursacht haben. Und, um nicht irgendeine Aufgabe zu übernehmen, sondern das, was die USA selbst nicht hinbekommen, nämlich -mal eben- die Öffnung der Straße von Hormus.
Die Meerenge mit Gewalt öffnen zu wollen, das wäre ein so aussichtsloses Unterfangen wie die Kriege in Afghanistan oder gar Vietnam. Denn: Um die Straße von Hormus in Schach zu halten, dafür braucht es nicht viel; da gilt das Motto: kleine Nadelstiche, große Wirkung. Es reicht im Zweifel, einen einzigen Tanker zu treffen, um den Schiffsverkehr gleich wieder zum Erliegen zu bringen. Solche Aktionen zu verhindern ist hingegen fast unmöglich. Die Straße von Hormus ist nunmal ein bisschen größer als die Fifth Avenue in New York, um es mal in Dimensionen auszudrücken, die der US-Präsident aus seinem Alltag kennt.
Es ist jedenfalls offensichtlich, dass Trump dieses strategische Nadelöhr unterschätzt hat, wenn er es denn überhaupt auf dem Schirm hatte. Im Gegensatz zu den Iranern, die sich fast ein halbes Jahrhundert auf eben diese Situation vorbereitet haben und eine klassische asymmetrische Kriegsstrategie verfolgen. Die da lautet: Wenn man einem militärisch übermächtigen Gegner gegenübersteht, dann muss man ihn vor allem da treffen, wo es wehtut. Und sich in der Zwischenzeit einmauern und das Ganze so lange wie möglich in die Länge ziehen.
Genau vor diesem Hintergrund ist der in dieser Woche geschlossene Waffenstillstand im Grunde nichts anderes als ein strategischer Sieg für das Regime in Teheran. Nach dem Motto: "Plan aufgegangen". Geschickt haben die Iraner Trump mit seiner -nach eigenen Worten- "mächtigsten Armee der Welt" ausgekontert. Es ist wie beim Fußball: Es reicht nicht, den Gegner zu dominieren, am Ende zählen nur die Tore. Und jetzt, wo er in dieser Mausefalle sitzt, jetzt ruft Trump also die Nato um Hilfe. Um vom eigenen Versagen abzulenken, sehr viele andere Erklärungen gibt es dafür nicht.
Grundsätzlich ausschließen kann man einen Einsatz von Nato-Einheiten freilich nicht. Selbst, wenn es im Ansatz nicht "unser" Krieg war, seine Folgen sind längst zu "unserem" Problem geworden. Allerdings, und hier liegt die Krux: Ein Nato-Einsatz ist erst dann überhaupt denkbar, wenn sich alle Kriegsparteien auf eine stabile Waffenruhe geeinigt haben; und im Idealfall mit einem Mandat der Vereinten Nationen.
Insbesondere die Europäer dürfen sich in jedem Fall nicht in den Krieg hineinziehen lassen. Erstens, weil hier das Völkerrecht mit Füßen getreten wurde. Das Regime in Teheran mag noch so menschenverachtend und entsprechend verachtungswürdig sein, der Zweck heiligt nicht die Mittel. Wenn das so wäre, dann würde zumindest in den Augen Pekings auch nichts mehr gegen eine Einverleibung Taiwans in die Volksrepublik China sprechen.
Trump und seine Regierung haben den UN-Sicherheitsrat nicht einmal konsultiert. Und daraus ergibt sich der zweite Punkt: Eben, weil es kein Mandat der Vereinten Nationen gibt, ist es kaum vorstellbar, dass sich die Nato an dem Krieg beteiligt. Im Normalfall ist die Allianz nämlich -laut ihren Satzungen- rein defensiv ausgerichtet. Und auch die Beistandsklausel, der ominöse Artikel 5, greift hier nicht. Denn die USA wurden schließlich nicht angegriffen. Nato-Generalsekretär Mark Rutte hat sich denn auch weit aus dem Fenster gelehnt mit seiner Kritik insbesondere an den Europäern. Donald Trump in Teilen recht zu geben, damit bewegt er sich auf ganz dünnem Eis - und riskiert damit, die Nato zu spalten.
Apropos "spalten". Trump hat ja wieder mal den Partnern mit "Strafmaßnahmen" gedroht, weil sie nicht gehorcht haben. Und wieder geht die Angst um, die USA könnten die Nato verlassen. Alle, die diese Sorge umtreibt, sollten sich langsam, aber sicher die Frage stellen, ob das nicht schon längst passiert ist. Oder glaubt irgendjemand noch ernsthaft, dass die USA den Europäern zu Hilfe eilen würden, wenn Russland das tut, was man befürchtet, und etwa das Baltikum angreift?
Mit seinen ewigen Drohungen hat Trump doch längst die Beistandsklausel entkräftet, zumindest ihre Glaubwürdigkeit beschädigt. Und damit die Nato entkernt.
Eine Nato, die ihre eigenen Grundwerte verrät, oder verraten müsste, das ist keine Allianz, der man angehören will. Und eine Nato, deren Existenzberechtigung ausgehöhlt wird, ist keine Allianz, der man angehören muss.
Klar: Ohne die Amerikaner stünde der Alte Kontinent wohl ziemlich blank da, aber auch nicht völlig mittellos. Hier würde man sich etwas mehr Selbstbewusstsein wünschen: Statt des ewigen Appeasements, dessen tragischstes Symbol Mark Rutte ist, sollte man den Spieß einmal umdrehen - wissend, dass die Amerikaner auch nicht so ohne Weiteres auf ihre europäischen Stützpunkte verzichten könnten.
In Davos hat sich gezeigt, dass Trump -damals in der Grönland-"Frage"- nur dann zurückrudert, wenn man klipp und klar "Nein" sagt und Gegenmaßnahmen erwägt. Deswegen sollten die Europäer in den Spiegel schauen und ernsthaft in Erwägung ziehen, selbst den Stecker zu ziehen. Bevor sie endgültig zu "elenden Sklaven" werden.
Roger Pint
Die Europäer können leicht den Stecker ziehen, indem sie amerikanische Staatsanleihen verkaufen oder die Sanktionen gegen Russland aufheben. Nur den Europäern fehlt der Mut dazu.
Hier in dem Fall sind die USA der Aggressor. Haben den kürzeren gezogen. Da wäre es eigentlich normal, dem Iran Zugeständnisse zu machen, um irgendwie aus der Sache zu kommen.
Sehr treffend zusammengefasst.
Ein bißchen mehr gemeinsames europäisches Selbstvertrauen stünde uns gut zu Gesicht.
Es bleibt zu hoffen, dass diese Geisteshaltung auch in den Köpfen unserer Volksvertreter zum Tragen kommt.
Danke für diesen Kommentar, Roger Pint!
Man sollte und muss mehrere Dinge unterscheiden.
Da gibt es zuerst mal einen Trump der wohl glaubt jeden Tag eine Unverschämtheit in groben Tönen in die Welt hinausposaunen zu müssen. Ein Präsident für den jeder vernünftige gut erzogene Mensch sich schämen muss.
Dann gibt es die USA, ein Staat mit der wohl größten und stärsten Armee der Welt und Politiker die auch die Interessen dieses Staates und dessen Bevölkerung vertreten. Und dies sind nicht unbedingt die Interessen von Trump und Anhang. Im Gegenteil. Die Nato ist und bleibt auch für die USA eine sehr wichtige Institution. Ein Austreten aus der Nato würden die USA auf allen Gebieten stark schwächen und dies wissen auch die meisten informierten Amerikaner. Nur deren Präsident weiss das nicht, wie so vieles. Wie lange lassen die Amerikaner sich von Trump noch auf der Nase herumtanzen?
Da ist ein riesiger Hacken, die Mannschaftsstärke der Europäer ist ZU gering um es "mild" auszudrücken. Aber die Wehrpflicht wieder einführen ist kein Allheilmittel dagegen, die Anforderungen an den Soldat haben sich derart verändert, das ein Militärdienst von 'nem Jahr nicht ausreicht um etwas anderes als Kanonenfutter heranzuziehen. Um 45/47 eins auszuwischen sollten die Europäer SÄMTLICHE amerikanischen Waffenkäufe stornieren, das tut ihm weh, nicht Belehrungen über die Defensivausrichtung der NATO, er ist zu BORNIERT um sowas zu verinnerlichen, tut ihm weh indem ihr ihm an den Geldbeutel geht, mit den Waffenkäufen
Ich erinnere an das Angebot, was erstaunlicherweise sogar Diktator Stalin dem Deutschem Volk Ende des Zweiten Weltkriegs gab:
Entlassung in die Politisch-Militärische Neutralität wie es den Oesterreichern definitiv unbefristet seit 1945 garantiert wird.
Den Menschen in Deutschland kann ich empfehlen, per Klage an den EGMR und nachfolgend bei Bedarf an die Vereinten Nationen ihre Anliegen nach jetziger Neutralitätsgarantie Voelkerrechtlich durchzusetzen.
Raus aus der EU, raus der NATO. Militärbeamten der Westmächte ab nach Haus!
Irgendwie kann ich immer noch nicht vorstellen, das ein in sich selbst verliebter Narzist, dem quasi der Kalk auch jetzt noch aus den Ohren bröckelt, die gesamte Einstellung der USA zu Europa so verändern kann....ich denke da steckt mehr dahinter: Peter Thiel und Konsorten.
Vorsicht: das ist jetzt nur eine Vermutung....aber könnte es sein, das Trump mit seinen regelmässigen Posts, auf die die Börse dann empfindlichst reagiert, dann ein paar Leute ziemlich viel Kohle verdienen lässt ??? Rein subjektiv.
Der Kommentar ist die übliche typische europäische Heuchelei und eine Verdrehung der Realität.
Natürlich haben die meisten NATO-Länder den USA insgeheim geholfen, sowohl politisch als auch militärisch über Logistik, Nachschub, Absicherung, Geheimdienste, Nutzung der Militärbasen, Überflugrechte, Reparaturen von defekten Toiletten auf Flugzeugträgern. Woher will der Kommentar wissen, was wirklich abgesprochen war und was nicht? Glauben Sie allen Ernstes auch nur ein Wort von einem Politiker? Sind Sie so naiv? Die europäischen NATO-Eliten hätten alles stoppen können - ohne das Drehkreuz Europa ist ein Angriff in diesem Ausmaßen nicht möglich.
Sie haben den USA und seinen Stellvertreter Netanjahu den Rücken frei gehalten, so wie sie es in der Ukraine auch getan haben. Sie wussten, dass es unpopulär werden würde, wenn sie öffentlich mit eingebunden worden wären. Spanien war nur das "Ecover", umweltfreundlich und biologisch abbaubar zum Weißwaschen für die ganze Drecksarbeit und das viele Blut von Kindern an ihren Händen....
"Irgendwie kann ich immer noch nicht vorstellen, das ein in sich selbst verliebter Narzist, ..."
ich will mich nicht verschleudern aus meiner erwünschten Unparteiigkeit [für Trump, gegen Trump, für den oder den].
Was mir immer dies und jenseits der EU und weiteren fragwürdigen "politischen Führern des ... ] auffällt, dass solche Anführer dieser fast immer tendenziell politisch rechtsextremen Staaten, Voelker und Voelkerunionen Ehebruch treiben. Und zwar als vielfacher "Großfamilien-Erzeuger" mit Sohnemännern, Enkeln und mehr echt wie Sand am Meer.
Weil sowas kann für mich einfach nichts "vertrauenswürdig" mehr bleiben, wenn sowas ein ganzes Volk oder noch mehr betreuen soll. Weil wer würdig wie ein Koenig von kritischen Menschen wie mir behandelt werden will, muss mir erstmal den Vollbeweis der Integrität mit eindeutig reinem Leumundszeugnis vorweisen.
Wie bereits erwähnt, verlang ich das von jedem Führer der Welt aus Wirtschaft, Politik und Konzernen.
Weil, sonst bitte aber Laufpass dort mit "Raus der EU, Raus aus der NATO!"
Werter Herr Chemnitz.
Nur zur Information : in den USA werden Insider-Geschäfte schwer bestraft.Gut möglich, dass sowas versucht wird.Nur das fällt aber auf, denn der Markt wird ja von vielen beobachtet.Sowas kann nur in Ländern funktionieren wie China oder Russland, wo Vetternwirtschaft zum System gehört.
Werter Herr Krapalies.
Ich glaube nicht, dass die USA die europäischen Verbündeten vorher gefragt haben.Die wurden einfach vor vollendete Tatsachen gestellt.Bei vorheriger Information hätte jemand die Iraner warnen können.
Werter Herr Margraff.
Europa braucht kein riesiges stehendes Herr wie im Kalten Krieg.Es braucht nur genügend Reservisten.Die russische Armee ist keine große Gefahr aufgrund ihrer schwachen Leistung in der Ukraine. Sabotage und Spionage sind eher die Gefahren.
Herr Pint, hervorragender Kommentar!
Herr Scholzen Eimerscheid,
der Iran bereitet sich seit 40 Jahren auf diesen Angriff vor. Jeder halbwegs interessierte Laie konnte die Bewegungen der großen Tankflugzeuge der USA über das Drehkreuz Europa verfolgen, geschweige die Verlegung der unübersehbaren Flugzeugträger samt Gefolge in Richtung Persischer Golf. Selbst der Angriffstermin nach Börsenschluss an einem Samstagmorgen war allen noch denkenden Menschen klar. Sie hätten danach jeden Wecker stellen können.
Wenn die USA nicht die weltweite Vorherrschaft haben können, werden sie alle Anderen mit in den Abgrund reißen. Das wissen die "Verbündeten" -besser wäre Vasallen- nur zu gut. Die Europäer konnten im Iran nicht offiziell mitmachen, da ihre Standardfloskel gegenüber Russlands "unprovozierten, völkerrechtswidrigen Angriffskrieg, den es unter allen Umständen - selbst zum eigenen Schaden - zu verurteilen gilt" den Wählern nicht mehr vermittelbar gewesen wäre, zumal diese durch diese Herangehensweise massive Einbußen in ihren Lebensstandard mittragen müssen.
Venezuela, Russland, Iran sind alles Öllieferanten von China.
Herr Krapalies.
Iran und Venezuela fallen jetzt aus als Chinas Öllieferanten. Dann wird Russland eben der Hauptlieferant.
Die Chinesen sollte man besser nicht unterschätzen.Selbst wenn die den Weltmarktpreis für Öl bezahlen müssen, kaufen die dann eben andere Rohstoffe unter Weltmarktpreis in anderen Ländern ein.Die Chinesen haben vielen Entwicklungsländern Geld geliehen und so manches Land hat jetzt Probleme mit der Rückzahlung.Und anstatt mit Geld zu bezahlen, bezahlen die mit Rohstoffen unter Weltmarktpreis.Das ist dann reinster Tauschhandel bei dem kein Geld fließt.Der US Dollar oder eine andere Währung dient da nur als Verrechnungseinheit.
Zumindest haben die Chinesen es geschafft, den Iran zu Gesprächen mit den USA in Islamabad zu bewegen. Nun gut, sie nehmen dem vom Westen stark sanktionierten Iran knapp 90% seiner Ölförderung ab und bezahlen dies in ihrer Währung Yuan, über Drittbanken in Russland oder durch Tauschgeschäfte in Form von Infrastrukturprojekten.
Wie soll es auch anders funktionieren? Die 90 Millionen Menschen in dem Land müssen überleben.
Der Iran wurde aus dem internationalem Finanzsystem ausgeschlossen bzw. dem Zahlungssystem SWIFT, es gibt Handel- und Technologiesanktionen, Export- und Importverbote en masse gegen Maschinen und Ersatzteile aller Art u.s.w.
China hat weltweit derzeit rund eine Billion US-Dollar verliehen, vor allen Dingen nach Asien, Lateinamerika, Afrika - hauptsächlich zweckgebunden für Infrastrukturprojekte, die ihnen beim Abbau von Rohstoffen vor Ort nützlich sein werden. Sie sind damit der größte Gläubiger der Welt.
Stellungnahme von mir zu dem voelkerrechtswidrigen Krieg gegen den Iran:
Die Menschen im Iran sind MENSCHEN mit Menschenrechten wie auch die Menschen in Palästina, der Alt-Sowjetunion und Deutschland gemäß Menschenrechtskonvention der Vereinten Nationen!